IN KleinFeldkirch können Kinder auch hämmern und andere handwerkliche Tätigkeiten ausüben

© Heinz Wagner

Kiku
09/05/2019

Kinder beschlossen die Schließung des Kasinos

Zum 13. Mal findet im Vorarlberger Feldkirch die dreiwöchige Kinderstadt im Alten Hallenbad statt.

von Heinz Wagner

Dort wo die Vorarlberger Stadt Feldkirch, die an die Schweiz und Liechtenstein angrenzt, an die Berge stößt, jenseits der Ill, steht knapp nach der Brücke auf dem Weg aus der Altstadt das Pförtnerhaus. Hier finden in der letzten Sommerferienwoche die Aufführungen des Kinder- und Jugendtheaterfestivals „luaga & losna“ (für nicht des Gsi-bergerischen Mächtigen: schauen und hören) statt. Und noch ein Stück weiter in Richtung Berge steht das „Alte Hallenbad“. Badebetrieb gibt’s hier schon längst nicht mehr. Das Stockwerk über dem ehemaligen Schwimmbecken, das es – ohne Wasser – immer noch gibt, ist (meist) die „Pool-Bar“ beheimatet. Derzeit aber, gehört das ganze ehemalige Bad – noch – den Kindern. KleinFeldkirch, die Spielstadt für Kinder, steigt zum 13. Mal. Alle zwei Jahre arbeiten und regieren Kinder hier. Die Währung heißt Lasuten. Den Begriff haben sich Kinder 1995, als diese Kinderstadt zum ersten Mal stattgefunden hat, erfunden. Ebenso, dass es neben ½, 1er, 2er, 5er, 10er und 33 ½-Scheine gibt.

Der Kinder-KURIER, der zum Theaterfestival eingeladen wurde, nutzte einen spielfreien Vormittag, um die Kinderstadt zu besuchen, hatten wir doch erst in der Woche davor laufend über die Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ berichtet.

Das Alte Hallenbad von außen ...

... für drei Wochen die Spielstadt für Kinder ...

... hier ist noch was davon zu sehen, was das Gebäude einmal war ...

Anmeldestation ...

AMS, wo die Jobs vergeb en werden ...

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Schlange bei der Bank ...

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... Bank von innen ...

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Gasthaus ...

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Eine privat betriebene Bar ...

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So schauen die Geldscheine hier aus ...

Studierende in der Uni ...

... beim Eingang zur Uni ...

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Wirtschaftskammer ...

... wo die Herstellerin ihre Blume selbst ersteht ...

Viel künstlerisches Handwerk

Linda (10) und Stefanie (12), letztere auch Stadträtin, erstere sogar Vizebürgermeisterin, führen den Reporter durch KleinFeldkirch. Bei der Anmeldung wird den Neuankommenden Kindern eine Art Pass, das Mitspielheft, ausgehändigt. Der Reporter bekommt auch eines, auch wenn er natürlich – wie alle über 12 Jahre – nicht mitspielen darf. Rauf geht’s in den 1. Stock. Dort finden sich viele handwerkliche Ateliers und Werkstätten: Von der Stoffmalerei über die Filzwerkstatt, Spenglerei, Tischlerei, Bäckerei, Schmuckwerkstatt, Kerzenfabrik, Nähatelier bis zum Friseur- und Kosmetikstudio und einer Apotheke.  Keine Angst, hier werden weder Medikamente verabreicht noch gebraut oder gemixt. „Hier kann man Badebomben machen“, erklären die beiden Guides, da die Apotheke gerade Pause macht.

Metall

Spannend ist vor allem das Arbeiten mit vielen echten Materialien. In der sogenannten Spenglerei klopfen gerade Annalena und Julia mit einem Nagel kleine Vertiefungen bis Löcher in eine Metallplatte. Es wird das Muster einer Blüte für eine Blume werden. Die eine hat mit Arbeiten dieser Art schon viel Erfahrung, „wir haben auch zu Hause eine Werkstatt“, für ihre Kollegin ist es eine Premiere. „Du musst ganz genau arbeiten, jeden Punkt genau neben den anderen setzen“, wird dem Reporter die Arbeit erklärt.

