Kiku
02/20/2019

Nils bei den Wildgänsen Yksi, Kaksi, Kolme (1, 2, 3)

Selma Lagerlöfs Entwicklungsroman "Nils Holgersson..." als dichtes einstündiges Stück im Theater Akzent Wien.

Was die Autorin Selma Lagerlöf vor mehr als 100 Jahren vor allem als Roman gedacht hatte, um Kindern schwedische Landeskunde zu vermitteln, hat sich längst internationalisiert: Die Geschichte von Nils Holgersson, der extrem verkleinert wird und mit den Gänsen nach Lappland fliegt. Die Geschichte ist nun – auf eine Stunde verdichtet - im Wiener Theater Akzent in vielen Schul- und einigen öffentlichen Aufführungen zu sehen. Hier beginnt sie mit Nils‘ Traum vom Fliegen, indem er mehrere papierene Flugzeuge über die Bühne jagt. Und in seiner eigenen Welt lebt, mit einem imaginären Freund (Fassung und Inszenierung: Claudia Bühlmann).

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Wer anderen eine Grube gräbt...

Lagerlöf hat in ihren Roman „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (1907 erschienen) neben den Geografie-Lektionen noch eine pädagogische Dimension verpackt. Der Jugendliche schikaniert ein Wichtelmännchen – und wird zur Strafe selbst zum „Däumling“. Winzig und leicht ist er nun mit Haus-Gänserich Martin vom eigenen Bauernhof unterwegs. Martin hegt schon lange Sehnsucht danach, mit den Wildgänsen weit zu fliegen. Das lebt er nun aus was auch Nils zugutekommt. Vielleicht, weil er sich nun wohlfühlt, schikaniert er niemanden mehr. Im Gegenteil, er hilft so manchen in Not geratenen Tieren. Obwohl angeboten, will er noch lange nicht nach Hause zurück. Dort schien er sich ja nicht gerade angenommen gefühlt zu haben. Die Eltern nörgel(t)en viel an ihm herum.

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Zentraler Handlungsstrang

Reduziert auf den zentralen Handlungsstrang wird der große Nils nur durch nun viel zu großes Gewand und einen Mega-Papierflieger zum „Winzling“. Damit müssen weder er noch die anderen Figuren ins Puppenspiel ausweichen. Mit Ausnahme von Nils (Florian Feik) schlüpfen alle anderen Schauspieler_innen - Jessica Lombardi, Laetitia Lang, Laura Zapata und Max Konrad – in eine Vielzahl von Rollen, ob Menschen oder Tiere – von Wildgänsen über Adler bis zu Fuchs und Bären. Nils‘ Mitgefühl lässt ihn – obwohl als Menschlein unter den Tieren nicht von Anfang an wohlgelittener Außenseiter – Freunde gewinnen. Auch deswegen drängt ihn lange nichts nach Hause – später dann doch.

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Vielfalt an Sprachfärbungen

An Lagerlöfs Landeskunde knüpft das Stück aber doch an, Nils bekommt anfangs von den Eltern aufgetragen zu lernen und beginnt im Geografie-Lehrbuch zu schmökern. Über Schweden hinaus reichen verschiedene Dialekt- und Akzentfärbungen der Sprache der Tierfamilien. So französelt die Ober-Wildgans Akka, eine weitere Wildgans, die durch hin- und herspringen zwischen links und rechts zu vielen wird, tragen finnische Namen für eins, zwei, drei (Yksi, Kaksi, Kolme).

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Tag der Muttersprache

Passt übrigens hervorragend zum Internationalen Tag der Muttersprache, den die UNESCO zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ für den 21. Februar erklärt hat. Begangen wird er seit dem Jahr 2000 – auf Antrag von Bangladesh – in Erinnerung daran, dass am 21. Februar 1952 pakistanische Polizei auf Demonstrant_innen in Dhaka (damals noch Ostpakistan) geschossen hat, die für das Recht auf ihre Sprache – Bengalisch – protestiert hatten. In der Folge kam es - erst 1971 – zur Gründung von Bangladesch. Der 21. Februar wird dort seitdem als Tag der Märtyrer begangen. Auf Antrag von Bangladesch wurde dieser Tag dann im November 1999 durch die UNESCO zum Internationalen Tag der Muttersprache erhoben.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Nils Holgersson und das Fliegen
frei nach Nils Holgersson von Selma Lagerlöf

Fassung und Inszenierung: Claudia Bühlmann
Nils: Florian Feik
Wildgans Yksi, Daunenfein, Bärenkind, Frau: Jessica Lombardi
Ober-Wildgans Akka, Hund: Laetitia Lang
Hausgans Martin, Gorgo, Mutter, Bärenkind: Laura Zapata
Fuchs, Bär, Vater, Mann: Max Konrad

Musik: Ben Hofer, Laetitia Lang, Max Konrad
Tierstimmen: Claudia Bühlmann, Dorothea Bauer, Florian Feik, Jessica Lombardi, Laura  Zapata, Laetitia Lang, Max Konrad, Peter Horvat

Tonaufnahmen und Bearbeitung: Peter Horvat
Filmherstellung: Wolfgang Herzel
Kostüme: Eszter Gulyás, Maria Suarez Ramos
Requisite: Karin Buchacher, Theresa Teschler
Regieassistenzen: Karin Buchacher, Theresa Teschler

Wann & wo?
Bis 2. März 2019
Theater Akzent: 1040, Theresianumgasse 18
Karten Hotline: (01) 501 65/13306

Theater Akzent

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