Kolumnen
26.06.2018

Wo ist der Hochstuhl-Sheriff?

Auf den Punkt gebracht: Viel zu oft werden meinen Kindern Wackelkandidaten untergeschoben. Damit muss Schluss sein.

Wir leben in einer zunehmend regulierten Welt. Praktisch alles werde kontrolliert, überall lauere die Bürokratie, werden Regeln geschaffen, die es oft gar nicht brauchen würde, beklagen sich viele. Da muss etwas dran sein. Denn wenn man sich etwa mit Bauern unterhält, die Lebensmittel produzieren, oder jungen Menschen, die ein Unternehmen starten wollen, dann dauert es nicht lange, bis sie wegen der ganzen Zettelwirtschaft auf „die da oben“ Schimpfkanonaden loslassen.

Darum ist es umso bemerkenswerter, dass es eine Sache geschafft hat, durch alle Instanzen durchzuschlüpfen: der alte, aber leider oft nicht mehr fitte Wirtshaus-Hochstuhl. Als zweifacher Vater habe ich diesbezüglich wirklich schon alles erlebt. Was einem da im Laufe der Zeit alles unterkommt und versucht wird untergeschoben zu werden, ist kaum zu glauben: vom Modell „Gesprengter Hochstand“ bis zur Version „Mäusezahn“, bei der die Gurte ausschauen, als hätte sich jahrelang eine Nagetier-Kompanie daran zu schaffen gemacht. Wirklich schon jede Art von Wackelkandidaten wurde mir im Laufe der Zeit angeboten. Da frage ich mich schon: Wo bleibt der TÜV, wenn man ihn mal wirklich braucht?

Noch viel schlimmer ist aber die Kombination aus hin und grauslich. Denn weil sie meistens irgendwo im Eck stehen müssen, sind sie oft auch aus dem Sinn des Personals.

Drei Stück gab es letztens für die Knirpse beim Chinesen zur Auswahl. Auf einem hatte der Vorgänger ein Reisfeld hinterlassen, auf dem zweiten Hochstuhl wurden von den Acht Schätzen drei auf der Schale deponiert und am dritten waberte ein Soja-Soßen-See still vor sich hin. Hat die Bedienung alles null gestört, die Sessel wurden trotzdem wortlos zum Tisch gebracht.

Deswegen habe ich mir bei den vielen Diskussionen um das Rauchen in den Lokalen immer eines gedacht: Gut und schön, wenn der Raucher-Sheriff seine Kontrollrunden dreht. Vielleicht ist es aber auch einmal an der Zeit, dass der Hochstuhl-Sheriff ausrückt.

E-Mail: johannes.weichhart@kurier.at