Kiku
06.10.2018

Wie schafft ihr’s, nicht von der schrägen Bühne zu fallen?

Kinder-KURIER und Kinderreporter_innen von SchauTV waren bei einer Probe von Ronja Räubertochter im Theater der Jugend, Wien. Jetzt auch mit SchauTV-Beitrag.

Ronja Räubertochter“, die Geschichte zweier seit Ewigkeiten verfeindeter Räuberbanden, die durch die die neue Generation Ronja bei den Mattis‘ und Birk bei den Borkas zu Frieden finden, eröffnet die neue Saison im großen Haus des Theaters der Jugend in Wien (Renaissancetheater bis 11. November 2018, siehe Infos). Der Kinder-KURIER und das Kinder-Reporter_innen-Duo Lara und Adrian von SchauTV durften bei einer der letzten Proben vor der Premiere zuschauen. Und obendrein einige Blicke hinter die Kulissen werfen sowie Regisseur und Hauptdarsteller_innen interviewen.

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„Gras“haare und dicke Brauen

In der Maske, wo geschminkt und Frisuren gestylt werden, treffen wir noch Katharina Stadtmann, die die Ronja spielt und Patricia Nessy, ihre „Mutter“ Lovis. Erstere kriegt in ihre vielen dünnen blonden Zöpfchen auch grünen Bast eingeflochten, „das soll Gras darstellen“. „Wie Extensions“ stellt Lara fachkundig fest.

Patricia Nessy schminkt sich selber dicke, fette Augenbrauen: „Im Wald haben wir ja keine Pinzette, da sollen alle wilder ausschauen“, erklärt sie den Hintergrund der Gesichtsmalerei.

Im Pausenraum halten sich rund eine Viertelstunde vor Start der Probe gerade alle Räuber auf – egal ob sie zur Mattis- oder zur Borka-Bande gehören. Selbstverständlich sind sie als Schauspieler nicht verfeindet. „Obwohl kurz nach dem Stück, wenn man sich Schimpfwörter an den Kopf geworfen hat, ist’s nicht immer leicht, in der Sekunde aus der Rolle rauszukommen“, gesteht Frank Engelhardt, der Ronjas Vater Mattis spielt.

Michael Schusser und Jens Walter müssen/dürfen während der Vorstellung switchen. Einmal spielen sie Pelle und Tjegge, zwei Mattisräuber und dann wiederum Storkas und Labbas, Bandenmitglieder bei den Borka. „Mit dem anderen Kostüm oder Bart bist du sofort in der anderen Rolle“, erklären sie, wie das Umschalten so schnell funktioniert.

Jakob Elsenwenger (aus dem Jenseits erzählender Glatzen-Per) verrät: „Ich hab mir echt lieber eine Glatze rasiert als vor jeder Vorstellung eine kahle Perücke über meine Haare gestülpt zu kriegen.“

Und dann ertönt auch schon aus dem Lautsprecher die Ansage, dass es in fünf Minuten losgeht und sich alle auf ihren Plätzen einzufinden haben.

In der Pause interviewen Lara (11) und Adrian (13) den Regisseur Yüksel Yolcu und nach der Komplettprobe Katharina Stadtmann (Ronja) und Harwin Kravitz (Birk) vor der Kamera.

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Regisseur: Wie wollen wir zusammenleben?

Yolcu, in Berlin ab seinem Schulalter aufgewachsen, in Iğdır ganz im Osten der Türkei geboren, ist studierter Schauspieler und später auch Regisseur sowohl am Theater als auch im und für Film. In Deutschland hat er schon dutzendfach (auch) für Kinder und Jugendliche gearbeitet, in Österreich ist die Inszenierung des Astrid-Lindgren-Stoffes seine Premiere.

Lara: Wieso sind Sie dazu gekommen, genau dieses Stück zu inszenieren?
Yüksel Yolcu: Der Intendant vom Theater der Jugend, der Herr Birkmeir, hat mich gefragt, ob ich hier inszenieren möchte. Das hat mich sehr gefreut und ich hab zugesagt. Wir hatten zuerst ein paar andere Ideen. Irgendwann hat er vorgeschlagen, wie wär‘s denn mit Ronja. Da war ich sofort begeistert und fand das eine großartige Idee.

