Wie große Unternehmen Lehrlinge gewinnen und fördern
ÖBB. Aktuell werden rund 2.300 Lehrlinge in 26 technischen und kaufmännischen Lehrberufen ausgebildet. Für Herbst werden knapp 750 neue Lehrlinge gesucht.
Sandra Wobrazek
Sie zählen zu den größten Arbeitgebern des Landes: Österreichs führende Unternehmen setzen verstärkt auf die duale Ausbildung. Vom Mobilitätsunternehmen über die Versicherungsfirma bis zum Handelskonzern bieten sie jungen Menschen mit einer Lehre nicht nur eine fundierte Ausbildung und sichere Jobs, sondern auch Karrierechancen in einer sich rasant verändernden Arbeitswelt.
Lehrlinge gesucht
Durch das breit gefächerte Angebot erhalten die ÖBB jedes Jahr viele Bewerbungen. Aktuell werden rund 2.300 Lehrlinge in 26 technischen und kaufmännischen Lehrberufen ausgebildet. Für Herbst werden knapp 750 neue Lehrlinge gesucht. Gerade in der Ostregion sind die Plätze sehr schnell vergeben – eine rasche Bewerbung lohnt sich daher, sagt Pressesprecher Daniel Pinka: „Besonders viele Plätze haben wir in den Lehrberufen Gleisbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Bahnreise-/Mobilitätsservice. Wir freuen uns besonders auch über Bewerberinnen, denn selbstverständlich eignen sich alle unsere Lehrberufe für Mädchen genauso wie für Burschen.“
Zusätzliche Qualifikationen, sogenannte Skills, werden immer relevanter."
Novomatic wiederum erweitert ab 1. September sein Ausbildungsangebot um einen zusätzlichen Lehrberuf als „Technischer Zeichner/Technische Zeichnerin“. Aktuell ist man auf der Suche nach engagierten und passenden Bewerberinnen und Bewerbern, sagt Lehrlingsbeauftragte Denise Eisenberger. „In Gesprächen hat sich gezeigt“, so Eisenberger, „dass sich viele nach dem Schulabschluss zunächst für einen anderen Weg entscheiden und erst im Laufe ihrer Ausbildung oder nach deren Abschluss eine neue Richtung einschlagen – und dabei ihr eigentliches Interesse entdecken. Unsere Lehrlinge sind beim Einstieg tendenziell etwas älter und im Durchschnitt rund 18 Jahre alt.“
Spar/Interspar. Das Unternehmen beschäftigt über 2.000 Lehrlinge. Ab Herbst sind wieder bis zu 900 Lehrstellen ausgeschrieben – von Einzelhandelskaufmann über Lebensmitteltechnik bis Fleischverarbeitung.
Fachkräftemangel
Schon seit mehreren Jahren spürt auch die Porsche Holding Salzburg den Fachkräftemangel deutlich – besonders in den Werkstätten. „Gleichzeitig steht die Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation an, was den Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften weiter verstärkt. Technische Ausbildungswege gewinnen damit enorm an Bedeutung“, sagt Hermann Prax, Leiter Öffentlichkeitsarbeit. Hervorragend ausgebildete und geschulte Fachkräfte sind für sein Unternehmen essenziell, um neue Technologien kompetent umsetzen zu können, so Prax: „Deshalb geht unser Ausbildungskonzept auch weit über das rein fachliche Know-how hinaus, sondern bezieht auch die persönliche Entwicklung unserer Lehrlinge mit ein.“
Der Bewerbungsprozess für den Ausbildungsstart im August beginnt bei A1 meist im Spätherbst des Vorjahres – konkret ab Oktober oder November. Die intensive Phase der Auswahl liegt dann im Februar oder März, sagt Personalchef Fred Mahringer: „Unser Ablauf startet mit einer Online-Bewerbung, gefolgt von einem Video-Interview oder Online-Test. Anschließend findet oft ein persönliches, meist virtuelles Gespräch oder Casting statt. Zum Abschluss laden wir die Bewerber zu einem Schnuppertag ein.“ Bei der Auswahl wird weniger auf perfekte Schulnoten geachtet, dafür der Blick vielmehr auf Neugierde, Kommunikationsstärke und Begeisterung für Technik und den Umgang mit Menschen gerichtet – „diese Eigenschaften sind für uns entscheidend“.
