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Filmstarts
10/10/2012

"96 Hours": Herrlich muskelloser Held

In den US-Charts liegt Teil 2 des Actionreißers "96 Hours" an der Spitze. Liam Neeson rast darin durch Istanbul, nur der Humor geht am Stock.

Ich spiele, so lange meine Knie noch mitmachen" (Liam Neeson)

Die Frage, die uns heute beschäftigen könnte, lautet: Kann man zu alt sein für Actionrollen? Harrison Ford ist diesbezüglich im Vorruhestand, Clint Eastwood schon länger in Pension – nur Stallone wehrt sich noch heroisch in seiner "Expendables"-Serie mit Oldie-Krachern. Aber der hat ja auch Selbstironie. Das kann man von "96 Hours – Taken 2" gerade nicht behaupten kann. Liam Neeson, geringfügige 60 Jahre alt, spielt darin zum zweiten Mal einen Mann, der seine Familie recht effektiv mit Handfeuerwaffen befreien kann. Beim Faustkampf sieht es schon schlechter aus. Offenbar braucht er noch keinen Hörapparat: Diesmal merkt er sich nicht unbeeindruckend einen Weg mit verbundenen Augen nur anhand der Geräusche. Liam Neeson ist als Typ ohnehin ein herrlich muskelloser Anti-Held: bieder und uncool, besorgter Ex-Ehemann und sorgender Vater, ein James Stewart des Actionfilms.

Leider geht der Humor des Films meist am Stock. Immerhin, am Ende darf seine Tochter über ihren neuen Freund sagen: "Papa, den bitte nicht erschießen, den mag ich."

Musste er noch im ersten Teil binnen 96 Stunden seine Tochter finden und haufenweise Menschen erschießen, so rächen sich jetzt die Verwandten der haufenweise Erschossenen. Und zwar in Gestalt einer albanischen Gangstertruppe, die nun alle: also Vater, Mutter und Kind entführen und ermorden wollen. Im Erstschlag gelingt ihnen das nur mit Vater und Mutter, worauf die Tochter angehalten ist, diese zu befreien. Sie lernt dabei nicht nur Autofahren, sondern auch hörsturzgefährdend Handgranaten wegwerfen. Auf dass ihr Vater anhand der Detonation abschätzen kann, wie weit sie noch von ihm entfernt ist.

Der geradlinige Actionfilm ist blutig und inhaltlich ein wenig blutleer. Zumindest in seiner Ideologie der Selbstjustiz aber weniger dubios als sein Vorgänger: Am Ende will man sogar Frieden schließen. "Transporter 3"-Regisseur Olivier Megaton macht Istanbul jedenfalls zum eindrucksvollen Hauptdarsteller: Dächer, über die man flüchten kann, der Markt, die engen Gasse, die man durchrasen kann, sind Schauplätze des Actionglücks.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: ACTION, USA 2012. 91 Min. Von Olivier Megaton; m

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