Kolumnen
03.06.2018

Fabelhafte Welt: Wenn der Italo-Macho erwacht

Ich heirate einen Italiener - hoffentlich gibts ein Happy-End.

Vea Kaiser über Liebe

Neulich flogen mein Dottore Amore und ich nach Süditalien, um unsere Hochzeit zu organisieren. Der Dottore wurde zwar in Wien geboren, doch wenn wir in den Süden fahren, lässt er seinen inneren Italiener heraus. Als das Flugzeug landete, zückte er die Sonnenbrille. Beim Betreten italienischen Flughafenbodens knöpfte er den ersten Knopf seines Hemdes auf, als wir an der Gepäckausgabe standen den zweiten, den dritten draußen, und irgendwann dazwischen klebte er sich seine schönen schwarzen Locken mit einer Tube Gel auf den Hinterkopf. Nein, Sonne schien nicht und kalt war es auch. Während er den Mietwagen über die Schlaglöcher steuerte, als ob der gemietete Fiat 500 ein Ferrari-Kart und er selbst Super Mario wären, schwante mir Übles für die Hochzeitsvorbereitungen. Würde mein Liebster nun fortwährend den Italo-Macho raushängen lassen, wofür er sich dann zuhause mit sieben Blumensträußen entschuldigen, was aber die Organisation mühsam gestalten würde? Zu meiner großen Überraschung bekam er zunächst gar keine Gelegenheit, sich so oder so zu benehmen, denn er wurde gar nicht gefragt. Italienische Hochzeiten sind Frauensache. Die Braut sucht von Kirche bis Kuchen alles aus, der Bräutigam darf sie allerhöchstens für ihre Entscheidungen loben. Nur bei einer Entscheidung mischte er sich ein, und zwar, welchen Nachnamen ich nach unserer Hochzeit tragen solle. „Natürlich Kaiser“, sagte er selbstverständlich. In Italien behalten Ehefrauen zwar grundsätzlich ihren Namen, dennoch hatte ich damit gerechnet, dass er die in Österreich übliche Variante bevorzugen würde. Er jedoch sagte: „Ich will dich heiraten, nicht verändern.“ Genau wie das Äußere keinen Macho macht, macht der Name keine Familie. Auf unserer Reise merkte ich, dass darüber drei Dinge entscheiden: Respekt, Zusammenhalt und vor allem Liebe.

vea.kaiser@kurier.at