Novomatic. Im Headquarter in Gumpoldskirchen wird in 13 Lehrberufen ausgebildet: u. a. Bürokaufmann, Drucktechnik, Digitaldruck, Mechatronik, Metallbau- und Blechtechnik, Metalltechnik/Werzeugbautechnik und Tischlertechnik.
Tipps vom Profi
Bewerbungscoach Marcus Braun von „Einfach.starten“ ist überzeugt: Unternehmen schauen auch auf Zusatzqualifikationen. „Dazu gehören auch soziale Fähigkeiten. Wer also im Lebenslauf erwähnt, dass er zum Beispiel im Fußballverein spielt oder sich ehrenamtlich engagiert, kann punkten.“
Bei der Vorbereitung für das wichtige Vorstellungsgespräch kann Künstliche Intelligenz helfen. Marcus Braun: „Ich kann der KI sagen, dass sie ein Vorstellungsgespräch mit mir simulieren und mir danach Feedback geben soll, wie ich war. Wichtig ist nur, dass der Prompt, also die Anweisung an die KI, genau beschreibt, um welche Stelle in welchem Unternehmen es sich handelt.“
A1. Der Telekommunikationsanbieter bildet derzeit rund 160 Lehrlinge in den Berufen Elektronik, Einzelhandel und eCommerce aus. Für den kommenden August plant man österreichweit etwa 55 bis 60 neue Lehrstellen zu besetzen.
Persönliche Note
Wer sich für eine Lehre bei Spar oder Interspar bewerben möchte, muss neben dem Pflichtschulabschluss vollständige Bewerbungsunterlagen vorweisen. „Zudem freuen wir uns“, so Konzernsprecherin Nicole Berkmann, „über die persönliche Note in Form von einem Foto oder einem Motivationsschreiben. Uns ist es oft lieber, es wird die persönliche Motivation für den Beruf beschrieben, als ein vorgefertigter Lebenslauf. Wir suchen bereits wieder Lehrlinge für Lehrstart September bzw. je nach Region können Lehrlinge auch während des Jahres starten.“
Mit der eigenen Lehrlingsapp „Check die Lehre“ hat die Wiener Städtische ein digitales Jobgame entwickelt, das Recruiting neu denkt, ist Personalchef Robert Bilek überzeugt: „Ergänzt wird das durch die weiterentwickelte Lehrlingsausbildung ,Check die Basis‘, die fachliche Qualität mit moderner Didaktik verbindet. Von ,Lehrling sucht Lehrling‘ bis zu ,Check die Lehre‘-App schaffen wir Einblicke, Orientierung und Vertrauen. So entsteht eine durchgängige Bewerbererfahrung – vom Erstkontakt bis zum erfolgreichen Start in die Lehre.“
Porsche Holding Salzburg. In ganz Österreich werden über 600 Lehrlinge in zehn Lehrberufen ausgebildet. In einer 4-jährigen Lehrzeit könnten junge Talente etwa den Beruf KFZ-Techniker mit Spezialisierung auf Hochvolttechnik erlernen.
Karriereleiter erklimmen
Die ÖBB investieren kontinuierlich in ihre Lehrwerkstätten, Anlagen, in moderne Ausbildungsmethoden und die Weiterbildung ihrer Ausbilder, heißt es aus dem Konzern. „Mit einer Übernahmequote von rund 80 Prozent bieten wir eine klare Perspektive für eine sichere und vielfältige Karriere nach der Ausbildung. Nach der Lehre stehen alle Türen offen, sei es im erlernten Beruf oder in einem der vielen Eisenbahnberufe. Deshalb unterstützen wir z. B. auch Lehre und Matura“, so Daniel Pinka. Er verweist auf über 130 Berufsbilder und umfassende Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln – „das reicht von der Facharbeiterin oder dem Facharbeiter bis zum Vorstand.“
Neben der fachlichen Wissensvermittlung legt Novomatic großen Wert auf die persönliche Entwicklung der Lehrlinge. „Auch die Lehre mit Matura wird von uns gefördert. Es ist bei uns kein Einzelfall, dass Lehrlinge eine fachliche oder in weiterer Folge eine erfolgreiche Managementkarriere einschlagen“, berichtet Denise Eisenberger.
