Industriestandort Wien: Fokus auf Technologie und Innovation

Mehr als nur ein kulturelles Zentrum: Wien ist ein dynamischer Industriestandort mit langer Tradition und starker Zukunftsorientierung.
Die Donau schlängelt sich durch Wien, überbrückt von Autobahnen und mit dem DC Tower im Hintergrund.

Wien gilt seit Jahrzehnten als wirtschaftliches Herz Österreichs. Die Stadt vereint internationale Organisationen, innovative Start-ups, traditionsreiche Industriebetriebe und einen starken Dienstleistungssektor auf engem Raum. Diese Mischung macht den Wirtschafts- und Industriestandort Wien zu einem der vielseitigsten im deutschsprachigen Raum. Als Tor zu den Märkten in Mittel- und Osteuropa hat sich die Stadt früh als Headquarter-Standort für internationale Unternehmen etabliert. Zahlreiche Konzerne steuern von hier aus ihre Aktivitäten in der CEE-Region. „Unsere Stadt hat sich als Wirtschaftsstandort in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, auch wenn die Industrierezession der letzten drei Jahre natürlich nicht spurlos an Wien vorübergegangen ist. Wien profitiert in dieser Situation vor allem von seinem breiten Branchenmix, so hat sich etwa der Bereich Life Sciences & Pharma oder auch die IT-Branche selbst in diesen Krisenjahren gut entwickelt. Insgesamt ist Wien daher besser durch diese Krise gekommen. Die Bundeshauptstadt hat als Standort in den vergangenen Jahren zudem von der erfolgreichen Umsetzung zahlreicher Großprojekte profitiert, ich denke beispielsweise an die Seestadt Aspern, den neuen Hauptbahnhof oder auch die Realisierung des neuen WU-Campus“, erklärt Johannes Höhrhan, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft fördert Innovation und Technologietransfer.

Forschungseinrichtungen und Kompetenzzentren tragen dazu bei, dass Wien auch im internationalen Wettbewerb um Zukunftstechnologien mithalten kann.

Zwei Männer besprechen konzentriert eine technische Anlage, einer trägt eine Warnweste.

Wien ist ein attraktiver Standort für Industrie-Unternehmen.

Innovationskraft

Neben dem starken Dienstleistungssektor verfügt Wien über eine bedeutende industrielle Basis. Besonders in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Umwelttechnologie, Life Sciences und Lebensmittelproduktion sind zahlreiche Betriebe angesiedelt. Viele dieser Unternehmen verbinden industrielle Tradition mit moderner Forschung und Entwicklung. „Entgegen der landläufigen Meinung ist die Stadt als Produktionsstandort sehr gut aufgestellt: Exzellent ausgebaute Infrastruktur, hochwertige Dienstleistungen aller Art und vor allem bestens qualifizierte Mitarbeiter. Und in Wien ist durch das Fachkonzept “Produktive Stadt„ zudem sichergestellt, dass auch ausreichend Fläche für weitere industrielle Entwicklungen vorhanden ist. Aber auf dem Erreichten dürfen wir uns nicht ausruhen, nicht stehen bleiben“, so Höhrhan und weiter: „Eine besondere Stärke unserer Stadt ist sicher einmal der erwähnte Life Science Bereich. Bei Lösungen im Bereich der schienengebundenen Mobilität, sowohl auf Hersteller- als auch auf Anwenderseite, sind wir jedenfalls ganz vorne mit dabei. Darüber hinaus profitieren wir von einer großen Bandbreite an Unternehmen in der Elektro- sowie der metallverarbeitenden Industrie. Es ist übrigens für viele Menschen in und auch außerhalb Wiens immer wieder überraschend, wie viele produzierende Unternehmen in unserer Stadt eigentlich beheimatet sind. Diese starke Position gilt es weiter auszubauen.“

Johannes Höhrhan blickt in die Kamera.

„Entgegen der landläufigen Meinung ist die Stadt als Produktionsstandort sehr gut aufgestellt.“

von Johannes Höhrhan, Industriellenvereinigung Wien.

Life Sciences

Die 20 weltweit umsatzstärksten Life Sciences-Unternehmen sind bereits in Wien vertreten. Sie machen die Stadt zu einer zentralen Innovationsdrehscheibe Europas, die zahlreiche neue Organisationen und Unternehmen anzieht. Ein Beispiel ist das Aithyra Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Die europaweit einzigartige Forschungsinstitution vereint das Beste aus dem akademischen Bereich, der Industrie und Start-ups und liefert wegweisende Impulse für die Medizin der Zukunft. Als Standortagentur schafft die Wirtschaftsagentur Wien mit der Errichtung des neuen Life Sciences-Gebäudes, in welches das Institut 2029 einziehen wird, zusätzliche Flächen für Forschung und Entwicklung. Damit stärkt Wien nicht nur seine Position als Standort für Life Sciences, sondern wird auch zur Vorreiterin im Bereich Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“, sagt Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien.

