Zerstörungskarawane

Wie man ein Altstadt-Grätzel umbringt
Andreas Schwarz
Porträt eines Mannes mit Brille und blauem Sakko vor dem Schriftzug „Kurier Kommentar“.

 

Nun, da eines der größten städtebaulichen Verbrechen sich der Fertigstellung nähert, sei es noch einmal vor den Vorhang geholt: In das Wiener Grätzel Alt-Penzing, das überwiegend aus ein- bis zweistöckigen Gründerzeithäusern besteht, wurde auf einer Grün- und Freifläche die zehnstöckige Wohnbatterie „Kennedy Garden“ ohne Garden, aber mit tiefen Häuserschluchten und 540 Wohnungen geknallt – heftig befürwortet vom rundum unschuldigen Grünen Christoph Chorherr (warum eigentlich dieses Engagement, Herr Chorherr??).

Das ist, als stellten sie ins römische Trastevere oder nach Saint Germain in Paris 20-stöckige Wohnmolochs, Motto: derhängts Euch mit dem zerstörten Ortsbild, mit dem struktursprengenden Zuzug, mit dem Verkehrschaos. Ein "Verkehrskonzept" zur Linderung der Not unterstreicht gelinde die Not. Alt-Penzing ist nicht mehr.

Der Zerstörungskarawane ist das wurscht. Die ist schon weitergezogen in der Stadt.

andreas.schwarz@kurier.at

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