┬ę KURIER

Kolumnen
04/21/2021

Normal?

Das Niedagewesendste ist grammatikalisch falsch, aber geil

von Andreas Schwarz

 

Das mit dem Schnee und der Eisesk├Ąlte ist ja f├╝rs Erste vorbei, aber Fr├╝hling schaut anders aus, oder? Gastg├Ąrten, wenn sie offen h├Ątten, w├Ąren Nassg├Ąrten, trotzdem f├Ąllt zu wenig Regen f├╝r die Natur, daf├╝r steigt das Thermometer zu langsam. Das f├╝hrte j├╝ngst zur Schlagzeile: ÔÇ×Ist dieses April-Wetter noch normal?ÔÇť

In dieser Zeile steckt alle Verirrung unserer Zeit. Das ganze Ungl├╝ck der sich selbst ├╝berholenden Aufgeregtheitsblase. Der Satz ist der Schl├╝ssel f├╝r die Gesellschafts-Analyse auf der Couch: Was normal ist, hat keinen Wert. Die mediale Schnappatmung verlangt nach dem Abnormalen. Nach dem gr├Â├čten, hei├česten, verheerendsten Was-auch-immer. Nach dem nie Dagewesendsten! Das ist zwar grammatikalisch falsch, aber geil. Wie eine Droge. Wo der Rekord und die Katastrophe ausbleiben, vom Klima bis zum Cluster, werden wir unrund.

Und nicht einmal das sprichw├Ârtliche April-Wetter darf stinknormal nur ein April-Wetter sein.

andreas.schwarz@kurier.atx

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