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Fischer eröffnete 95. Salzburger Festspiele
Erneut mahnte Fischer zur Hilfe für Menschen in Not. Man muss Menschen auf der Flucht "in die Augen und uns selbst in den Spiegel schauen können".
Die 95. Salzburger Festspiele sind eröffnet. Beim Festakt in der Felsenreitschule heute, Sonntag, Vormittag, nutzte Bundespräsident Heinz Fischer seine Eröffnungsworte für eine Ermahnung zur Hilfe für Menschen in Not. Auch Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) rief zu weniger Furcht vor dem Fremden auf. Festredner Rüdiger Safranski philosophierte und politisierte zum Thema Zeit.

Humanität


Haslauer

"Wir geben den Flüchtlingen das Notwendige zum Leben und werfen ihnen vor, dass sie es nehmen. Wir regeln ihre Untätigkeit und stricken daraus Faulheit. Wir haben Angst vor Identitätsverlust und davor, selbst Opfer zu werden. 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, aus verschiedenen Gründen, mit den unterschiedlichsten Zielen, sie alle wollen Sicherheit, sie alle wollen leben - jetzt, in dieser Minute, spielen sich geradezu unfassbare menschliche Schicksale ab - nehmen wir sie jetzt also alle auf?" Eine Antwort darauf blieb Haslauer allerdings schuldig. Statt dessen ermunterte er zu Stolz auf die eigene Kultur anstelle von Furcht vor der fremden.

Rüdiger Safranski und die "Revolution des Zeitregimes"
Festspiel-Eröffnungsredner Rüdiger Safranski hielt ein Plädoyer für eine "Revolution des Zeitregimes". Der deutsche Schriftsteller, Philosoph und Literaturwissenschafter sinnierte anhand des "Rosenkavalier" über Entschwinden und Zerfließen aller Zustände und wünschte sich eine politische Machtentscheidung für eine neue "Vergesellschaftung und Bewirtschaftung der Zeit".
"Sobald wir, wie die Marschallin, auf die Zeit achten, merken wir, wie diese gegenwärtig erlebte Wirklichkeit sich unablässig in die Vergangenheit auflöst und verschwindet." Weil aber "unaufhörlich die Dinge und Menschen in die Vergangenheit entschwinden, gibt es so unendlich vieles, für das man selbst jeweils der einzige und vor allem der letzte Zeuge ist und wenn die Zeugen verschwinden, stürzt das einst Wirkliche vollkommen ins Unwirkliche. Es ist dann so, als wäre es nie gewesen."
Während man aber die Zeit selbst nicht in der Hand hat und sich auch der von ihr ständig vor Augen geführten Vergänglichkeit und Sterblichkeit nicht entziehen kann, sei die Verwendung der Zeit und das Regime der allgegenwärtigen Uhr revolutionsbedürftig. Die Gesellschaft bewege sich wirtschaftlich bedingt unter immer größerem Zeitdruck, der gleichzeitig die Lebensdauer der Produkte verringert. "Zur Beschleunigungsökonomie gehört deshalb die Wegwerfökonomie."
"Es ist eine politische Machtfrage, die verschiedenen Geschwindigkeiten, die der Ökonomie und die der demokratischen Entscheidungsprozeduren aufeinander abzustimmen, was darauf hinauslaufen würde, die Ökonomie unter das Zeitmaß demokratischer Entscheidungen zu bringen. Ebenso ist es eine politische Machtfrage, ob es der Finanzwirtschaft weiterhin erlaubt bleiben soll, mit der Zukunft so gemeingefährlich zu spekulieren, wie sie das bisher getan hat und noch tut."
"Es ist eine politische Machtfrage zu entscheiden, welchen Preis an Umweltschäden und Lebensbelastungen wir zu zahlen bereit sind - nur um eine schnellere Fortbewegungsart zu ermöglichen. Es ist eine politische Machtfrage, Lebenszyklen und Arbeitsprozesse zu synchronisieren. Und es ist eine politische Machtfrage, wie viel Zeit wir den Kindern geben und lassen wollen und den Alten und dem Altern."