Der Geist erscheint ...

© Alexander_Kneucke

Kiku
01/23/2020

Schon als Kinder wurden sie nie geliebt/gemocht

„Mein Ungeheuer“ von Felix Mitterer: Bitterböse Szenen einer Ehe-Hölle zweier Ausgestoßener derzeit im Theater Akzent (Wien).

von Heinz Wagner

Bitterböse 75 Minuten – hin und wieder mit beißender Ironie gespickt und damit Luft zum Lachen in der schier unaushaltbaren Tragödie – bietet „Mein Ungeheuer“ von Felix Mitterer in einer Version der Tiroler Theatergruppe Steudltenn. Derzeit im Wiener Theater Akzent zu erleben.Vordergründig spielen Susanne Altschul und Martin Leutgeb (Regie: Hakon Hirzenberger) Szenen einen Ehe-Hölle – hin und wieder untermalt von der Musik von Matthias Jakisić. Selbst der Spruch „bis, dass der Tod euch scheidet“ führt zu keiner Erlösung. Der gewalttätige, saufende, Ehmann taucht als Geist bei seiner Witwe auf, die zuvor mehr als 20 Jahre kein einziges Wort mehr mit ihm gewechselt hatte. Auch jetzt gibt er keine Ruhe, da kann sie noch so inständig bitten, er weicht nicht von ihrer Seite, bedrängt sie.

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Warum?

Im Hintergrund stehen die Geschichten zweier sehr früh schwer verletzter Menschen Rosa und Hans. Sie als einziges der Geschwister von der Mutter weggegeben, von niemandem außer ihrem späteren Ehemann gemocht. Selbst das - so gesteht er nun - nur, weil sie ein „Arbeitstier“ war.

Er, im Heim aufgewachsen, früh Trinker und Spieler geworden und von ihr auch nur genommen, weil er der erste und einzige war, der sich für sie interessiert hatte. Und sie hat ihn sterben lassen im Brand, den seine Zigarette im Schlaf ausgelöst hatte.

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Aus der Kindheit des Autors

Im Zweipersonenstück kommen ihrer beiden Kinder – die (sehr) früh gestorbenen und die Überlebenden – nur in dem gegenseitigen Zank vor und mit Andeutungen, die Schicksale der Eltern auf ihre Art wiederholend.

„Mein Ungeheuer“ wird immer wieder auch als Mitterers persönlichsten Stück genannt. Hier hat er so manches aus seinem eigenen frühen Leben verarbeitet: Als einziges ganz junges Geschwisterkind weggeben, auf einem Bergbauernhof hart arbeiten müssen usw.

Viele finden den letztlich doch versöhnlichen Schluss als notwendiges Happy End gut, mir kommt er zu geglättet vor – nach all dem, was sich zuvor so dicht abgespielt hat – und in diesem Spiel auch erahnen lässt, welche Tragödie dieses jahrzehntelange aneinander gekettete Leben gewesen sein musste.

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Mein Ungeheuer
von Felix Mitterer
Steudltenn Eigenproduktion

Regie: Hakon Hirzenberger
Es spielen: Susanne Altschul und Martin Leutgeb

Dramaturgie: Eva-Maria Müller
Bühne: Gerhard Kainzner
Kostüme: Andrea Bernd
Musik: Matthias Jakisić
Licht: Sabine Wiesenbauer

Wann & wo?
25. Jänner 2020; 19.30 Uhr
Theater Akzent
1040, Theresianumgasse 18
Karten Hotline: (01) 501 65/13306

Akzent -> Mein Ungeheuer

Events.at -> Mein Ungeheuer

Steudltenn

Hier geht's zu einer Hörspielversion ...

... des Stücks - mit Julia Gschnitzer & Peter Mitterrutzner. Felix Mitterer hatte "Mein Ungeheuer" übrigens ursprünglich als Hörspiel geschrieben.

Eine Theaterversion im "Theaterbrett" (2011)

Es spielten Ludvik Kavin und Nika Brettschneider