Kolumnen
04/12/2019

Drei Uhr morgens. Ich bin munter.

Ich stehe senkrecht im Bett, wenn der Nachbar von seiner allwöchentlichen Zechtour nach Hause kommt.

von Simone Hoepke

Ich wäre gern ein Pottwal. Jetzt weniger figurtechnisch, mehr was den gesunden Schlaf angeht.

Selbst wenn ein brummendes Schiff voller grölender All-inclusive-Passagiere bei ihm vorbeizieht, hält er den Atem an und schläft unbeirrt weiter. Gerne senkrecht mit dem Kopf nach unten, also ähnlich wie eine Fledermaus. Nur im Wasser.

Ich stehe senkrecht im Bett, wenn der Nachbar von seiner allwöchentlichen Zechtour nach Hause kommt. Immer wieder samstags, Schlag drei Uhr nachts. Er torkelt in einem vom Alkohol beeinflussten Zustand durchs Stiegenhaus, unterhält sich blendend mit sich selbst. Diesmal findet er überraschend treffsicher das Schlüsselloch.

Sperrt auf, geht durch die Wohnungstür, dreht den Schlüssel zwei Mal im Schloss herum, sicher ist sicher. Blöderweise sperrt er die Tür zu, bevor er sie schließt. Ein Koordinationsfehler, der ihm nicht auffällt. Er will die Tür schließen. Geht nicht, der Bolzen ist im Weg.

Er probiert es mit mehr Schwung.

Bamm.

Die Tür schließt nicht.

Bamm.

Noch immer nicht.

Bamm, bamm, bamm.

Er versteht nicht, was da los ist.

Mein Mann erbarmt sich. Steht auf, geht rüber. Lehnt das Angebot für ein Bier dankend ab. Erklärt ihm, dass die Tür nicht schließt, weil der Bolzen im Weg ist. Fragt, wo der Wohnungsschlüssel ist.

Weg. Verloren. Beim Überschreiten der Türschwelle. Hat sich in Luft aufgelöst oder wurde von einer nachtaktiven diebischen Elster gestohlen. Futsch!

Ich rücke aus, kann den Schlüssel nicht finden. Der Nachbar ist längst eingeschlafen. Stehend, an die Wand gelehnt, mit einem offenen und einem geschlossenen Auge. Er schaut mit seinem mordsdrum Flieger im Gesicht aus wie ein Fregattvogel. Diese Vögel, die im freien Flug schlafen. Beneidenswert.

Ein Freund wacht jede Nacht um Punkt drei Uhr nachts auf. Er hat deswegen einen Chinesen konsultiert. Denn die Traditionelle Chinesische Medizin sagt, wenn man immer zur selben Zeit aufwacht, deutet das darauf hin, dass ein Organ Probleme macht. Jenes nämlich, das um diese Zeit ungestört arbeiten will. Um drei Uhr morgens ist es die Leber.

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