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Kolumnen
06/03/2019

Fußball.Weltmeisterschaft.Schauen

Am Freitag beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Ja, letztes Jahr war auch eine. Aber das war die für die andere Gruppe.

von Anna-Maria Bauer

Für jene, die den Beginn der Fußballweltmeisterschaft am Freitag nicht alleine sehen möchten: In Wien wird das Spiel Frankreich gegen Südkorea ab 21 Uhr im Gugg (4., Heumühlgasse 14) übertragen.

Ja klar, vergangenes Jahr war auch schon eine Fußballweltmeisterschaft. Aber das war die für die andere Gruppe Menschen. Für jene, bei der die Preisgelder 400 Millionen US-Dollar betragen. Heuer findet dann die andere Weltmeisterschaft statt, bei der 30 Millionen US-Dollar ausgeschüttet werden. Und das ist ja eh eine Verdoppelung seit 2015.

Natürlich kann man die eine Gruppe auch nicht mit der anderen vergleichen. Die eine hat um das Zigfache mehr Zuseherinnen und Zuseher. Erwirtschaftet also mehr Geld mit Tickets, mit Werbung, mit Wetten, mit Merchandising, mit Kooperationen. Und natürlich das Totschlagargument: Die eine Gruppe spielt viel besser. Wieso sollten die anderen gleich viel Geld erhalten?

Ja, da können wir doch nichts dafür, dass die erste Gruppe bessere Rahmenbedingungen hat. Dass sie als Kinder zu spielen anfangen, weil sie das von ihren großen Geschwistern sehen oder in der Werbung oder in Filmen und es nachmachen, da kann niemand etwas dafür. Wer hält die zweite Gruppe davon ab, das zu tun? Ebenso wenig können wir etwas dafür, dass es für die eine Gruppe jahrzehntelang etablierte Akademien gibt. Schul-Kooperationen. Nachwuchsförderung.

Na, dann ist die Bezahlung für die zweite Gruppe nun einmal schlechter. Wer Leidenschaft für Fußball hat, kann sich davon nicht ablenken lassen. Müssen sie eben nebenbei länger einem Brotberuf nachgehen. Das kann ihre Leistung nicht beeinflussen. Obwohl, sie würden ohnehin nie so gut werden wie die erste Gruppe.

Deshalb bleibt auch das Publikum aus. Nein, das hat nichts mit den vorhin genannten Gründen zu tun. Vor allem nicht mit dem Geld, das in die Werbung gesteckt wird, um Leute ins Stadion oder vor den Fernseher zu bringen.

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Wer sehen will, wie genial die Frauen spielen, wie gesagt: Start der Fußballweltmeisterschaft ist der 7. Juni, 21 Uhr.