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Kolumnen
04/11/2021

Schloss und Schlüssel

Joesi Prokopetz über den Zusammenhang zwischen Blumentöpfen und Krimis.

Ja, ich gestehe es, ich schaue seit einem Jahr vermehrt fern. Und wenn man so querbeet durch das nämliche Angebot zappt, dann fallen Details auf. Um eine Tautologie (oder ist´s nur ein Pleonasmus?) zu bemühen: kleine, ja winzige Details.

In vielen Filmen, auch neuerer Produktion, in denen idyllische, von Blumenschmuck verwöhnte Land- Garten- oder Wochenendhäuser eine zentrale Rolle spielen, wird der Hausschlüssel erstaunlich häufig unter einem der Blumentöpfe „versteckt“, die vor der Haustür stehen. Welcher Blumentopf das ist, wissen natürlich nur Familienmitglieder, eingeweihte beste Freunde und die Reinemachefrau.

Die Handlung solcher cinematografischer Kunstwerke nimmt Fahrt auf, wenn ein schurkischer Fremder nächtens einen Bruch macht und nach ein bis zwei Fehlschlägen den richtigen Blumentopf aufhebt und – ev. dramatischer Musikeffekt – den Hausschlüssel findet, eindringt und Wertgegenstände entwendet! Oder, wenn der Fremde – wie sich später herausstellen wird – ein Psychopath ist, der sich im Haus versteckt, um auf die junge, alleinerziehende, erfolgreiche Anwältin zu warten, um ihr samt ihrer reizenden Tochter, ein Leid zu tun. (Siehe Goethe: „Erlkönig hat mir ein Leid getan…“)

In Filmen mit solchen Plots wirft sich die Frage auf, wie viel Schuld trifft, wie in unserem Fall mit der jungen, alleinerziehenden Anwältin, die Hausbewohnerin?

Wer den Hausschlüssel heute unter einem Blumenstock versteckt, kann nicht recht bei Trost sein und ein Drehbuchschreiber, der sich derartig gehen lässt und solches hinschreibt, hat nicht nur seinen Beruf verfehlt, sondern handelt grob fahrlässig. Zurzeit allerdings egal, da Ausgangssperre. Für später dann aber wieder Vorsicht!

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