Kiku
02.06.2018

Träume vom Fliegen und von Freundschaften

„Kleiner Pelz“ nach dem Buch von Irina Korschunow im Wiener Figurentheater Lilarum.

Einige wenige Tiere bevölkern den Wald – ein Eichkätzchen, eine Maus, eine Schnecke, Marienkäfer, nachts auch noch ein Uhu, und der Bär, den alle nur „Kleiner Pelz“ nennen, sowie sein Freund und vor allem Ballspielkamerad Brunopelz. Eine kleine, feine, idyllische, verspielte, friedliche Welt. In genau dazu passenden flauschig, kuschelig anmutenden Bildern, Texten und entsprechender Musik präsentieren sich die Anfangsbilder des neuesten Stücks im Figurentheater Lilarum in der Wiener Göllnergasse. Es ist – und bleibt – viel Zeit und Raum, um in die langsame Geschichte nach dem gleichnamigen (vergriffenen) Bilderbuch der Erfolgsautorin Irina Korschunow einzutauchen.

Auf die Kerngeschichte und rund eine ¾ Stunde Spielzeit (Pause nach ca. einer halben Stunde) verdichtet, muss und darf „Kleiner Pelz“, dessen wirklicher Name im Stück ein Geheimnis bleibt (im Buch kommt er am Rande vor) natürlich Abenteuer bestehen – und dafür braucht es einmal ein Ab, um dann wieder Aufs zu erleben. Der Niederschlag: Brunopelz zieht mit seinen Eltern völlig überraschend weg. So ein Mist. Kein Spielkamerad, kein Freund ;(

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Der Freund geht weg

Durch nichts, nicht einmal einen von der Mutter selbst gekochten Himbeerpudding, lässt sich Kleiner Pelz trösten. Natürlich kann das nicht so bleiben. Hilfe bahnt sich an. Dazu bedarf es natürlich mehrerer Aufgaben – samt Erkenntnissen. Nach der ersten Trauernacht streift der kuschelige, zottelige Bär umher – trifft auf ein „grünes Tor“ aus großen Blättern, mittendrein ein trauerndes noch nie gesehenes Wesen. Die stellt sich als Elfe vor und erklärt ihr Weinen damit, dass sie nur mehr einen Flügel hat. Den zweiten hätte ihr Wassermann Nöck aus dem dunklen Teich gestohlen.

Fliegen, das wär’s denkt sich Kleiner Pelz laut. Da könnte er sich auf die Suche nach seinen Freund machen. Nun, sie würde ihm ihre Flügel borgen, wenn er ihr den fehlenden von Nöck hole. Angst und Furcht lässt Kleinen pelz schon ziemlich zögern. Die Aussicht auf Flug und Brunopelz aber...

Versprochen, getan, der junge Bär macht sich auf den Weg, erschrickt beim ersten Auftauchen von Nöck aus dem Wasser, spürt aber, was dieser sagt: Er sei gar nicht böse, nur traurig, weil so einsam. Und mit dem Versprechen, den Flügel, den er gar nicht gestohlen aber bei sich hat, zu bekommen, lässt sich Kleiner Pelz in einen Unterwasser-Ausflug ein. Eine wunderschöne, fast schon und doch nicht kitschige Szene nimmt das Publikum in die Welt der Muscheln und Perlenkugeln mit.

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Mission Flügel

Mission Flügel erfüllt, Kleiner Pelz darf fliegen – und genießt es, durch die Lüfte zu schweben, so sehr, dass er auf den eigentlichen Zweck, die Suche nach Brunopelz gar vergisst. Abends bedauert er dies, noch viel mehr aber, dass er – so die Elfe – dieses Geheimnis ihrer Existenz und des Fliegens nicht verraten darf.

Aber auch auf dem Boden tut sich neues, in Brunopelz‘ Haus ziehen neue Nachbarn ein – mit Connypelz als Kind und von heute auf morgen neuen Freund.

Auch gut, aber was ist mit Brunopelz? Auf den vergisst die Hauptfigur völlig. Und auch das Geheimnis plaudert er aus, womit Elfe und Fliegen auch verloren sind ;( Das liegt aber am Buch-Vorbild, dafür kann die Inszenierung nichts. Als „Trotz-Stück gegen Action-Tschimmbumm für Kinder im Fernsehen“ versteht Regisseurin Traude Kossatz das kuschelweiche Wohlfühl-Märchen umd en Bären und seine Träume vom Fliegen und seine Erlebnisse mit (neuen) Freunden.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Kleiner Pelz
Nach dem Buch von Irina Korschunow
Figurentheater Lilarum
Ab 3 J.

Buch & Regie:  Traude Kossatz
Puppen: Traude Kossatz
Bühne: Andrea Gergely
Stimmen: Joachim Bißmeier, Michou Friesz, Dorothee Hartinger, Karin Yoko Jochum, Klemens Lendl, Martin SchwabGrischka Voss
Figurenspiel: Silke Graf, Johannes Grammel, Silvia Lenz, Joanna Proksch, Evgenia Stavropoulou-Traska; Licht: Oswald Bertel, Florian Scholz
Musik: Klemens Lendl, David Müller (Die Strottern)

Aufführungsrechte: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Wann & wo?
Bis 24. Juni 2018
Figurentheater Lilarum: 1030, Göllnergasse 8
Telefon: (01) 7102666
www.lilarum.at

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