Der Geräte-Putsch
Mein Drucker schrieb „Papierstau“, obwohl gar kein Papier drinnen war. Ich leuchtete mit der Taschenlampe ins Gerät: nichts, außer Fusseln. Vielleicht meinte mein Drucker auch „Papierstaub“. Ich säuberte den Drucker, bis er aussah wie nach einer Zahnreinigung. Wieder nichts. Danach legte ich frisches Papier ins Fach. Es erschien die Meldung: „Toner leer“. Wie kann das sein? Wie kann ein Papierstau zu einem leeren Toner mutieren? Das ist, wie wenn ich während der Autofahrt einen Reifenplatzer habe und am Display steht: „Pannendreieck fehlt“. Ich versuchte, mich mit Musik zu beruhigen. Doch mein Handy schrieb über den Bluetooth-Lautsprecher: „Kann das Gerät nicht finden“, dabei lag es 2 cm daneben. Ich zeigte den Lautsprecher der Handykamera. „Kann das Gerät nicht finden“. Ich zoomte auf den Lautsprecher, bis man jede Plastikpore sah. „Kann das Gerät nicht finden“. Mittlerweile vermutete ich eine Verschwörung.
Der Drucker hat dem Lautsprecher eine Nachricht geschrieben: „Lass dich nicht finden, heute treiben wir den Eckel in den Wahnsinn!“ Die Dreifaltigkeit des Menschen-Mobbings wird oft von meinem Kaffeevollautomaten ergänzt. Der streikt bevorzugt zwischen 7 und 10 Uhr bzw. zwischen 14 und 16 Uhr. Also in der Primetime.
Mit Recht würde der deutsche Kanzler Merz meinen Geräten vorwerfen: „Mit 4-Tage-Woche und Lifestyle-Teilzeit wird es keinen Aufschwung geben!“ Das Verhältnis zwischen Technik und Mensch wird immer angespannter. Wer wird in den nächsten Jahren die Macht an sich reißen? In diesem Zusammenhang gibt es einen neuen Fachbegriff: Maschinenschadenfreude. Es bereitet immer mehr Menschen Vergnügen, wenn sich intelligente Technik dumm anstellt.
Ich empfinde tatsächlich manchmal Freude, wenn mein Staubsaugerroboter seine Ladestation nicht findet. Und wenn ich im Alter nur noch schemenhaft sehe und mich ein Pflegeroboter in die Badewanne heben will, weiß ich schon, mit welchen Worten ich verweigere: Kann das Gerät nicht finden.
Zum Autor: Klaus Eckel ist Kabarettist und Buchautor.
Kommentare