Kiku
26.04.2018

Sich wehren als Antwort auf größte Demütigung

Gespräch mit einer Roma-Aktivistin aus Frankreich bei der Roma-Jugend-Woche gegen Antiziganismus und für Menschenrechte

Im April fand in Brüssel die dritte Roma-Jugend-Woche im Europäischen Parlament statt. 40 Jugendliche aus EU-, aber auch von Balkanländern nahmen daran teil. In dieser Woche arbeiteten sie in Workshops zu den Antiziganismus, Menschenrechte und Partizipation (Mit-Beteiligung).

Bei der Gelegenheit konnten wir mit Frau Mirabela Mile, einer rumänischer Romni, die jetzt in Frankreich lebt, sprechen. Frau Mile ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat keine Kinder. Sie arbeitet als Reiseführerin in Paris und sie bietet Roma Tanzkurse an.

Sie leitet seit einem Jahr ihre eigene NGO „144 Wunder“. Dafür bekommt sie keine öffentliche Unterstützung. 144 Wunder bedeutet für sie Dreieinigkeit und die Fülle. Die Zahlen 4 und 4 stehen für Vater bzw. Mutter. Und die Ziffer 1 steht für das Kind: 1+4+4= 9 Monate - bevor das Kind auf die Welt kommt.
Davor war sie für „Voice of Roma“ tätig. Sie folgte ihren bereits in Frankreich lebenden Eltern vor 8 Jahre nach.

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Schlimmstes Erlebnis

Ihr schlimmstes Erlebnis in Frankreich hatte sie gleich am Anfang, als sie noch in einem Camp lebte. Sie wurde von einer Polizeipatrouille von drei Polizistinnen festgenommen, als sie Wasser für ihre Mitbewohner besorgen wollte. Sie wurde zu einer Polizeistation gebracht, wo man sie einschüchtern wollte. Sie wurde ausgezogen, verspottet, erniedrigt und sogar geschlagen. Man setzte ihr einen Helm auf, der verhindern sollte, dass die Schläge auf den Kopf sichtbar würden.

Frau Mile ließ sich nicht einschüchtern und wehrte sich mit Worten und Taten. Die Polizisten wollten von ihr herausfinden, welche Leute die Roma in den Camps unterstützen. Da sie nicht kooperierte, wurde sie die ganze Nacht festgehalten. Nach diesem Erlebnis beschloss Mirabela Mile, im Interesse der Roma aktiv zu werden. Sie studierte sogar ein Jahr Jus, hatte aber nicht die finanzielle Möglichkeit das Studium zu vollenden. In Ihrer NGO steht sie Roma, die ihre Hilfe benötigen, bei mit Übersetzungen, Meditation und Interventionen in Falle von Diskriminierungen.

"Sichtbar"

Mile erzählte auch, dass es in Frankreich ungefähr eine Million Roma gibt. Ungefähr 16.000 bis 20.000 leben in Camps und sind daher für die Öffentlichkeit und die Medien „sichtbar“. Sie haben ein schlechtes Image, betteln oder arbeiten auf dem Schwarzmarkt. Die große Mehrheit der Roma ist jedoch gut integriert, arbeitet und lebt in Wohnungen oder Häusern.

Seit der ehemaligen Präsident Nicolas Sarkozy Gesetze erlassen hat, die den Roma keine Rechte in Frankreich geben, ist die Situation der „sichtbaren“ Roma immer schlechter geworden. Sie werden in Spitälern zurückgewiesen, können kein Bankkonto eröffnen und die Polizei geht aggressiv gegen sie vor. Leute wie sie brauchen die Unterstützung von Mirabela Mile und anderen NGOs, die sich für Roma und Menschenrechte einsetzen.

Mariana Nica

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