Adrian: Warum ist es eine gute Idee?
Der Stoff, das Stück behandelt so sehr das Thema, wie wir miteinander leben wollen. Wollen wir andere ausschließen, wollen wir Ignoranz zeigen oder wollen wir zusammen leben. Die beiden Eltern von Ronja und Birk, die mögen sich nicht, die hassen sich und die Kinder bringen sie zusammen.
Das Stück stellt auch die Frage, was ist es, was bedeutet es, Mensch zu sein. Man muss sich anstrengen, um zu lernen, um vielleicht den Weg der Toleranz, der Freundschaft zu gehen. Wie Birk und Ronja sich zusammenfinden das ist doch viel besser als sich die Köpfe einzuschlagen oder sich zu hassen wie die beiden Banden es so tun.
Ich fand, dass das sehr gut Bezug nimmt auf heute. Es gibt ganz viele Menschen, die flüchten müssen, die keine Zukunft sehen. Einige davon kommen nach Europa und so fragen wir, wollen wir die annehmen, können wir zusammen leben oder nicht. Das sind so starke Themen, die heute sehr aktuell sind, die aber ganz wichtige Fragen auch stellen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen. Wie können wir lernen, noch besser, noch liebevoller miteinander umzugehen als der ewige Hass, das ewige Aussperren. Diese Themen haben mich sehr interessiert.

Lara: Was passiert in so einer Pause wie jetzt?
Die Pause ist wichtig, damit die Schauspieler runterkommen. Damit sie was essen, einen Schluck Wasser trinken, abspannen. Für die Bühne ist es auch wichtig, weil die umgebaut wird für den zweiten Teil. Und dann redet man in der Pause vielleicht, ob was vergessen wurde. Es ist ein sich ausruhen und sich noch einmal organisieren, damit man dann in den zweiten Teil gehen kann.

Lara: Wird in der Pause auch nachgeschminkt oder bleiben die Schauspieler so wie sie sind?
Es werden noch nachgeschminkt, aber manchmal ist es ja so, dass es noch andere Schminke braucht. Bis zum zweiten Teil ist ja ein halbes Jahr vergangen, der Junge ist jetzt voll fertig – da muss man noch zusätzlich was anderes schminken. In anderen Stücken muss man vielleicht noch stark nachschminken, wenn die Schminke verwischt ist.

KiKu: Wie sind Sie zum Theater gekommen?
So genau kann man’s nicht sagen. Ich war so 12 oder 13, mein älterer Bruder hat in einer Pantomimengruppe gespielt, eben ohne Worte nur mit dem Körper und der Raum hat so ganz gut gerochen für mich. Ich werde das niemals vergessen. Da hab ich die spielen sehen und das hat mich so begeistert und da hab ich dann wahrscheinlich irgendwie angefangen. Ich erinnere mich, als ich 17 war, hab ich in Berlin in einem Freizeit-Jugendklub mit Jugendlichen so zwei, drei Theaterstücke selber entwickelt, obwohl ich keine Ahnung hatte. Es ist eine Freude daran, ich weiß gar nicht genau, wann das entstanden ist.

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Schauspiel-Duo: Was machen bei Hoppalas

Lara – an Ronja-Darstellerin Katharina Stadtmann: Mir ist aufgefallen, du bist einmal bei deinem Turnsack hängen geblieben. Was macht man da dann?
Katharina Stadtmann: Das mit dem Turnsack ist heute zum ersten Mal passiert und in dem Moment denk ich halt an den nächsten Satz und auch „Was mach ich jetzt? Okay, nehm ich das weg oder nicht?“ Ich hab mir gedacht, okay, ich nehm’s am besten weg und dann mach ich weiter. Da muss man einfach spontan reagieren, was das Bauchgefühl sagt.

