Das Bühnenteam von "Salto Morale..." im Theater Olé

© Sandra Pelzmann

Kiku
09/29/2019

Wie witzig gekonntes Scheitern sein kann

„Salto Morale & die fabelhaften Brüder Karamasow“ der Gruppe Amikolores im Wiener Clowntheater Olé.

von Heinz Wagner

Clownerie lebt ja sehr oft vom gekonnten, perfekten Scheitern. Missgeschicke, scheinbar Unvorhergesehenes, Tollpatschigkeit – und das gekonnt eingeübt, genau gespielt. Und obendrein so, als wäre es genau in dieser Sekunde auch wirklich passiert – samt den „spontanen“ Reaktionen der Mitspieler_innen – Bedauern auf der einen, ein kräftiger Schuss Schadenfreude auf der anderen Seite.

Acht Clowns und Clowninnen, die entsprechende Workshops absolviert haben, nennen sich als lose Gruppe „Amikolores“ und entwickelten mit zwei der sechs Direktor_innen des Wiener Clowntheaters Olé das Stück „Salto Morale & die fabelhaften Brüder Karamasow“, das nun im besagten Theater seine Premiere hatte.

Gekonntes Dilettieren

Da ist zunächst einmal der schon vom ersten Augenblick an Mitleid erregende Patron, Zirkusdirektor namens Florian (Anselm Eder). Er bringt gekonnt so ziemlich gar nichts auf die Reihe, nicht einmal die Ansagen. Fürs Checken ist seine jetzige Frau Zilly (Marion Scholz) ebenso zuständig, wie auch offenbar die erste Frau Fati (Maja Leu) das Sagen hatte. Beide haben mit ihm je eine Tochter - natürlich ebenfalls Zirkusartistinnen: Roxy (Barbara Pfeiffer) und Dotti (Charlotte Zorell). Letztere sozusagen das „Kücken“, darf eigentliche nur als Nummerngirl auftreten. Sie fühlt sich zu mehr und Höherem berufen, was sie mehr oder minder unablässig wie mit Sprechdurchfall allen verklickern will. Und hat das „Pech“, dass ihr fast immer jemand selbst bei den kurzen Nummer-Päsentations-Auftritten die Show stiehlt, ihr nicht allein die Bühne überlässt.

Das Ensemble aus vor allem Laien, die ausführliche Clowns-Workshops absolviert haben, wird noch durch Vroni und Joy (Marianne Hink und Sandra Pelzmann) sowie Philipp Boogmann als schusseligem Handwerker Ricolo komplettiert.

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Klebestreifen wird Hochseil usw.

Das Programm nimmt Anleihe bei klassischen Zirkusnummern. Aus dem Hochseil wird halt ein weißes Klebeband auf dem Boden – Bewegungen und vor allem Blicke schaffen Anflüge von Zirkuskuppe-Atmosphäre. Ähnlich bei der Trapeznummer, die sich rund um eine Schaukel abspielt.

Ach ja, der zweite Teil des Titels „& die fabelhaften Brüder Karamasow“ spielt natürlich schon mit der Assoziation mit dem Roman Fjodor Dostojewskis. Angeblich aber, so die das Regie-Duo habe es auch einmal Zirkusartisten namens Brüder Karamasow gegeben. Die Suche im Internet ergab dazu keine Treffer, dafür aber eine Indie-Rock-Punkband aus Vorarlberg.

Trotz gekonnten Scheiterns gelingt es der achtköpfigen Gruppe mit ihren vielen Gags, das Publikum eher weniger zu schadenfrohem, sondern mehr zu mitfühlendem und nicht mitleidigem Lachen zu bewegen.

Follow@kikuheinz

Salto Morale & die fabelhaften Brüder Karamasov
Gruppe Amikolores

Buch und Regie: Verena Vondrak und Hubertus Zorell
Es spielen:

Ricolo: Philipp Boogman
Florian: Anselm Eder
Vroni: Marianne Hink
Fati: Maja Leu
Joy: Sandra Pelzmann
Roxy: Barbara Pfeiffer
Zilly: Marion Scholz
Dotti: Charlotte Zorell

Kostüme: Michaela Zirg

Photos und Grafik: Jan Zaslawski

Wann & wo?
16. Oktober 2019; 19 Uhr
Theater Olé: 1030, Barmherzigengasse 18
Telefon: 0 699/ 1881 1771
eMail: info@theater-ole.at
theater-ole

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