Wer zu langsam fährt, fällt auch um
Weil wir heute ja ein KURIER Reise Spezial vorlegen, wo es um die aktive Ausgestaltung des sommerlichen Urlaubs geht, sei gesagt: Wo früher Schwammerl aus dem Boden geschossen sind, sprießt jetzt ein Bike-Trail. Einer (konkret: meiner) gefühlten Wahrnehmung zufolge eröffnen in Österreich minütlich zwölf neue Angebote für solche, die einen Berg auf einem Rad abwärts bezwingen wollen. Ich fürchte, für Schwammerl ist bald kein Platz mehr.
Natürlich, ich übertreibe.
Und auch wieder nicht: Auf die Frage „Wie stärken wir den Sommertourismus?“ ist seit gut zehn Jahren „Bike“ die meistgewählte Antwort. Und man muss festhalten, das haben viele Regionen gut hinbekommen – Schladming zum Beispiel sagt, Sommer- und Winter-Zahlen seien mittlerweile fast gleichauf! Rad-Angebote sind da natürlich perfekt, weil das jeder irgendwie kann und die Industrie mit neuen Produkten den Konsum ankurbelt. Und wer sich so ein Downhill-Full-Suspension-Monster geleistet hat, will es in den Saalbachs, Leogangs oder eben Schladmings nun auch ausführen.
Aber irgendwann, möchte ich anmerken, könnte der Bedarf an neuen Tracks und Trails gesättigt sein. Auch verblüfft mich beim Radtourismus die Stille jener Landschaftsästheten, die zum Beispiel Windräder wegen der Hässlichkeit verurteilen. Mir persönlich kommen ja die abgeglatzten und durch Trailrinnen ausgehöhlten Hänge nicht besonders schön vor, aber ich kenne mich mit Ästethik auch sicher nicht so gut aus wie der Stammtisch.
Außerdem bin ich nur neidig. Früher, ja früher, als wilder Junger, bin ich auf einem Mountainbike (noch ungefedert, wohlgemerkt) runtergefetzt und habe meinen Lenker auf Asphalt noch bei Tempo vierzig losgelassen. Aber mag es das Alter sein, mag es die Erkenntnis sein, dass Radstürze doch weh tun, oder mögen es die Erzählungen sein, wer sich dabei nicht aller wie ernsthaft verletzt hat ... heute möchte ich nur mehr rauf- oder gemäßigt geradeaus fahren. Geht es bergab, drücke ich den Sattel bis tiefst ins Rohr und sitze noch immer zu hoch, verlagere den Schwerpunkt so tief, dass mein Hintern am Rad streift, ich bremse, bis die Finger klamm sind, und schlussendlich werde ich so langsam, dass ich im Stehen umfalle. Ich wurde ein Bergab-Hosenscheißer und ich sage Ihnen: Macht nix, es geht mir gut damit.
Denn glücklicherweise ist der bikebasierte Wildwuchs in Österreich mehrdimensional: Neben den Bergab-Fetz-Strecken (für die Wagemutigen) gibt es Flow-Trails (für die Schwungvollen), Gravel-Routen (für die Flotten) und Genusswege (für die Gemütlichen) und und und.
Weil an sich ist so eine Radtour schon schön: Probieren Sie das mal aus!
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