Kiku
21.11.2018

Wenigstens ein Leistungszentrum, das viel länger offen hat!

Gespräch mit Barbara, der Trainerin, und einigen Wünschen für den Turnsport in Österreich

Barbara, die Trainerin war selber Turnerin, „aber nicht in dieser intensiven Leistungsklasse. Ich habe erst sehr spät angefangen, hab den Sport erst spät kennen gelernt, mit zehn Jahren, aber er hat mich so fasziniert, dass er mich nicht mehr losgelassen hat.

„Nur als Hobby oder doch mehr?
Naja, ein bisschen höher, bis zur Wiener Schülermeisterschaft.

Wie sind Sie zum Turnen gekommen?
Durch eine Freundin. Im Hof haben wir auf der Klopfstange geturnt.

Und das war dann irgendwann zu wenig?
Nein, zu gefährlich. Wenn man runterfällt auf den Beton. Sie hat mich dann einmal mitgenommen in die Halle, meine Eltern haben’s erlaubt. Dann war die Faszination da.

Haben Sie ein Lieblingsgerät, vielleicht Reck als Art Klopfstange?
Es hat sich für mich der Stufenbarren herauskristallisiert, ich liebe es dort mit den Kindern zu arbeiten. Es ist eines der schwersten Geräte, aber ein sehr schönes.

Wie sind Sie dann Trainerin geworden?
Ich hab die diversen Ausbildungen gemacht, von Jugend-, Übungsleitung bis hinauf zu den Lehrwarte-Kursen und dann die staatlich Trainer-Ausbildung. Ich trainiere Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Mädchen und Burschen. Wir haben bis zu sechs Mal in der Woche Training. Die Kinder kommen drei bis sechs Mal in der Woche. Außerdem mach ich am Wochenende auch noch die Wettkämpfe mit den Kindern und Jugendlichen. Und Kampfrichter(in) bin ich auch. Bei den Männern und Frauen.

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Wie weit verbreitet ist Kunstturnen in Österreich?
Kunstturnen ist in Österreich als Geräteturnen bekannt. Es hat leider nicht diesen Stellenwert, eher einen Billig-Sport-Geruch. In den USA boomt Turnen. Da kommen Massen in die Vereine und natürlich haben sie dann auch bei Olympia die entsprechenden Top-Ergebnisse.
Ich würde sagen, insgesamt gehen vielleicht rund 80.000 und ein bisschen mehr turnen, aber auf hohem Leistungsniveau haben wir in Österreich keine 90 Kinder.

Woran liegt das?
Turnen ist nicht so bekannt, es ist ein sehr zeitintensiver Sport, der für spätere Spitzenleistungen schon mit fünf oder sechs Jahren beginnen muss.
Außerdem gibt es nicht viele Leistungszentren (zwei in Wien, in sieben Bundesländern jeweils nur eines, nur in Vorarlberg gibt es ein bisschen mehr Förderung und drei Leistungszentren), nicht so viele Turnsäle, die jederzeit zugänglich sind. Wenn Kinder bis 16 Uhr in der Schule sind, könnten sie erst gegen 17 Uhr zum Training kommen, wir haben dann die Halle nicht mehr so lange, da wir drei Stunden trainieren müssen.

Und die Bezahlung! Es sind nur ganz wenige Trainerinnen und Trainer angestellt und versichert. Viele machen das nebenberuflich oder freiwillig ohne Bezahlung, manche machen das selbstständig. Wir bräuchten auch viele Männer, die die schweren Geräte heben oder dann schon schwerere Jugendliche stützen.
Man macht sehr viel mit Liebe zu diesem Sport.

Wenn Sie Wünsche frei hätten in Sachen Sport-Turnen, was wäre der?
Chancen zum Arbeiten für Trainerinnen und Trainer und die entsprechenden finanziellen Mittel auch für ein Leistungszentrum, das viel länger offen hat. Wo Leute auch spät am Abend oder sehr früh trainieren kommen könnten.