Lara/Adrian: Hier ist ja die Bühne schräg. Mir ist aufgefallen, dass die Räuber bei der Prügelei genau bis zur letzten Kante gerollt sind, und dann genau gestoppt haben. Wie geht das?
Birk-Darsteller Harwin Kravitz: Man probt ja meistens auf einer Probebühne. Die war auch schon schräg aber nicht so steil. Beim Proben des Kampfes rollt man so oft runter bis man ungefähr ein Gefühl hat, wie viele Rollen machen wir jetzt gemeinsam bis ungefähr das Ende der Kante erreicht ist. Dann verleibt man sich das ein, wie viel und wie wenig man rollen muss.

Lara: Seid ihr bei den Proben manchmal von der Bühne runter gefallen?
Katharina Stadtmann: Im Probenraum nicht, dort war die Bühne ja nicht so steil, aber hier ist es bei den Proben schon passiert, dass die Mattis-Räuber oder die Borka oder wir irgendwo hängen geblieben und runter gefallen sind.

Adrian: waren die Schuhe vorher schon kaputt oder werden die neu gekauft und dann extra so auf schmutzig und kaputt gemacht?
Katharina Stadtmann: Die waren ganz neu und schön, aber unsere Kostümfrau hat gesagt, ich darf sie privat tragen, damit sie ein bissl schmutziger werden. Aber das hat nichts gebracht und danach haben sie sic noch ein bissl abgrissen und angschmiert, damit sie abgetragen ausschauen.

Zum Theater

Harwin Kravitz: Mit sechs hab ich schon in der Schule und dann auch in freien Produktionen mit der Musikschule gespielt. Aber schon vorher wollte ich Schauspieler werden, eigentlich schon seit ich weiß, was ein Schauspieler ist.

Katharina Stadtmann: Mit 14 oder 15 hab ich in einer freien Improgruppe als Hobby nebenbei Theater gespielt. Ob ich damals schon gewusst habe, dass ich Schauspielerin werden will? Hmm, irgendwie tief drinnen schon. Mit 18 hab ich dann die Aufnahmeprüfung für eine Schauspielschule gemacht.

Fotos vom Probenbesuch

Kinderreporter_innen bei der Ronja-Räubertochter-Probe

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Selber auf die Bühne

Übrigens: Sowohl Lara als auch Adrian tragen sich, wie sie dem Kinder-KURIER anvertrauen, mit dem Gedanken, Schauspiel zu ihrem Beruf zu wählen. „Schauspielerin oder Bäckerin“, beginnt die Elfjährige. „Aber neben Textverarbeitung, Tennis und Tanzen ist sich heuer nicht noch ein Schauspielkurs ausgegangen“, einen solchen wolle sie aber unbedingt machen.

Adrian hat schon in zwei Schultheaterstücken mitgewirkt und erinnert sich noch, in dem einen als Parodie auf einen Prinzen den Satz gehabt zu haben: „Ich bin soooo schöööön!“

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Beitrag auf Schau-TV

mit Kinderreporterin Lara und Kinderreporter Adrian

gedreht von Wolfgang Semlitsch

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Ronja Räubertochter
von Astrid Lindgren
in der Bearbeitung von Barbara Hass
6 bis 10 J. ca. 2 Stunden (Eine Pause)

Regie: Yüksel Yolcu
Es spielen:
Ronja: Katharina Stadtmann
Birk: Harwin Kravitz
Mattis: Frank Engelhardt
Lovis:  Patricia Nessy
Glatzen-Per: Jakob Elsenwenger
Borka: Sebastian Thiers
Undis: Karoline-Anni Reingraber
Klein-Klipp, ein Mattisräuber: Kaj Louis Lucke
Pelle, ein Mattisräuber / Storkas, ein Borkaräuber: Michael Schusser
Tjegge, ein Mattisräuber / Labbas, ein Borkaräube: Jan Walter
Graugnome / Wilddruden / Rumpelwichte: Ensemble

Ausstattung: Ulv Jakobsen
Licht: Lukas Kaltenbäck
Musik: Paul Brody
Videoprojektionen: Christoph Schwarz
Dramaturgie: Clemens Pötsch
Figurenbau: Julia Elisabeth Beyer
Bewegungs- und Kampfcoach: Mel Stein
Assistenz und Inspizienz: Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz: Greta-Mattea Wieland

Wann & wo?

Bis 11. November 2018
Theater der Jugend Wien, Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01) 521 10-0
www.tdj.at

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