© Patrick_Labitzke

Kiku
01/16/2019

Satirische Kritik in vielen Fragen verpackt

Scharfe, tiefsinnige Wort- und Gedankenspiele beim Satirefestival in Schwechat.

von Heinz Wagner

Machen Menschen in den sozialen Netzwerken so viel Privates öffentlich, weil so viel Öffentliches privatisiert wird? Wort- und Gedankenspiele mit gesellschaftspolitischem Tiefgang kennzeichnen das Programm „Warum nicht?“ des eher zufällig zusammen gewürfelten Duos Uta Köbernick und Stefan Waghubinger. Sie, in Berlin geboren, lebt in der Schweiz; er, Oberösterreicher wohnt hauptsächlich in Deutschland – in Österreich und Bayern spielt er in seinem Dialekt, ansonsten Hochdeutsch. Beide sind vor allem als Solo-Künstler_innen bekannt und geben an, als sie gefragt wurden, ob sie gemeinsam auf der Bühne stehen möchten, geantwortet zu haben: „Warum nicht“?

Diese eher unaufgeregte Art durchzieht auch ihren inhaltsstarken, nie auf oberflächliche Gags ausgerichteten, gemeinsamen Abend. Wort- und Gedankenwitz sowie mitunter sehr schräge musikalische Kurzauftritte Köbernicks sind die Gewürze, die Lacher für ihre oft sehr grundsätzliche politische Kritik auslösen.

Das Thema Privatisierung sei auch der Ausgangspunkt für ihr gemeinsames Programm gewesen, sagt die Künstlerin nach dem ersten von vier Abenden beim Satirefestival im Theater Forum Schwechat. Und daran spinnt das Duo ein Gedankenspiel, das schon ein wenig die Absurdität bloß legt. Öffentliches gehört doch allen, wenn es verkauft wird und es alle kaufen könnten, würden sie ja nur was kaufen – Wohnungen, Straßen usw. -, das ihnen ja sozusagen schon gehört ;( Ach, es landet ja nicht bei allen, sondern bei ganz wenigen...

Von da drängt sich als nächstes die Frage von Demokratie versus Diktatur auf. Wann kippt eine Diktatur? Wenn es immer mehr Tyrannen gibt und die dann eines Tages die Mehrheit haben? Praktisch ihre gesamte satirische Kritik kleiden Köbernick und Waghubinger in Fragen, sie scheinen „nur“ Gedankenanstöße geben zu wollen. Dogmatismus in jeder Form nehmen sie in der vielleicht wunderbarsten Form aufs Korn, indem sie kurz vor der Pause abwechselnd Sätze aus der Bibel sowie dem ersten Band von Karl Marx‘ „Das Kapital“ zitieren.

Viel mehr sei hier nicht verraten, nur angedeutet: Köbernick „handyfoniert“ mit ihrer Geige, die sich beschwert, dass die Künstlerin auf ihr, dem alten Stück, einen der bekanntesten Handy-Klingeltöne spielt. Und Waghubinger erzählt ein mögliches traumatisches Kindheitserlebnis als er sich eine Jacke à la Captain Kirk wünscht und zu Weihnachten eine kratzige selbstgestrickte Wolljacke kriegt...

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Warum nicht?
Ein Abend aus Bruchstücken in einem Guss
von und mit Uta Köbernick und Stefan Waghubinger
Bis 18. Jänner 2019

Das Satirefestival selbst mit Auftritten von u.a. Gunkl, Angelika Niedetzky oder den Science Busters läuft bis 21. Februar 2019

Theater Forum Schwechat
2320, Ehrenbrunngasse 24
Telefon: (01) 707 82 72
karten@forumschwechat.com
www.forumschwechat.com
www.satirefestival.at

Follow @kikuheinz