Kiku
23.10.2018

Von „Imagine“ über „Nelson Mandela“ bis zu „Ubuntu“

„Radio Freedom“ – musikalisch-tänzerische Performance von IYASA (Bulawayo, Simbabwe), Theater Ansicht (Wien) und Next Liberty (Graz) derzeit im Dschungel Wien.

Geballte Power gepaart mit großer Lebensfreude, Zuversicht und Optimismus umgesetzt in mitreißenden Tänzen samt dazugehöriger Musik – so starten die acht Darsteller_innen in „Radio Freedom“ – derzeit im Dschungel Wien zu erleben. Auf die verschiebbaren Kulissenteile wird immer wieder ein überdimensionales Radiogerät projiziert.

Der Stücktitel ist nicht nur Metapher, er nimmt Anleihe bei den realen Radiosendern, von denen aus – immer wieder aus anderen Orten und Ländern um der Verfolgung zu entgehen – Menschen im südlichen Afrika ihre Stimmen für Freiheit erhoben und erheben. Zur Zeit des institutionalisierten Rassismus, der Apartheid, in Südafrika bis zum Kampf um die Befreiung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis und zur Aufhebung der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung.

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Freiheitskampf mit Musik über Radiowellen

Die Radiosender, die sich der Freiheit verschrieben haben, prangerten aber auch die Herrschaft Robert Mugabes in Simbabwe an, der als Freiheitskämpfer begonnen hatte und sich zum Diktator wandelte. „Schön langsam sind wir nun auf dem Weg zu einer Demokratie“, sagen die Künstler_innen in der Anfangsphase des Stücks. In der treten sie in Dialog mit dem Publikum – fragen sie über ihr Wissen über Simbabwe im Konkreten und nach Afrika im Allgemeinen und erzählen von ihren eigenen ersten Eindrücken von Europa und Österreich – vor etlichen Jahren als sie zum ersten Mal aus Bulawayo, der nach Harare (Hauptstadt) zweitgrößten Stadt Simbabwes, hierher gekommen sind.

Die acht Darsteller_innen samt ihrem Leiter sind von der Gruppe IYASA (Inkululeko Yabatsha School of Arts). Inkululeko heißt übrigens Freiheit – in der Sprache Ndebele (eine der 14 Amtssprachen des Landes). In Zusammenarbeit mit der Wiener Theatergruppe „Ansicht“ und dem Grazer „Next Liberty“ wurde die Performance erarbeitet. Die erzählt vor allem über die Befreiungskämpfe der afrikanischen Bevölkerung gegen die Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung durch die weißen Kolonialmächte. Und da vor allem über die Musik, die Gesänge und Tänze in diesen Befreiungskämpfen, Songs, die eben immer wieder auch im „Radio Freedom“ gespielt wurden. Im nunmehrigen gleichnamigen Stück sind dann die von oft tiefer Trauer gekennzeichneten, getragenen bekanntesten („Evergreens“) – live performt – zu hören: „Senzeni na“, „ Woza Woza“, „Amasango“, „Basithathela Ilizwe“, „Oliver Tambo“, „Nobody wanna see us together“, „Nelson Mandela“.

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Brückenschläge

Das Stück will aber nicht nur diese Geschichte vermitteln, sondern versteht sich auch als Brücke zwischen Simbabwe und Österreich, streut Videos von Schönbrunn und Almen ebenso ein wie aus Bulawayo. Und es tauscht Infos mit dem Publikum aus – zwischen beiden Ländern. Das Märchen Schneewittchen wird zu Ebenholzwittchen hinter den sieben Savannen...

Die Live-Radio-Show baut nicht nur die genannten Songs ein, sondern nennt auch andere, hierzulande und weltweit bekannte Lieder von „We shall overcome“ (US-Bürgerrechtsbewegung) über DIE Friedenshymne schlechthin „Imagine“ (John Lennon und Yoko Ono) bis zu „Another Brick in the Wall“ von den Pink Floyd als Protestsong gegen autoritäre Schulsysteme.

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Suche nach DEM neuen Freiheitssong

Die 1 ¼-stündige Show macht sich aber auch auf die Suche nach DEM ultimativen Freiheitssong, der die Welt zum Positiven verändern will/soll/kann. Und kommt zum Schluss auf einen neu entwickelten mit dem Titel „ Ubuntu“. Heute bei der Suche im Internet fast immer nur als die Open Source-Betriebssystem zu finden, steht in (Süd-)Afrika für Menschlichkeit, die nur in der Gemeinschaft gedeihen kann (dieses Wort kommt in Zulu und anderen Bantu-Sprachen vor) und steht für mehr als diesen Begriff, für eine ganze Philosophie des Lebens in Frieden, Gleichberechtigung und Solidarität.

Dafür muss „Radio Freedom“ noch lange – und das weltweit – senden – und nicht nur das. Da passt ein weiterer für dieses Stück neu geschriebenen Song: „When I move my feet“ - Füße bewegen kann auch  noch mehr als tanzen sein ;)

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Radio Freedom
Theater Ansicht/Next Liberty (Graz) & IYASA (Simbabwe)
Schauspiel mit Tanz, Musik und Visuals
1 ¼ Stunden, ab 10 Jahren

Text, Inszenierung: Flo Staffelmayr
Darsteller_innen: Thembinkosi Dube, Alice Gurure, Lameck Keswa, Cheryl Mabaya, Nkanyezi Ndlovu, Mbongeni Nxumalo, Sithembeni Buhlenkosi Sibanda, Sibonisiwe Sithole

Choreografie: Christina Rauchbauer
Ton, Sounddesign: Julia Meinx
Musikalische Einstudierung, Arrangement: Innocent Nkululeko Dube
Projektionen, Bühne: Jakob Hütter (Hand mit Auge)
Kostüm: Devi Saha
Produktion: Raffaela Gras, Agnes Zenker

Wann & wo?

Bis 27. Oktober 2018 und 6. bis 9. November 2018
Dschungel wien:1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

www.iyasa.net

www.theateransicht.at

www.nextliberty.com

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