Albträume werden wahr
Zu den unangenehmsten Mitbewohnern zählt ja verlässlich das eigene Unterbewusstsein. Mit schöner Regelmäßigkeit serviert es einen Traum, den es sich eigentlich sparen kann. An der Wiener Staatsoper nämlich, träumt man, ist entweder der Tenor oder der Dirigent des „Parsifal“ ausgefallen. Und in ganz Wien ist niemand mehr da, der es besser könnte. Deswegen muss man einspringen.
Lebhaftest sieht man das Publikum vor sich, das bei den ersten jämmerlichen Amateursängertönen unruhig wird, das Orchester, das beim ersten verhauten Einsatz aussetzt. Man wacht mit Buhrufen im Ohr auf.
Und fühlt umso mehr mit dem Musikchef des Londoner Covent Garden. Dort fiel Anfang der Woche Roberto Alagna bei Puccinis „Turandot“ im dritten Akt aus. In dem ist eh nur eine der berühmtesten Arien überhaupt, das „Nessun dorma“.
Der Musikchef – kein Sänger war zu finden! – sprang ein, sang den dritten Akt mit Ach und Krach zu Ende. Das Publikum buhte und warf Sachen auf die Bühne. Manchmal, ja manchmal werden auch Albträume wahr. Ein Horror!
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