Kolumnen 10.06.2018

Thiem und der Lohn harter Arbeit

Schon in jüngsten Jahren war Dominic Thiem einer der besten Tennisspieler des Landes.

„Stell’ dich ordentlich hin. Was sollen die Leute von mir denken?“, sagte Günter Bresnik vor acht Jahren zu einem Journalisten, der ein paar Bälle mit Dominic Thiem spielte. „Jetzt hören wir auf, sonst kann der Dominic nicht mehr Tennis spielen.“ Bresniks Ruf war damals schon ein guter, und sein Schützling verlernte es nicht. Im Gegenteil. Zwar scheiterte Thiem damals in der ersten Runde des Juniorenbewerbs, im Jahr darauf stand er schon im Finale.

Schon bei einem Lokalaugenschein in der Südstadt im Dezember 2010 war zu sehen, dass Thiem alle Anlagen hatte, um ein Großer zu werden. „Der schlägt härter als viele Profis“, schrieb der KURIER damals. „Da reift ein Topspieler heran.“

Mit 17 Jahren stand Thiem schon im Junioren-Finale der French Open, er gewann im Dezember 2011 die Orange Bowl. Bresnik rief damals begeistert in der KURIER-Sportredaktion an: „Er ist von den Anlagen her der perfekteste Spieler weltweit in diesem Alter.“

Schon in jüngsten Jahren war der Lichtenwörther einer der Besten des Landes. 2004 und 2005 wurde er KURIER-tele.ring-Talent des Jahres. Danach stellte er einiges um – und verlor mit seiner neuen (einhändigen) Rückhand den Anschluss. Bresnik sagte damals: „Ab jetzt machen wir es gescheit.“ Schon bald setzte sich Thiem durch, obwohl er ein Spätentwickler war und lange mit Darmproblemen kämpfen musste. „Sonst wäre er viel schneller nach oben gekommen“, sagt Vater Wolfgang Thiem, dessen Sohn Tag und Nacht trainierte.

Erstmals so richtig für Aufsehen sorgte der heute 24-Jährige mit seinem Zweitrundensieg über Stan Wawrinka in Madrid, den bis dahin besten Spieler des Jahres 2014. Thomas Muster sagte Stunden danach: „Er hat alle Anlagen“, mahnte aber: „Lasst ihn in Ruhe arbeiten. Hebt ihn nicht zu schnell in den Himmel.“

Aufstieg

Der Rest ist Sportgeschichte, der Aufstieg unaufhaltsam. Ende 2013 stand Thiem auf Rang 139, mit seinem ersten Halbfinal-Einzug 2016 war er am 6. Juni erstmals Top-Ten-Spieler. Diesen erlesenen Kreis hat er nicht mehr verlassen. Das Team um Thiem wurde noch professioneller, neben Günter Bresnik wurde mit Alex Stober einer der besten Physiotherapeuten ins Boot geholt, in der Vorbereitung sorgt Sportwissenschaftler Mike Reinprecht für die besten Voraussetzungen.

Thiem ist wie ein Haus mit stabilen, guten Grundmauern, auf die man aufbauen kann.

Zufall? Nein. Talent allein hat Thiem nicht ins French-Open-Finale geführt. Es ist das Resultat jahrelanger beinharter Arbeit.

( kurier.at ) Erstellt am 10.06.2018