Jedes Jahr starten bei der Porsche Holding Salzburg über 200 neue Lehrlinge – auf 200 offene Stellen für 2026 hält man aktuell bei rund 5.000 Bewerbungen. „Als international agierendes Unternehmen“, so Hermann Prax, „bieten wir vielfältige Chancen für die fachliche und persönliche Entwicklung sowie interessante Karrieremöglichkeiten. Nach oben hin gibt es kaum Grenzen: Bei uns ist die oft zitierte Karriere vom Lehrling zum Geschäftsführer Realität. Zahlreiche Führungskräfte in der Porsche Holding Salzburg haben ihren Karriereweg bei uns mit einer Lehre begonnen.“
Wiener Städtische. Die Wiener Städtische ist die größte Lehrlingsausbildnerin in der Versicherungsbranche. 2025 verzeichnete man mit 209 Lehrlingen einen neuen Rekordwert. Heuer werden österreichweit rund 100 Lehrlinge gesucht.
In die Zukunft blicken
Nicole Berkmann von Spar betont, dass das gegenseitige Kennenlernen mit dem Team sowie das Kennenlernen des eigentlichen Jobs sehr wichtig ist, damit man gegenseitig weiß, was einen erwartet und damit man auch einen Eindruck vom Team und der Tätigkeit bekommt. „Daher können Interessierte gerne bei uns schnuppern kommen
beziehungsweise auch um ein Praktikum anfragen.“
Österreichs große Unternehmen zeigen deutlich, dass erfolgreiche Wirtschaft ohne engagierte Nachwuchskräfte nicht denkbar ist. Denn: Wer heute in die Lehre investiert, stärkt nicht nur die eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch den Wirtschaftsstandort insgesamt. Für viele junge Menschen bedeutet das in jedem Fall: beste Chancen, um mit einer soliden Ausbildung selbstbewusst in die Zukunft zu starten.
ier dreht sich alles um das Thema Lehre und um passende Ausbildungsbetriebe, die nach neuen Mitarbeitenden suchen. Dabei wird auf ein rasch wachsendes Angebot gesetzt: Auf what.at, dem neuen österreichischen Lehrlingsportal sind derzeit (Stand: Februar) rund 3.000 verschiedene Lehrstellen in ganz Österreich verfügbar. Das sind fast doppelt so viele wie noch beim Start im Jänner 2025. Das Motto: „Lehre checken, Chancen entdecken.“
Gefragte Talente
Besonders viele offene Stellen gibt es zurzeit im Handel – aber auch in zahlreichen technischen Berufen. „Unternehmen wie die Rewe Gruppe zum Beispiel bieten aktuell mehr als 650 Plätze an. Und auch andere Händler suchen Lehrlinge“, sagt what.at-Portalmanagerin Sara Varsanyi. „Darüber hinaus haben in der Technik-Branche viele Unternehmen Ausbildungsplätze für junge Talente ausgeschrieben.“ Auf what.at erfahren Interessierte nicht nur alles über den potenziellen Lehrberuf: In Videos berichten Lehrlinge, wie die Ausbildung abläuft und was den Job und das Unternehmen für sie besonders macht.
Stark in Social Media Neben klassischen Jobangeboten setzt die Plattform aber auch auf umfassende Social-Media-Präsenz. Der Tiktok-Kanal hat bereits rund 1.200 Follower und insgesamt 42.000 Likes. In kurzen, zielgruppengerechten Formaten geben bisher 62 veröffentlichte Videos Einblicke in die vielfältigen Lehrbetriebe. Die Clips „Lehre als Frau beim Bundesheer“ und „Warum man Masseur als Lehre wählt“ sind bislang am erfolgreichsten: Sie konnten gemeinsam über 190.000 Aufrufe und mehr als 6.300 Likes erzielen.
Multimediale Inhalte
Abseits von Tiktok bietet what.at multimediale Inhalte: Zum Beispiel sind 23 Podcasts direkt auf der Homepage abrufbar. In Zusammenarbeit mit großen österreichischen Lehrbetrieben wie XXXLutz, SPAR und REWE geben sie authentische Einblicke in Berufsalltag, Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Mit dem wachsenden Stellenangebot, einer umfassenden Social-Media-Strategie und multimedialen Einblicken möchte sich what.at als zentrale Drehscheibe für die Fachkräfte von morgen positionieren. Dabei wird deutlich: Das System der dualen Lehrausbildung ist in Österreich derzeit so zeitgemäß und vielfältig wie nie.
Weitere Informationen und freie Lehrstellen auf: www.what.at
Kommentare