Die Ertüchtigung
Der Jänner ist so ein freudloser Monat, da tut jede Aufheiterung gut. Also: Das Lueger-Denkmal in Wien wird abgebaut, gereinigt und für die spätere Schrägstellung von 3,5 Grad „ertüchtigt“, lasen wir. Sie wissen schon: Als Bürgermeister modernisierte Dr. Karl Lueger Wien ins nächste Jahrhundert, er war aber auch ein schlimmer Antisemit. Mit der Neigung des Denkmals soll sein Wirken „kontextualisiert“ werden. Der Spaß kostet 500.000 Euro. Minimum.
Über ein Kippen der Straßenschilder am Dr. Karl Renner Ring ist noch nichts bekannt (der Anschluss-begeisterte politische Opportunist ist heute noch SPÖ-Ikone), es wäre aber deutlich billiger.
Man könnte/müsste auch den Napolenwald in Wien-Mauer kippen respektive roden (mit dem Holz könnte man in diesem Horror-Winter heizen), weil der Franzose Millionen Menschen auf dem Gewissen hat. Und wenn wir schon dabei sind: Schönbrunn, die Residenz des Kaisers, wäre zu ertüchtigen und zu kippen und wenn das nicht geht: zu verhüllen, weil Franz Joseph hat den Großen Krieg zu verantworten.
Was daran heiter ist? Eigentlich nix, nur die „Ertüchtigung“.
andreas.schwarz@kurier.at
Kommentare