Oberösterreichs Industrie: Fokus auf KI und Life Sciences
Bei der AMAG pocht man auf eine rasche, maximal wirksame Umsetzung der Industriestrategie ohne übermäßige regulatorische Komplexität.
Kein anderes Bundesland ist so stark von Industrie, Export und technischer Innovation geprägt wie Oberösterreich. Stahl, Maschinenbau, Chemie und Fahrzeugtechnik bilden seit Jahrzehnten das Rückgrat der regionalen Wirtschaft. Doch in den letzten Jahren haben explodierende Energie- und Personalkosten, strenge Klimaziele und geopolitische Unsicherheiten den Druck auf heimische Betriebe erhöht. Es braucht neue Antworten auf diese Herausforderungen, denn die internationale Konkurrenz schläft nicht. Diese kann nur die Politik geben – aber auch die Betriebe versuchen, mit Innovationen den Turnaround zu schaffen.
Leichter Aufwind
Über die Stimmung in den Betrieben gibt das Konjunkturbarometer der IV OÖ, welches sich als Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten errechnet, Auskunft. Dieses zeigt erstmals seit dem ersten Quartal 2023 einen zarten Hoffnungsschimmer mit +7,5 Punkten. Während die aktuelle Geschäftslage weiter im leicht negativen Bereich zu liegen kommt, bleiben die Betriebe in ihrer Einschätzung für die nächsten sechs Monate mit +19 Punkten unverändert positiv zum Vorquartal. „Die Konjunktureinschätzung hellt sich trotz der völligen Unplanbarkeit globaler Entwicklungen leicht auf. Die aktuellen Zahlen zeigen eine vorsichtige Erholung der Stimmung in den Betrieben, von einem echten Aufschwung wird man heuer allerdings nicht sprechen können“, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ.
„Weitere Zuversicht und eine nachhaltige Aufbruchstimmung entstehen jedoch nur durch Maßnahmen, die das Vertrauen von Investoren und Kunden in den Standort wieder zurückbringen und die strukturellen Probleme lösen. Die Richtung ist daher klar: Österreich braucht wieder mehr unternehmerische Freiheit, mehr Markt und Disruption“, ist Haindl-Grutsch überzeugt. Ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt die Innovationskraft, die gefördert werden muss. Die Zukunft des Industriestandorts wird nur durch kluge Weiterentwicklung gesichert.
Bei Siemens blickt man mit vorsichtigem Optimismus auf die weitere Entwicklung.
Ein erstes Signal für die Industrie gab die österreichische Bundesregierung mit ihrer im Jänner präsentierten Industriestrategie 2035. Zum einen soll bis 2029 in neun verschiedene Schlüsseltechnologien und Stärkefelder investiert werden. Neben Künstlicher Intelligenz (KI) und Dateninnovation gehören auch Quantentechnologie und Photonik sowie Life Sciences und Biotech dazu. Auch auf Mobilitätstechnologien, Energie- und Umwelttechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien soll ein Fokus gelegt werden. Auch der staatlich subventionierte Industriestrompreis ab 2027 soll den Standort stärken.
Für die Industrie Oberösterreichs könnten sich nun neue Chancen eröffnen, wie auch Günter Schallmeiner, Niederlassungsleiter von Siemens in Linz, betont: „Themen wie der Industriestrompreis, die Verlängerung der Strompreiskompensation sowie der Fokus auf Schlüsseltechnologien und Innovation sind deutliche Signale für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und damit ein starkes Bekenntnis zur Zukunftsfähigkeit des Standorts.“ Für Schallmeiner wird es entscheidend sein, dass alle angekündigten Maßnahmen praxisnah ausgestaltet und zügig umgesetzt werden. „Mit unserem Portfolio, das die Megatrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz in Infrastruktur und Industrie bedient, sind wir sehr gut positioniert. Wir blicken mit vorsichtigem Optimismus auf die weitere Entwicklung und sehen, trotz der dynamischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gute Chancen für Wachstum und wegweisende Innovationen.
„Die Konjunktur hellt sich trotz der völligen Unplanbarkeit globaler Entwicklungen leicht auf."
Pharma
Für Roland Fabris, Standortleiter des Pharmakonzerns Takeda in Linz, ist der klare Fokus auf Life Sciences & Biotech sowie Technologie und Innovation ein wichtiges Signal für die pharmazeutische Industrie. „Um als globales biopharmazeutisches Unternehmen mit der gesamten Wertschöpfungskette in Österreich wettbewerbsfähig zu bleiben, sind verlässliche und planbare Rahmenbedingungen entscheidend. Dazu zählt auch der angekündigte staatlich subventionierte Industriestrompreis, den wir sehr begrüßen", so Fabris. Mit laufenden Investitionen will man bei Takeda den langfristigen Fokus auf Biologika am Produktionsstandort in Linz stärken. Neue Anlagen und innovative Technologien schaffen die Basis, um Patienten mit seltenen und komplexen Erkrankungen auch künftig verlässlich zu versorgen. „Unser strategischer Fokus bleibt dabei unverändert: Konzentration auf unsere Kernbereiche, gezielte Investitionen in Zukunftstechnologien und ein klarer Anspruch an Qualität und Versorgungssicherheit", bekräftigt Fabris.
Planbare Rahmenbedingungen sind für Takeda entscheidend.
Auch Helmut Kaufmann, CEO der AMAG Austria Metall AG, sieht zukünftige Chancen: „Bekenntnisse zu einer stärkeren Kreislaufwirtschaft, international wettbewerbsfähigen Energiepreisen und einem robusten Forschungsstandort Österreich weisen in die richtige Richtung. Gerade der Fokus auf fortgeschrittene Werkstoffe als Innovationsbasis für Klimaneutralität und Umwelttechnologien entspricht der strategischen Ausrichtung der AMAG und ist auch ein starkes Signal für den Industriestandort."
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