Kultur
28.03.2017

175 Jahre Wiener Philharmoniker: Walzer für Millionen

Das Neujahrskonzert ist wohl das wichtigste des jeweiligen Jahres. Die wunderbare Musik der Strauß-Dynastie als reine Unterhaltung abzuqualifizieren, wäre Kultur-Snobismus.


Mag das Repertoire jedes Jahr ähnlich sein; mag die künstlerische Qualität alljährlich auf höchstem Niveau sein; mag sich dieses Ereignis also immer wieder nur im Detail unterscheiden: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist bestimmt jenes mit dem größten Faszinosum. Was eben genau daran liegt, dass es, bei aller Ähnlichkeit in der Anmutung, bei näherer Betrachtung doch jedes Jahr völlig anders ist.Darob ist dieses Konzert ebenso ein zentrales für all jene, die daheim oder anderswo feuchte Augen bekommen, wenn sie den "Donauwalzer" hören, wie für jene Connaisseure, die die Unterschiede in der Interpretation minutiös studieren. Anfänge in der NS-Zeit.Wenn man zurück zu den Anfängen geht, lässt sich der politische Hintergrund nicht ausblenden.

Nachdem es bereits von 1929 bis 1933 in Salzburg Strauß-Konzerte unter Clemens Krauss gab, die das Neujahrskonzert vorwegnahmen (wie der langjährige Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg in einem Artikel zur Entstehung genau erklärt), kam es in Wien am 31. Dezember 1939 zu einem Konzert unter Krauss für das Kriegswinterhilfswerk der Nazis. 1941 dann, wieder unter Krauss, fand das erste Konzert am 1. Jänner statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand zweimal Josef Krips am Pult, ehe Krauss nach der Aufhebung seines Dirigierverbots zurückkehrte.

Nach dessen Tod 1954 entschieden sich die Wiener Philharmoniker, Konzertmeister Willi Boskovsky mit der Leitung zu betrauen, der das Konzert von 1955 bis 1979 prägte. Von 1980 bis 1986 folgte Lorin Maazel, dann entschloss sich das Orchester zu alljährlichen Wechseln. So kam 1987 das grandiose Konzert unter Herbert von Karajan zustande, so durfte man Carlos Kleiber zweimal erleben, so konnte Riccardo Muti (der auch 2018 wieder dirigieren wird) das Neujahrskonzert ebenso bereichern wie Claudio Abbado, Zubin Mehta, Daniel Barenboim, Seiji Ozawa oder Franz Welser-Möst. Für die – subjektiv betrachtet – beeindruckendsten Erlebnisse der vergangenen Jahre sorgten jedoch Nikolaus Harnoncourt bei seinem Debüt 2001, als er die Urfassung des "Radetzkymarsches" an den Beginn stellte und das Kriegerische an den Märschen betonte, sowie der grandiose Interpret Mariss Jansons und der fabelhafte Ästhet Georges Prêtre. Diversity und Vielfalt – das ist heute das politische Statement des Neujahrskonzertes.