Vom richtigen Mond und einem Abgang mit Rakete

Mein Neujahrsvorsatz ist schon am 1. Jänner gestorben. Aus Fremdverschulden. Ich versuch es ab 24. Jänner wieder.
Simone Hoepke

Simone Hoepke

Zwischen den Feiertagen kommen so gut wie keine Mails. In der vergangenen Stunde nur ein einziges.

Ausgerechnet von einem Bestatter.

Klassische Neujahrsvorsätze – wie mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, gesünder essen – seien doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt, schreibt er in seinem Newsletter. Sein Rat: Diesmal lieber gleich die eigene Bestattung planen.

Neujahrsmails waren definitiv schon einmal lebensfroher.

Dennoch lese ich weiter.

Erfahre von der Möglichkeit, mich mit einem lauten Knall von der Welt zu verabschieden – mittels Raketenbestattung. In Österreich zwar nicht erlaubt, in Ländern mit liberaleren Bestattungsgesetzen aber angeblich sehr beliebt.

Ich mochte die Knallerei noch nie. Nicht mal zu Silvester. Beschließe, vorerst am Leben zu bleiben.

Es reicht, dass mein einziger Neujahrsvorsatz (kein Zucker mehr) schon am 1. Jänner – viel zu früh und völlig erwartet – gestorben ist.

Aus Fremdverschulden. Am 1. Jänner stand ein Freund vor der Wohnungstüre, in der Hand einen Gruß direkt aus der Hölle. Tortenstücke aus der Nobel-Konditorei. „Die Natur ist stärker als gute Vorsätze“, hat schon Theodor Fontane gewusst. Ich bin der lebende Beweis dafür.

Erbarme mich trotz Zero-Zucker-Vorsatz. Wäre ja schade um die Torte. Wenn ich weiß, dass noch Restbestände von ihr in der Küche stehen, kann ich ohnehin nicht ruhig auf der Couch sitzen. Den Null-Alkohol-Vorsatz habe ich auch kurz nach dem Donauwalzer gekippt, weil die Sektflasche noch halb voll war. So gesehen bin ich konsequent.

Bei mir überlebt der Christbaum traditionell jeden Neujahrsvorsatz. So schnell wie ich meine Sport- und Ernährungspläne über Bord werfe, kann keine Nordmanntanne nadeln.

Ab 24. Jänner wird aber alles anders.

Dann ist Neumond, steht im Mondkalender.

Der ideale Zeitpunkt, um seine Vorsätze umzusetzen.

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