Kultur
28.03.2017

175 Jahre Wiener Philharmoniker: Gastkommentar Saburo Nomura

Vor mehr als 60 Jahren absolvierten die Wiener Philharmoniker ihre erste Japan-Tournee. Saburo Nomura über die Bedeutung dieser Reisen und die Liebe seiner Landsleute zum Orchester.

In diesem Jahr feiern die Wiener Philharmoniker ihren 175. Geburtstag. Allein dieses Jubiläum zeigt, welche brillante Tradition dieses Orchester hat. Ich gratuliere den Wiener Philharmonikern zu diesem Geburtstag aus tiefstem Herzen.

Die Wiener Philharmoniker haben in ihrer Geschichte viele Jahre eine glückliche Zeit verbracht. Man kann sich jedoch auch vorstellen, wie schwierig die Zeit während des Ersten und Zeiten Weltkrieges auch für das Orchester war. Trotzdem brachten die Wiener Philharmoniker immer glänzende Kultur in die ganze Welt.

Überraschung.Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1956, absolvierten die Wiener Philharmoniker erstmals eine Japan-Tournee. Dieser Besuch in Japan bedeutete eine unglaubliche kulturelle Freude, aber auch eine große Überraschung für die Musikliebhaber in Japan, was man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Damals waren nur knapp 40 Mitglieder der Wiener Philharmoniker mit dem Komponisten Paul Hindemith als Dirigent in Japan. Aber schon da hat das Orchester den Japanern den Kern der österreichischen musikalischen Tradition gezeigt. Diese Begeisterung für das Orchester reicht von damals bis in die Gegenwart.

Wenn man japanischen Musikliebhabern die Frage stellt, welches Orchester das beste auf der Welt sei, wird man meistens "Die Wiener Philharmoniker" als Antwort bekommen. So sehr lieben Japaner dieses Orchester. Speziell der Klang, die Phrasierung, das Repertoire bis hin zum Wienerwalzer – darin sehen viele Japaner heute ihre musikalische Heimat. Warum? Das kann niemand beantworten, das muss man einfach so würdigen.

Wenn die Wiener Philharmoniker auf Japan-Tournee sind, gibt es jedoch nicht nur Konzerte, sondern auch verschiedene Veranstaltungen. Die Musiker unterrichten und beraten japanische Studenten, sie halten Vorträge und viele Meetings ab. So wird die Gelegenheit geschaffen, die menschlichen, persönlichen, amikalen Beziehungen zwischen Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und ihren japanischen Freunden zu vertiefen.

Freundschaft.Ja, ich glaube wirklich, dass da mittlerweile echte Freundschaften entstanden sind. Man könnte sogar sagen, dass die Wiener Philharmoniker eine wichtige diplomatische Rolle im Ausland haben.

Leider sind die Eintrittskarten für Konzerte der Wiener Philharmoniker sehr teuer, die teuersten kosten 39.000 Yen, das sind etwa 325 Euro. Dennoch sind sie immer sofort ausverkauft. Im Gegenzug freue ich mich aber auch, dass die Wiener Philharmoniker mithelfen, Werte der japanischen Kultur, bis hin zu japanischen Gerichten wie Sushi, Tempura, Teppanyaki, oder auch Zenbuddhismus weltweit bekannt zu machen.

Der Autor

Saburo Nomura ist Musiksoziologe. Er hat bereits zahlreiche Publikationen über die Wiener Philharmoniker veröffentlicht.