Kiku
22.06.2018

Tag 4: Machtspiel zwischen Schöpferin und Geschöpf

„Skreek“: Ping-Pong-Spiel zwischen Schauspiel und realem Live-Video mit Comic-Elementen. Und: Eine. wunderschöne Schöpfungsgeschichte aus Knetmasse

Was ist echt, was wirklich, was künstlich erschaffen, was vielleicht „nur“ eingebildet? Und wie ist das, wenn sich eigene Geschöpfe nicht mehr einsperren lassen, sondern frei sein wollen? Diese und ähnliche Fragen werden in „ Skreek – A Comic Revolution“ der GRuppe TWOF2 in sehr witziger, innovativer Form performativ gespielt – mit Schauspiel, Comic-Zeichnungen und vor allem Videos. Und nach der Performance können Blicke hinter die Kulisse geworfen – und damit vielleicht „magische“ Welten von YouTuber_innen und anderen „Stars“ der Social-Media-Szene entzaubert werden.

Live-Video und Comic

Mit „Skreek“ bindet die Theatergruppe TWOF2 vorwiegend Live-Videos voll ins Bühnengeschehen ein und würzt das Geschehen obendrein mit Comic-haften Elementen. Die Grundgeschichte: Die Protagonistin The Creator ( Maria Spanring) betrifft einen Moderator_innenplatz neben der Publikumsgalerie. Der Bühnenraum einen Stock drunter bleibt geheimnisvoll verborgen. Vor den Zuschauer_innen-Reihen ein großer Screen.
The Creator ist Comic-Zeichnerin und stellt ihre Schöpfung vor: Jean-Luck, eine 3-D-Figur mit Helm auf dem Kopf, der ein wenig an Lego-Figuren erinnert. Dieser wird real live gespielt von Giovanni Jussi. Das Geschehen wird – großteils live - gefilmt und auf den Screen „geworfen“.

Einige, wenige Videosequenzen wurden vorproduziert und werden eingespielt. Jean-Luck lebt in einer im 2-D-Stil gezeichneten Wohnung samt Fitness-Keller. Alles in schwarz-weiß. Und er handelt nur nach ihren – laut geäußerten – Befehlen. Der Comic kriegt nicht nur dank des Live-Spielers Lebendigkeit, sondern auch eingespielter, passender Geräusche – beim Zähneputzen oder wann auch immer.

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Auf dem Weg zum eigenen Willen

Mit zunehmender Dauer des Spiels, scheint die Figur, das Geschöpf, Eigenständigkeit zu gewinnen. Der „Glückliche“ bekommt Sprache – und eigenen Willen. Er wünscht sich, ein Apfel zu sein, der fliegen kann. Und immer wieder will er raus, kehrt nach einem kurzen – vorproduzierten – Ausflug zurück, um endgültig weg zu wollen aus diesem „Paradies“, das seine Schöpferin für ihn geplant hat – diesmal ins wirkliche Leben, auf den Dorfplatz vor dem Theater.

Die Schöpferin kann ihn leichten Herzens entlassen, sie hat zuvor aus dem Publikum eine von jenen Personen ausgewählt, die sich freiwillig gemeldet hatten, sich auf das Spiel einzulassen – diesfalls Alissa aus der 4. Klasse der Mittelschule Nenzings.

Nun spult The Creator dieselben Sätze ab wie zu Beginn – „mein Geschöpf“ und so weiter. Ist sie Göttin, oder nur einfach eben künstlerische Schöpferin, deren Figuren sich fast eigenständig (weiter) entwickeln. Was sie zulassen kann wie gute Eltern es bei ihren Kindern können. Sie aber braucht nun ein neues Geschöpf. Immer nur in diesen Momenten, so äußert sie, spürt sie, dass sie selbst existiert...

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Infos: Skreek - A Comic Revolution

Die Geschichte von einem, dem Fliegenkönnen nicht reicht
Performance mit live Video-Streaming

TWOF2 / Österreich   
Ab 11 J.

