Kiku
24.06.2018

Tag 5: Dicke Haut schützt vor Verletzungen nicht

Humor- und fantasievolles "tierisches" Spiel um Außenseitertum und Mobbing.

Kurzweilige 50 Minuten, also die Läng einer Schulstunde, spielten zum Abschluss des Jubiläumsfestivals Oriana Schrage, Romeo Meyer und der Live-Musiker Andi Peter Dickhäuter“ (Theater Fallalpha). Das haben sie mit Regisseurin Brigitta Soraperra in Probenblöcken auf der Basis eines Textes von Tina Müller in freiem Improvisationsspiel entwickelt.

Timna und Nando spielen in der Schulgarderobe, verwandeln sich in viele ihrer Schulkolleg_innen – durch Aufsetzen immer anderer Hauben und veränderte Sprechweisen. Die Rede kommt darauf, dass anderntags Lou neu in die Klasse kommen soll. Der Name lässt offen, ob ein Mädchen oder ein Bub. Und das soll auch so sein.

Wie auch immer, der/dem Neuen eilt der Ruf voraus, groß, breit, grau zu sein, ein Nashorn. Groß. Breit. Eben anders. Alle möglichen Vorurteile, Ablehnungen usw. werden durchgespielt. Noch lange bevor Lou auftaucht. In den unterschiedlichsten Varianten werden die – stets mit einem Schuss Komödiantik und (Selbst-)Ironie in schnell wechselnde Szenen gesetzt.

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Da und  nicht da

Und dann ist Lou da – wobei er/sie nie auf der Bühne auftaucht. Auch wenn Lou nicht anwesend, aber präsent ist, wird trotzdem mehr über ihn verhandelt. Voll fertig, versuchen die Eltern ihr Kind zu stärken. Doch alles hilft nichts. Dicke Haut oder auch mehrere Hautschichten halten seelischen Schmerz eben nicht auf, er kommt vielleicht später innen drinnen an – die Metapher wird in Form mehrerer Overall-Schichten gezeigt.

Irgendwann ist’s so weit, Lou zuckt aus – und wird in den Zoo gebracht, wo ein Wärter die harte Tour vorschlägt und einer meint, es würde reichen/wäre besser dem jungen Nashorn einfach Ruhe und Zeit zu gönnen, um zu sich selbst zu kommen.

Irgendwann beginnt sich fast im Zentrum der Bühne ein Gebilde zu entfalten – bei der Vorstellung in Nenzing ist’s nicht ganz aufgegangen, soll Assoziationen an ein Nashorn erwecken und wird vom Bühnenbildner als „Seele des Nashorns“ bezeichnet. – auch du und du und du, ein Krokodil, ein Schwein, ein ...

Das fantasievolle, vielfach witzige Spiel zwischen bunt und grau endet mit der Erkenntnis, jede und jeder ist ein eigenes, ein anderes Tier – mit Fingerzeigen ins Publikum

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Infos: Dickhäuter

von Tina Müller
Ein Stück über die Stärke sich selbst zu sein
Theater Fallalpha / Schweiz
Ab 7 J.

Regie: Brigitta Soraperra
Spiel: Oriana Schrage, Romeo Meyer
Musik und Spiel: Andi Peter
Bühne und Licht: Peter Hauser
Kostüme: Corinne Jäggi

http://www.fallalpha.ch/html/dickhaeuter.html