Lidauer als Lokführer und als Zahnarzt

Mathias Lidauer: Am Wochenende und unter der Woche

© Wegscheider Max - @oebb.at/Heinz Wagner; Bildmontage: Heinz Wagner

Kiku
09/26/2019

Weiß und schwarz: Zahnarzt und Dampflokführer

Zahnarzt aus Theresienfeld (NÖ) fährt am Wochenende auf der Liliputbahn im Wiener Prater.

von Heinz Wagner

Am Rande von Theresienfeld (Niederösterreich) findet sich an der Grazer Straße eine Praxis mehrere Zahnärzte. Modern, natürlich klinisch sauber, aber gar nicht aufs erste wie eine Ansammlung von „Pappnschlossern“ wie diese Berufsgruppe liebevoll im ostösterreichischen Idiom genannt wird, erkennbar. Rund um den großzügigen Empfang oder den relaxenden Wartebereich finden sich an manchen Stellen bunte Skulpturen in der Art von Niki de Saint Phalle. Könnte auch eine Gemeinschaft diverser hipper Büros sein.

Hier ordiniert unter anderen Dr. Mathias Lidauer. Kinder-KURIER und schauTV besuchten diesen Zahnarzt, nachdem die ÖBB ihm eine Episode ihrer losen Serie „Gleisgeschichten“ widmete. Deren Titel „Der Zahnarzt mit der meisten Kohle“ deutete, wie zu erwarten, nicht auf Geld scheffeln hin, sondern … Lidauer fährt am Wochenende als Lokführer auf der Liliputbahn im Wiener Prater.

Kinder-KURIER und schauTV wollten diesen Mann zwischen weiß und schwarz, zwischen klinisch sauber und eher erdig-dreckig kennenlernen. Wir besuchten ihn in seinem Hauptjob in Theresienfeld und wollten zunächst wissen, was als erstes da war: Die Liebe zu Eisenbahnen oder die zur (Zahn-)Medizin und wie es zu beiden kam. „Es war eigentlich beides da“, beginnt Lidauer die Frage zu beantworten. „Es war schon als kleines Kind die Liebe zur Eisenbahn da, andererseits hab ich aber schon damals gerne fein gearbeitet, gebastelt.“

Blick durchs schmale Fenster in den Behandlungsraum

Beim Interview mit KiKu und schauTV

Die Liebe zur Bahn „erbte“ er über beide Großväter. Der eine war Lokomotivführer bei den Grubenbahnen der Wolsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG und der andere war Eisenbahnfan. Mit diesem war Lidauer dauernd am Bahnhof „und so ist mir das quasi schon in die Wiege gelegt worden“, erinnert sich der Zahnarzt und Liliput-Lokführer.

Ob er nicht Lokführer werden hätte wollen, fragen wir den jetzigen Freizeit-Lokführer. „War sicher auch einmal die Überlegung da. Aber für mich das Interessante bei der Eisenbahn ist eher die nostalgische Eisenbahn, die alte Technik die Dampflokomotiv-Technik und das kann man eben nicht mehr täglich im Betrieb erleben.“

Der Weg vom Bahnfan zum dann doch Lokführer führte über einen Job als Student. Die Liliputbahn suchte einen „Chauffeur“, der Student einen Nebenerwerb. „Da hab ich ein Jahr lang mitgearbeitet und die Ausbildung gemacht, den Kesselwärterkurs beim TÜV (Technischer ÜberwachungsVerein) und so bin ich zur Dampflok gekommen.“

Weshalb er dann noch immer am Wochenende die Liliputbahn führe, beantwortet Lidauer so: „Ich bin dort hängen geblieben, weil’s einfach ein schöner Zeitausgleich ist. Ich arbeite hier in der Zahnarztordination modern, sauber, hygienisch und so weiter, alles sehr genau und präzise. Bei der Liliputbahn reist man halt 90 Jahre zurück in die Vergangenheit. Man kann mit sehr alter Technik arbeiten, es ist alles schmutzig. Es ist gröbere Arbeit, körperlich anstrengend. Es ist ein schöner Ausgleich, ein Kontrast zu dem was ich sonst mache.“

Der Weg zur Zahnmedizin scheint sich für den Reporter aufs erste nicht ganz so aufzudrängen. Feines Arbeiten und Basteln und Gebiss bearbeiten – wie geht das zusammen?
„Auch als Zahnarzt muss man sehr fein, sehr genau, extrem präzise arbeiten. Es ist mehr oder minder ein Basteln auf höherem Niveau.“

Beharrlich fragen wir nach. „Darüber hinaus wollte ich etwas mit Menschen machen, etwas, wo ich Menschenhelfen kann. Das hat sich dann so ergeben. Ich kann jetzt „basteln“, um Menschen zu helfen. Das ist eigentlich eine schöne Kombination. Es ist im Prinzip Feinmechanik für den Menschen.“

„Bei der Liliput-Bahn bereiten Sie sicher allen die kommen, Freude. Als Zahnarzt sind Sie sicher oft mit Menschen konfrontiert, die Angst haben, auch wenn sie wissen, dass ihnen geholfen wird. Wie gehen Sie mit diesen unterschiedlichen Erwartungen um?“, wollen wir abschließend wissen.
„Ja, bei der Liliputbahn kommt sicher kaum wer mit Ängsten. Hier kommen sicher viele Patientinnen und Patienten mit Angst. Aber meistens hilft ein gutes Gespräch und man kann viele der Ängste nehmen. Im Endeffekt gehen nach der Behandlung die meisten, eigentlich alle, glücklich nach Hause. Das ist das was wir haben wollen.“

Follow@kikuheinz

Hier der Beitrag von schauTV

gedreht von Martin Weissenbacher

mit Sequenzen aus "ÖBB Gleisgeschichten"

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