Kolumnen
04/19/2021

Reisefieber ohne Pass

Das Reisen hat Queen Elizabeth II. in den letzten Jahren aufgrund ihres Alters drastisch reduziert.

von Lisbeth Bischoff

Am 21. April wird die Monarchin 95, doch zum Feiern ist ihr wohl nicht zumute. Denn sie hat Ihren 99-j√§hrigen Ehemann und Begleiter auf all‚Äė ihren Wegen, Prinzgemahl Philip, am vergangenen Samstag zu Grabe getragen.

Allein im ersten Jahr ihrer Thronbesteigung brachte es die Regentin auf 65.000 Flugkilometer, als sie auf sechsmonatiger Commonwealth-Tour (November 1953 bis Mai 1954) zw√∂lf L√§nder besuchte. Das ist Vergangenheit, denn ein Staatsbesuch ist keine Pauschalreise, sondern harte Arbeit und verlangt nicht nur der Queen einiges ab: Ein Termin jagt den anderen, von morgens bis abends H√§ndesch√ľtteln, stets konzentriert wirken, Reden anh√∂ren und immer nur l√§cheln. Die k√∂rperliche Anstrengung ist dabei ebenso gro√ü wie die geistige.

Eine kleine Entsch√§digung sind da die Gastgeschenke. Nur, was schenkt man einer Frau, die schon alles hat? Mit Sicherheit etwas Extravagantes, wenn es um den royalen Willkommensgru√ü geht. Die erhaltenen Pr√§sente lagern im Kellergew√∂lbe des Buckingham Palastes. Cowboystiefel made in USA, ein Fruchtbarkeitsthron, eine Gabe des K√∂nigs der Ashanti, dem m√§chtigsten Mann von Ghana. Ein √ľberdimensionales √úberraschungsei im Faberg√©-Stil, eine Vase aus

14 Karat Gold, ein Corgi aus schwarzer Koralle gefertigt, Porträts und Miniaturstatuen der Queen. Nicht immer ist Ihre Majestät tatsächlich darauf zu erkennen.

Ein ungew√∂hnliches Geschenk brachte Chiles Pr√§sident Sebasti√°n Pi√Īera bei seinem Staatsbesuch in London mit: ein besonderer Stein, direkt aus der Ungl√ľcksmine San Jos√©, in der 33 Bergleute vom 5. August bis 13. Oktober 2010 eingeschlossen waren und gerettet werden konnten.

Nicht gelagert: Die zahlreich √ľberreichten Thunfisch- und Ananasdosen und Eier, Babyelefant Jumbo aus Kamerun, zwei Faultiere aus Brasilien und aus √Ėsterreich zwei Haflinger, die der Queen bei der √úbergabe gleich einen Tritt verpassten. Doch ihr liebstes St√ľck soll eine Pfefferm√ľhle aus Plastik sein. Sie hat die Form eines Kellners. Dreht man am Kopf, um zu mahlen, ruft die Figur: "Du brichst mir das Genick!"

Und das ist genau der Humor, den die englische Königin so liebt.

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