Kolumnen 15.04.2018

Stadtgeflüster-Kolumne: Wenn Hochmut einen umhaut

© Bild: Kurier / Jeff Mangione

Was ist den los, fragte der Arzt, Sie sind heute schon die fünfte Yoga-Verletzte.

Die Vorgeschichte: Ein

Gespräch in einem Innenstadtlokal.

Freundin A: Sorry, ich war noch beim Arzt. Ich hab mir beim Yoga was verrissen ...

Freundin B: Wie hast du denn das geschafft? Du machst doch jetzt schon ewig Yoga.

A: Jaaa. Aber beim letzten Mal war so eine Frau neben mir und ich weiß nicht wie, aber auf einmal waren wir in einem stummen Wettkampf . .. bis die eine Dehnung zu weit war.

B: Erklärst du mir nicht immer, beim Yoga kommt es nicht darauf an, was andere machen?

A: Jahaaa. Aber, du, was dann noch lustig war: Als ich dem Arzt erklär, warum ich da bin, schüttelt der nur den Kopf und meint: „Was ist denn gerade los? Sie sind heute schon die Fünfte, die wegen einer Yoga-Verletzung zu mir kommt.“

Natürlich musste ich grinsen. Und für einen kurzen Moment habe ich mich auch überlegen gefühlt. Weil mir das nicht passieren könnte. Weil ich natürlich immer bei mir war.

Dann: Meine nächste Yogastunde, an einem anderen Tag als sonst. Das bedeutet: andere Klasse, neuer Trainer, fortgeschritteneres Level. Die Positionen werden länger gehalten, die Abfolgen sind schneller.

Mein Puls schnellt nach oben. Mein Blick geht kurz zur Nachbarin. Ist sie außer Atem? Ihr Gesicht ist jedenfalls auch ziemlich rot. Brettposition, Herabschauender Hund, Kriegerposition. Mein Blick geht ganz von selbst schon wieder zur Nachbarin. Hm, sie ist tiefer unten als ich. Das schaff ich auch.

Kriegerposition drei, das rechte Bein wird waagrecht nicht hinten weggestreckt. Hat sie mir jetzt gerade einen Blick zugeworfen und dann nachjustiert? Mein linkes Bein zittert. Wehe, ich falle jetzt um, denke ich noch. Dann hätte sie doch gewo...

Während ich natürlich doch das Gleichgewicht verliere, erscheint das Bild des Arztes vor meinem inneren Auge.. „Jaja, Sie sind heute schon die Sechste, die mir erklären will, dass sie beim Yoga doch immer nur bei sich bleibt.“

annamaria.bauer@AnnnaMariaBauer

( kurier.at ) Erstellt am 15.04.2018