Kolumnen
19.11.2018

Mut zu Neuem!

Ja zum Sternchen! Lasst uns doch die Vielfalt der Welt auch in der Sprache sichtbar machen.

Nein, hat der Rechtschreibrat am Freitag dann also mitgeteilt. Nein, eine konkrete Empfehlung zu einer geschlechtergerechten Schreibvariante gebe es vorerst nicht.

Zuvor war diskutiert worden, ob das Gendersternchen (z. B. Musiker*innen) oder andere Ausdrucksformen in den Duden aufgenommen werden sollten, um künftig Männer, Frauen und Personen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen, sprachlich eindeutig mitzumeinen. Seit einem Jahr gibt es eine Arbeitsgruppe.

Der Rat verkündete am Freitag, die Entwicklung lieber noch ein bisschen zu beobachten. Ein klares Bild werde es wohl erst in vier, fünf Jahren geben, zitierte die Presse den Ratsvorsitzenden Josef Lange. Und: Es sei nicht Aufgabe des Rechtschreibrates Gesellschaftspolitik zu betreiben.

Das Problem ist nur: Er tut es. Da aktuell weder Binnen-I noch Sternchen oder Unterstrich im Regelwerk festgehalten sind, gelten sie streng genommen als Rechtschreibfehler, hielt schon Lela Lähnemann fest, deren Engagement Auslöser für die Arbeitsgruppe war.

An diesem Zustand nichts zu ändern, ist auch ein Statement.

Ein falsches, finde ich.

Sprache – es wurde zwar schon oft gesagt, aber offenbar nicht oft genug – schafft Bilder im Kopf, schafft Realität. Das generische Maskulinum (männliche Variante meint alle mit, z. B. „Musiker gesucht“) entwickelte sich in einer Zeit, in der Männer im öffentlichen Raum präsenter waren. Das soll kein Angriff sein, das war eben so. Aber nun, da wir in Richtung Gleichberechtigung unterwegs sind, lasst uns doch die Vielfalt der Welt auch in der Sprache sichtbar machen! Auch wenn es zunächst ungewöhnlich aussieht. Aber Neues sieht am Anfang ja meist ungewöhnlich aus.

Denn Sichtbarmachen ist einfach enorm wichtig. Weil uns Vorbilder, mit denen wir uns identifizieren, ein Gefühl von Zugehörigkeit geben, weil sie Mut machen, mehr zu wagen.

Und ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung auch nicht. Wem wird durch ein Sternchen oder einen Unterstrich etwas weggenommen?