Opernball live, das nenn' ich Brutalität

Opernball 2014
Zwischen Etikette und Entgleisung fliegt oft nur ein Glas Sekt um 21 Euro. Oder zwei.
Alexander Kern

Alexander Kern

Der vielleicht größte Irrtum über den Opernball ist es, dass sich hier nur Menschen der feinen Gesellschaft zusammenfinden würden. Oder sagen wir es so: ein distinguiertes Völkchen, das sich bei den Freuden einer Walzernacht ordentlich zu benehmen weiß. Die Wahrheit ist: Zwischen Etikette und Entgleisung liegt oft nur der Wimpernschlag zwischen zwei Glas Sekt um 21 Euro.

Kommt ein Sektglas geflogen

Oder vielleicht auch mehr. Als zwei Gläser. Und so begab es sich, dass ich 2014 hautnah Zeuge eines stilechten Walzerwickels wurde. Ich lungerte gerade unbekümmert bei den Logen im Parterre herum und zupfte meinen Frack zurecht, als mich aggressives Gestänkere jäh aus meinen Logenträumen riss. „Wer hat Ihr Ticket bezahlt? Erklären Sie sich!“ Gemeint war nicht ich, sondern der TV-Moderator Johannes B. Kerner. Alsbald sauste das Sektglas eines wütenden Unternehmers an mir vorbei, Kerners Begleiter quittierte das mit einer harten Geraden. Kurz war man nicht sicher, ob man vielleicht doch beim Feuerwehrfest in Gigritzpotschn gelandet war.

Viel zu wenig wird über die bizarre Brutalität des Balls berichtet. Ballbesucher, Fotografen und Klatschreporter greifen mitunter zu den Tricks des Wasserballs, obenrum wird gelächelt, untenrum getreten. Besonders brutal ging es stets vor der Loge von Richard Lugner zu. Herzzerreißend um Einlass bettelnde Menschen wies der Baulöwen-Bodyguard gnadenlos ab. Eines Opernballs gelang mir ein Kunststück: Bei Lugner wurde ich nicht vorgelassen, in die Loge des Bundespräsidenten jedoch schon. Man muss dazu sagen: Die Miss Austria an meiner Seite mag geholfen haben. Immer wieder Österreich.

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