Kolumnen
02/15/2020

Fabelhafte Welt: Zu wenig romantisch? Ich?

Warum ich seit Jahren versuche, meinem Rosenkavalier die Rosen abzugewöhnen.

von Vea Kaiser

Meine Freundinnen meinen, ich sei zu wenig romantisch. Aber wie kann man rote Rosen schön finden? Dass die Menschheit Pralinen mag, sei ihr zugestanden, mir schmecken sie trotzdem nicht. Und seit alle meine Kindheitsurlaube damit begannen, dass wir kurz vor der Autobahnabfahrt umdrehten, weil meine Mutter Panik schob, eine Kerze nicht gelöscht zu haben, erachte ich alle Arten von offenem Feuer als potenzielle Brandherde. Wie pyroman muss man sein, dass man sich entspannen kann, während eine Duftkerze die Wohnung abzufackeln droht? Oder gemeinsame Schaumbäder. Im Badezimmer geht es um den Wechsel von „dreckig“ zu „sauber“. Das erfordert vor allem die wenig ästhetische Reinigung der verwinkeltsten Körperpartien, das Entfernen unerwünschter Körperbehaarung, und wie Kopfwaschen sexy sein soll, ist mir das größte Rätsel. Vielleicht habe ich zu viele, zu lange Haare, aber sind diese nass und eingeseift, sehe ich aus wie das Monster-Kind aus dem Nullerjahre-Horrorfilm „The Ring“. Mein geliebter Dottore Amore hingegen ist laut meinen Freundinnen ein perfekter Romantiker, weil er jeden Tag rote Rosen regnen lassen würde – wenn ich ihn ließe. Ich weiß, viele Frauen wünschen sich einen Rosenkavalier. Ich versuche seit Jahren, meinem Kavalier die Rosen abzugewöhnen. Warum? Weil alle rote Rosen der Welt gegenüber den kleinen Gesten verblühen. Zum Beispiel, dass er täglich als Erstes, wenn er das Krankenhaus verlässt, meine Nummer wählt. Dass er mir Jahr für Jahr wortlos die Vignette austauscht, weil ich darauf vergessen würde. Dass er sich an seinen freien Tagen den Wecker stellt, um sich freuen zu können, neben mir weiterzuschlafen. Man möge mich vor dem Valentinstagsgericht wegen Ketzerei verurteilen, aber mir kann die große pompöse Romantik im Feber gestohlen bleiben. Ich bevorzuge die kleine stille an jedem Tag.

vea.kaiser@kurier.at