Familienunternehmen: 88 % der Betriebe sichern Wohlstand im Ort

Österreichs Wirtschaftskraft hat ihre Basis in den Bundesländern, die das Land als innovativen Wirtschaftsstandort in Europa positionieren.
Umriss von Österreich mit den Wappen und Farben der einzelnen Bundesländer.

Waren Großstädte lange die wirtschaftlichen Hotspots Österreichs, so rücken ländliche Regionen zunehmend in den Fokus. Sie stehen für Beständigkeit und Innovation. Der ländliche Raum bietet Unternehmen heute mehr denn je interessante Standortvorteile, die zu Investitionen anregen und somit die Zukunft des Standorts sichern. Das bestätigt auch Ökonom Herwig Schneider, Geschäftsführer Industriewissenschaftliches Institut (IWI): „Es ist wichtig, dass Unternehmen investieren. Das ist letztendlich auch ein Schutz in Zeiten von zukünftigen Wirtschaftskrisen. Gute und neue Investitionen werden abseits des Gewinns an Wettbewerbsfähigkeit selten aufgegeben. Dafür benötigen Sie aber langfristiges Vertrauen in den Standort, was wiederum mit Faktorkosten, also vor allem Energie, Arbeit und Kapital, konnotiert.“ Herausforderungen, die es von der Bundesregierung und den Bundesländern nun rasch zu meistern gilt.

Eine Kassiererin scannt Lebensmittel an einer Supermarktkasse, während ein Kunde wartet.

In allen Regionen verleiht die sinkende Inflation dem privaten Konsum neuen Schwung. Der Handel ist für 2026 optimistisch.

Familienunternehmen

Ein weiterer Faktor spricht für die Verwurzelung in den Regionen: Laut den Zahlen der KMU Forschung Austria handelt es sich bei rund 88 Prozent der Unternehmen in Österreich um Familienunternehmen laut EU-Definition. Ohne Ein-Personen-Unternehmen beträgt der Anteil der „Familienunternehmen im engeren Sinn“ 51 Prozent – also mehr als die Hälfte der österreichischen Betriebe.

Familienunternehmen haben die Stärke und Erfahrung und sind seit Generationen Treiber von Innovation. Als Pioniere in Technologien, als Weltmarktführer in Nischen und als Gestalter ganzer Branchen. „Nicht selten agieren auch kleine bis mittelgroße Familienbetriebe in der Funktion regionaler Leitbetriebe. Insbesondere in an sich strukturschwachen Gebieten generieren regional ansässige Unternehmen direkten und indirekten Wohlstand“, so Schneider. Denn an den Unternehmen hängen qualifizierte Arbeitsplätze und damit auch die Entwicklung der Region. Es entstehen vor Ort Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und alle anderen sozialen Strukturen. Daraus haben wiederum zahlreiche Wirtschaftsbereiche einen Nutzen. „Und bitte vergessen wir nicht, dass die Unternehmen selbst überdurchschnittlich oft in ökologische, soziale bzw. kulturelle oder karitative Vorhaben investieren. Nicht zuletzt deshalb sind sie in den Regionen bekannt und genießen über ihre ökonomische Verantwortung hinausgehend einen nachhaltig guten ökologischen wie sozialen Ruf. In diesem Sinne sind regional ansässige Unternehmen der zentrale Nährboden für generationenübergreifenden Wohlstand“, führt Schneider weiter aus.

Eine Person mit Schutzhelm und Warnweste bedient konzentriert eine Maschine in einer Werkhalle.

Traditionelle Industrie-Bundesländer mussten die letzten Jahre Einbußen hinnehmen, nun zeichnet sich ein sanfter Aufwärtstrend ab.

Innovationen

Österreich ist ein Land der Innovationen. Mit einer Forschungsquote von 3,34 Prozent am Bruttoinlandsprodukt liegt Österreich weit über dem EU-Durchschnitt. Bund und Länder investierten 2024 insgesamt rund 5,6 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung (F&E). Hinzu kommen die F&E-Investitionen der Unternehmen mit noch einmal knapp 6,7 Mrd. Euro. Dabei liegt die Innovationskraft nicht nur im Bereich der großen Leitbetriebe. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zeichnen sich durch eine hohe F&E-Tätigkeit aus.

Ein gelber Baukran hebt Baumaterial über eine teilweise errichtete Betonbaustelle auf dem Land.

Die österreichische Bauwirtschaft erwartet für 2026 nach mehreren Krisenjahren ein  leichtes Wachstum.

Entwicklung

Doch nicht alle Bundesländer entwickeln sich gleich. Der Weg aus der seit Jahren andauernden Krise fällt manchen Regionen schwer. Die UniCredit Bank Austria Volkswirtschaft Bundesländeranalyse 2025 zeigt auf, dass einzelne Regionen von einer robusten Industrie, einem stabilen öffentlichen Sektor und einer Erholung im Handel profitieren konnten, jedoch waren andere weiterhin stark von der schwachen Industrie- und Baukonjunktur belastet. „Die regionalen Unterschiede haben sich 2025 weiter verfestigt. Bundesländer mit einem hohen Dienstleistungsanteil waren auch heuer gegenüber Industrieregionen im Vorteil“, erklärt dazu UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Bei der realen Wirtschaftsleistung lagen Tirol mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent und Wien mit rund 1,0 Prozent beim Bundesländervergleich an der Spitze. „Tirol und Wien sind 2025 die Wachstumssieger unter den Bundesländern“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Robert Schwarz. Ebenfalls ein positives Wachstum konnten das Burgenland (+0,8 %), Niederösterreich (+0,4 %) und die Steiermark (+0,2 %) verzeichnen. In Salzburg und Vorarlberg stagnierte die Entwicklung.

Eine freundliche Kellnerin serviert zwei Gästen in einem Restaurant Desserts.

Die heimischen Tourismusregionen sind das ganze Jahr über ein Magnet für Reisende aus der ganzen Welt.

Stabilitätsfaktoren

Für Stabilität sorgen der Dienstleistungssektor und der Tourismus. In vielen Regionen trugen das Immobilienwesen, der öffentliche Sektor und die Informationstechnologie in den Bundesländern positiv zum Wachstum der Wertschöpfung bei.

Der Handel konnte sich in allen Regionen erholen. Mit einem Anteil von 16 Prozent stellt der Handel in Österreich die meisten Unternehmen aller Branchen und ist der umsatzstärkste Wirtschaftsbereich, der für fast ein Fünftel der gesamten Wertschöpfung verantwortlich ist. Durch die starke Verschränkung von online und offline und den Einsatz modernster KI-Tools entstehen spannende neue Aufgaben und Jobs, wie Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will erklärt. „Im Vergleich mit anderen Branchen zeichnet sich der Retail-Sektor durch schnellere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten aus, insbesondere auch für Frauen. Er spielt auch als drittgrößter Lehrlingsausbilder Österreichs eine zentrale Rolle, aktuell werden im Handel mehr als 13.800 Lehrlinge ausgebildet“, so Will.

Ein österreichischer Erfolgsfaktor ist der Tourismus. Laut Statistik Austria stieg die Zahl der Nächtigungen gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. Dieses Rekordhoch konnten die Tourismusregionen durch die Etablierung als Ganzjahres-Destinationen einfahren. Das höchste Plus gab es in Wien mit 6,5 Prozent.

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