Konzept: TWOF2 - Performancekunst für junges Publikum
Autor, Regie: Giovanni Jussi
Script: Georg Lippert;
Spiel: Giovanni Jussi, Maria Spanring
Live-Kamera, Schnitt, Licht: Francesco Diaz
Ausstattung: Anna Diaz, Ursula Gaisböck, Giovanni Jussi
Sound, Musik: Mario Stadler, Electric Ray and The Shocker
Dramaturgie: Maria Spanring
Produktion: dascollectiv

www.twof2.com/projects/sk

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"Handfeste" Schöpfungsgeschichte

Eine kurzweilige „handfeste“ Geschichte über den Kreislauf der Natur und in gewisser Weise auch eine Art Schöpfungsgeschichte erzählen und spielen Frauke Jacobi und Sven Mathiasen (FigurenTheater St. Gallen und Theater Sven Mathiasen Wettingen, beide Schweiz) in Eins Zwei Drei Vorbei mit „nichts“ als Knetmasse, einigen einfachen Musikinstrumenten, wenigen Worten und natürlich ihren Händen: Eins zwei drei Vorbei

Ein großer Block und ein Baum darauf – aus rotbrauner Knetmasse (drunter und innen feste, stabile Materialien) präsentiert sich zu Beginn samt einigen herumstehenden und liegenden Klanginstrumenten. Das Duo – Schau- und Puppenspieler_innen – beginnt lustvoll herum zu kneten und neues Material draufzupacken. Dazu spinnen sie immer schrägere Varianten aus den drei Worten „großer leerer Platz“. Das fängt an bei „platzendes großes Leer“ und immer weiteren Variationen von Wortteilen – und schließlich auch Vokalen bis hin zu „rotzendes leerendes Groß“.

Der Baum bekommt Blüten, Früchte und so weiter – alles aus Knetmasse und live auf offener Bühne geformt. Aus dem Frühlings-Baum wird ein sommerlicher, ein herbstlicher und schließlich legt sich über fast alles eine weiße Schneedecke.

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Kreislauf

Parallel zum Jahreszeitenkreislauf der Natur formen die beiden Akteur_innen – übrigens aus derselben Knetmasse – zwei Menschen, einen Mann und eine Frau – zwar mit klischeebehafteten Farben blau und rot. Dafür ist die Frau deutlich größer als der Mann. Nur Kopf und Beine sind aus anderen, stabileren Materialien. Die beiden finden Gefallen aneinander, Küsse, Liebe und ein Kind taucht auf. Das ist für die Mutter ein Mädchen, für den Vater ein Bub. Im Stück selbst wird dies nie aufgeklärt, beide bleiben bei ihren Überzeugungen und – wie das Duo in einem Nachgespräch erzählt – für die zuschauenden Kinder ist es meist ebenso – Mädchen sehen in der der Figur eine Geschlechtsgenossin und Buben eben einen solchen.

Das Kind wächst heran, die beiden kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs – und nehmen sich Zeit für ihr Kind. Als es alt genug ist, zieht es in die Welt hinaus. Ein Winter zieht in den Platz, ins Land und der Mann verabschiedet sich für immer. Die Frau kündigt an, bald zu folgen. Als beide tot, der Winter vorbei und sich erste Anzeichen eines neuen Frühlings bemerkbar machen, kommt das Kind zurück – bereit, den Kreislauf ebenso in Angriff zu nehmen.

 

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Infos: Eins Zwei Drei Vorbei

von Frauke Jakobi
Ein musikalisches Spektakel mit einer Menge bunter Knete.
FigurenTheater St. Gallen / Schweiz und
Theater Sven Mathiasen Wettingen / Schweiz
Ab 4 J.

Regie: Sarah Fuhrmann
Spiel: Frauke Jacobi, Sven Mathiasen
Figuren: Johannes Eisele
Musik: Stefan Suntinger
Bühnenbild: Karin Bucher, Johannes Eisele
Licht: Stephan Zbinden