Lennart Braun: „Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen“
Lennart Braun, Vorsitzender der Jungen Industrie Oberösterreich und CEO der Braun Maschinenfabrik GmbH, über die Wichtigkeit der technischen Transformation und warum es ein starkes Bildungssystem dafür braucht.
Herr Braun, wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der technischen Transformation in der oberösterreichischen Industrie?
Lennart Braun: Die Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, die Automatisierung und Digitalisierung voranzutreiben, und was die industrielle Digitalisierung betrifft, halte ich die oberösterreichischen Betriebe für stark aufgestellt im internationalen Vergleich.
Wie können junge Führungskräfte Innovation im Unternehmen aktiv vorantreiben?
Bei uns im Unternehmen fördern wir aktiv ein innovatives Mindset und eine Kultur, bei der Innovation und Verbesserung im Fokus stehen, Fehler dürfen passieren, und wenn alle am gemeinsamen Strang ziehen, dann kommen wir gemeinsam nach vorne und sichern langfristig unsere Arbeitsplätze in der Region ab, was zu unseren Zielen gehört.
Wie wichtig sind F&E für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts?
Die Wichtigkeit einer starken F&E kann nicht stark genug betont werden. Warum ist das Silicon Valley so erfolgreich? Weil es im Zentrum eine starke Universität – Stanford – gibt, die seit Jahrzehnten in enger Kooperation mit den dort ansässigen Unternehmen an den Technologien der Zukunft forscht. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch das österreichische Bildungssystem sowie das Universitätssystem praxisorientierter forscht und mehr gemeinsame Projekte mit den Unternehmen anstrebt. Leider wird das sehr oft von linker Seite als „vor den Karren der Wirtschaft spannen“ kritisiert. Aber genau durch diese Symbiose von universitärer Forschung und innovativem Unternehmertum entsteht die Innovation, die wir z. B. derzeit im Silicon Valley oder in Shenzhen sehen können. Vor 100 Jahren war das Silicon Valley übrigens im deutschsprachigen Raum – damals waren deutschsprachige Universitäten führend. Dort wieder hinzukommen, sollte das Ziel unserer Generation sein.
Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, damit Innovation in Österreich erfolgreich sein kann?
Wenn ich an der Stelle schon eine Forderung stellen darf, dann ist es eine umfassende Bildungsreform, inklusive einer Reform der Lehrerausbildung und der Schulbücher. Was man derzeit über Wirtschaft in der Schule lernt, hat mehr mit Sozialismus als freier Marktwirtschaft zu tun, und selbst die Lehrer lernen wenig bis gar nichts über freie Marktwirtschaft – wie kontinentale industrielle Supply Chains funktionieren, wie unser Geldsystem funktioniert, oder wie cloudbasierte Software und Hardware die internationale Wirtschaft verändern, oder wie sich die Digitalisierung die nächsten Jahre auf unser Leben auswirken wird.
Was bremst die Entwicklung in Österreich? Wo sollte die Regierung ansetzen, um den Standort zukunftsfit zu machen?
Wir haben zwei große Problemfelder – erstens ein sich stark verschlechterndes Bildungsniveau, und zweitens einen Sozialstaat, in dem diejenigen, die ehrlich arbeiten gehen und Steuern zahlen, die Dummen sind. Wie kann es möglich sein, dass in Wien Familien mit drei Kindern 3500–4000 Euro netto bekommen, wenn man alle Sozialleistungen zusammenzählt, obwohl keiner arbeiten geht? Gleichzeitig werden diejenigen, die (noch) arbeiten gehen, mit Höchststeuern geschröpft, sodass bei der arbeitenden Bevölkerung immer weniger netto übrig bleibt. Zusätzlich wird unserer Jugend in der Schule beigebracht, dass Industrie und Unternehmen Ausbeuter sind, die den Planeten und sein Klima kaputtmachen. Wenn die Bundesregierung diese Problemfelder nicht angeht, wird im Jahr 2035 von der exportorientierten Industrie im produzierenden Bereich in Oberösterreich nicht mehr viel übrig sein.
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