Kiku
06.12.2018

Wirklich eintauchen ins Wunderland

Wahrhaft zauberhafte, magische "Alice"-Version im Dschungel Wien.

Alice (im Wunderland) ist wohl DAS Loblied auf – mitunter auch – schräge Fantasie und gleichzeitig Suche nach sich selbst. Und dennoch wurde es auf Bühnen (allzu) oft als lineare Geschichte, nicht selten in Kostüm-Materialschlachten nacherzählt. Die jetzt – bis 6. Jänner des kommenden Jahres – im Dschungel Wien laufende Version (Regie: Stephan Witzlinger) lässt das Publikum eintauchen in die zauberhafte, ver-rückte Welt der sich mal groß, mal klein, mal auskennenden, mal verwirrt suchenden Alice.

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Das kleine spielende, musizierende, singende Ensemble - Clara Diemling, Monika Pallua, Richard Schmetterer, Iris Schmid – strahlt aus, dass es mit viel Spielfreude selbst in diese Welt eintaucht und in den 70 Minuten ziemlich viel Spaß hat. Der überträgt sich auf das Publikum. Schauspiel und Live-Musik (Komposition: Johannes Grill) werden genial ergänzt, unterstützt durch die im Dschungel Wien selbst gebaute Drehbühne (Hannes Röbisch) mit ihren fast mysteriösen Fächern und Klappen samt hin und wieder zugezogenem durchscheinenden weißen Rund-Vorhang, der schon beim Betreten des Theatersaals eine magische Stimmung vermittelt, ergänzt, ja sogar noch verstärkt durch die beiden weißen Bäume in der Art früher Kinderzeichnungen.

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"Zimmer aufräumen!"

Das Stück beginnt mit der wohl allen aus eigener Erfahrung bekannten Situation: Alice (Iris Schmid, alle anderen schlüpfen in die verschiedenen Figuren aus Carolls Welt) in ihr Spiel vertieft wird aus dem Off von der Mutter zum Essen gerufen – samt Ermahnung, davor aber das Kinderzimmer aufzuräumen. Etwas das nur wenige Kinder schätzen, aber kaum Eltern geworden, von ihren Kindern ebenfalls einfordern. ;(

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Fantasiewelt

Da träumt sich das Mädchen in null komma nix in eine Fantasiewelt, das berühmte Langohr aus dem von Lewis Caroll geschriebenen Kosmos taucht auf, hoppelt vorbei und verbittet sich strikt die Anrede Häschen: „Hase!“. Als Running Gag wird Alice das ganze Stück über immer wieder Häschen sagen. Eben nicht als Kostümschlacht, sondern oft nur mit einfachen Veränderungen kommen die meist durchgängig schwarz-weiß und doch so bunt gehaltenen Figuren Alice in die Quere oder zu Hilfe. Oft wechseln die Szenen rasant, selbst die sich alle paar Augenblicke wiederholende Teezeremonie des Hutmachers, weil seine Uhr ja nach dem Tritt der Herzogin - hier letztlich Heer Zogin ;) – stehen geblieben ist, wird, weil ständig irgendwie variiert, nicht langweilig, obwohl dies einer der wenigen Momente zum Verweilen wird.

Unbedingt erwähnt werden muss noch die geniale Version der Grinsekatze: Zwei aufklappare, grün leuchtende Augen und ein riesiger comic-hafter Mund tauchen mal da, mal dort, mal irgendwo wie scheinbar aus dem Nichts auf.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Alice im Wunderland
Frei nach dem gleichnamigen Buch von Lewis Carroll
Schauspiel mit viel Musik
Dschungel Wien
Ab 6 Jahren, ca. 70 Minuten

Regie, Textfassung: Stephan Witzlinger
Darsteller_innen, Musiker_nnen: Clara Diemling, Monika Pallua, Richard Schmetterer, Iris Schmid

Bühne, Licht: Hannes Röbisch
Komposition: Johannes Grill
Kostüm: Lena Scheerer
Regieassistenz: Sandra Feiertag
Ausstattungsassistenz: Caroline Wiltschek
Kostümassistenz: Lena Mader
Regiehospitanz: Elisabeth Wiegner

Wann & wo?
Bis 6. Jänner 2019
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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