Mit einem Jahresumsatz von 22,7 Milliarden Euro, über 49.000 Beschäftigten und mehr als 750 Organisationen zählt Wiens wachsende Life Sciences-Branche bereits zu den führenden Regionen in Europa.

Die Grafik zeigt die Wirtschaftsleistung Österreichs 2023, wobei Wien 118,7 Mrd. € zum BIP beiträgt und Dienstleistungen 86% ausmachen.

Betriebsansiedelungen

In Wien gab es im Jahr 2024 mehr internationale Betriebsansiedlungen als in den restlichen Bundesländern zusammen. 218 internationale Unternehmen entschieden sich für den Standort Wien, im Rest Österreichs waren es 91. Die Kriterien, auf die bei der Ansiedelung Wert gelegt werden, sind die viel zitierte Lebensqualität Wiens – die sicher ein besonderes Asset darstellt –, die gut ausgebaute Infrastruktur, Forschung auf Top-Niveau sowie ein breites Angebot im Bereich Bildung. Dazu Höhrhan: „Hier kann Wien in vielen Bereichen punkten. Insgesamt spielen aber vor allem die wirtschaftlichen “hard facts„ eine zentrale Rolle, also Lohnstückkosten, Belastung durch Steuern und Abgaben, Bürokratie etc. Hier kämpft der Standort Österreich insgesamt derzeit mit großen Problemen, wir haben sogar im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn massiv an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung sind ein Anfang, letztlich aber nur ein erster Schritt. Mit Blick auf die Zukunft müssen wir dringend unsere Budgets, auf Bundes- und Landesebene, durch ausgabenseitige Maßnahmen und strukturelle Reformen in den Griff bekommen. Nur so können wir uns den finanziellen Spielraum erarbeiten, um die viel zu hohe Belastung durch Steuern und Abgaben zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken.“

Die Grafik zeigt internationale Betriebsansiedlungen 2024, wobei Wien 218 und die restlichen Bundesländer 91 verzeichnen.

Start-ups holen

Wien hat sich in den vergangenen Jahren als internationaler Anziehungspunkt für wegweisende Start-ups und technologiegetriebene Unternehmen etabliert. Wie attraktiv der Start-up-Standort Wien international wahrgenommen wird, zeigen die Zahlen: Seit 2014 haben sich rund 2500 Start-ups aus über 110 Ländern für das Vienna Start-up Package Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien beworben. Jährlich werden rund 15 Unternehmen für einen Aufenthalt in Wien ausgewählt. Die teilnehmenden Start-ups kommen aus Bereichen wie Life Sciences, Künstliche Intelligenz oder nachhaltige Technologien.

„Die Welt braucht innovative, frische Ideen und Unternehmen, die bestrebt sind, neue Technologien zu entwickeln – insbesondere solche, die skalierbare, soziale und ökologische Lösungen bieten. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es entscheidend, internationale Unternehmen gezielt anzusprechen und ihnen verlässliche Rahmenbedingungen zu bieten“, so Weiss und weiter: „Mit dem Vienna Start-up Package holen wir auch heuer wieder ambitionierte Start-ups nach Wien und begleiten sie auf ihrem Weg zur Ansiedlung.“

Zwei Personen in Laborkitteln arbeiten mit Pipetten an Labortischen, umgeben von Laborgeräten und Chemikalien.

Der Life-Sciences-Sektor in Wien treibt den medizinischen Fortschritt voran.

Zukunftsperspektive

Entscheidend für die Zukunft als attraktiver Standort wird sein, wie konsequent Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zusammengedacht werden. Gelingt dies, bleibt Wien ein bedeutender Industrie- und Wirtschaftsstandort im europäischen Kontext. Höhrhan: „Ich betone immer, Wien müsste der Erzählung vom “schönen Wien„, der Metropole mit der höchsten Lebensqualität, eine zweite dominante Erzählung zur Seite stellen, und zwar jene der “Technologiemetropole Wien„. Wien hat hier sehr großes Potenzial, sich zu einem Innovationszentrum im Herzen Europas zu entwickeln. Dazu ist es unbedingt erforderlich, auch konsequent die eigenen Stärken weiterzuentwickeln.“

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