Mephew hat schon den runden Körper einer Dose geformt, nun schneidet er mit einer Blechschere den kreisrunden Boden aus. Betreut wird diese Station von drei Männern, die Meister ihres Faches sind – das war die Voraussetzung. Hans, Reinold und Florian kommen von der Großhammerzunft, „einem Zusammenschluss verschiedener Handwerke wie Schreiner, Spengler, Bäcker…“

Insektenhotel

In der Tischlerei treffen wir auf Ilias (12), der an etwas Kastenartigem nagelt. „Ich bau ein Insektenhotel. Das nehm ich dann mit nach Hause und bau Sachen mit Löchern rein, wo Insekten reinkriechen können. Ich will, dass sich Insekten, die bedroht sind, ein geschütztes Zuhause haben.“

Nebenan hat Katharina (9) eine schwarze Katze ausgesägt und die gleichaltrige Julien bemalt gerade den von ihr zuvor ausgesägten Mickey-Mouse-Kopf.

Geduldig

In der Papierwerkstatt fasziniert vor allem Valerie, die aus dünnen zusammengerollten Papierröhren, die sie flach drückt eine riesige Spirale baut. Fast in sich versunken arbeitet sie akribisch und geduldig vor sich hin und verrät dem Reporter: „Ich arbeite schon seit zwei Stunden daran. Wenn ich dann alles zusammen klebe, kann ich auch eine Schüssel daraus machen.“ An einem gleichen Stück arbeitet auch Pia.

Glitzernd

Ein paar Armreifen und einige Ohrringpaare hat Anna innerhalb einer Stunde in der Schmuckwerkstatt produziert. Eines der Armbänder – dank mit eingebauter Buchstaben-Holzteile offensichtlich für eine Zoe. „Das ist meine kleine Schwester.“ Ob alle Schmuckstücke Geschenke sind, will der KiKu wissen. „Ein Paar Ohrringe vielleicht für meine Mutter“, aber manches wird sie wohl auch selber tragen. Da ist sich die junge Designerin noch nicht so schlüssig. Bei der Gestaltung „hab ich einfach drauf los gebastelt“.

Kerzenfabrik

Im Kreis um eine runde Servierplatte mit sechs runden Dosen sitzen Maximilian, Christina, Anina und Aurelie. Von Zeit zu Zeit lassen sie lange Kerzen, die sie in Händen halten, in einen der runden Behälter hängen. „Da ist geschmolzenes Wachs drinnen“, erklären sie dem Reporter und dass die Platte mit den Dosen auf einem elektrischen Ofen steht. Und ziehen die nun um eine weitere Schicht angereicherte Kerze raus. Zur schnelleren Härtung gibt die eine oder der andere die Kerze kurz auch in einen Topf mit kaltem Wasser.

Nähatelier

Im Nähatelier schneidet Viola (11) ein quadratisches Stück Stoff von einer längeren Bahn ab. „Einen Teil hab ich schon, ich mach ein Kissen.“ Hannah (11) hat schon ein schlauchartiges Stück Stoff genäht, rafft es immer wieder zusammen und steckt ihre Finger in die Öffnung des Schlauchs. „Ich zieh einen Gummi raus. Das wird ein Haargummi“, erläutert sie ihre Arbeit.

In der Bäckerei ...

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... auf dem Weg zum Verkauf

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In der Spenglerei ...

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In der Tischlerei ...

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Kerzenfabrik ...

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Arbeiten mit Papier ...

Filzen ...

Schmuckproduktion ...

Im Nähatelier...

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Arbeiten mit Salzteil und anderen Naturmaterialien ...

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Malstation ...

Bildhauerei - mit Speckstein ...

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Privat-Bar

Im ersten Stock treffen wir auch noch auf die private Bar. Matteo, Simon, Luca, Catalin und ein weiterer Matteo sind am Verkaufen von kleinen Chips-Stücken in Bechern und Getränken. Weitere Kinder gehören zum Team des privaten Bar-Gewerbes. Mit Taschengeld oder Euro von den Eltern haben sie im Supermarkt eingekauft und verkaufen hier nun für die schon oben genannten Lasuten.

Fünf davon sind der Bruttolohn für eine Stunde. Die Bank – bei der wir übrigens die längste Schlange sehen - zahlt dann für den Lohnzettel jeweils 4 Lasuten Stundenlohn aus – einer geht als Steuer an die Stadtkassa.

32 verschiedene Jobs, 200 Arbeitsplätze

In unmittelbarer Nähe findet sich auch das Arbeitsmarktservice. 32 verschiedene Jobs gibt’s in der Kinderstadt, erfahren wir hier und insgesamt rund 200 Arbeitsplätze. Im Moment unseres Besuchs hier „sind gerade 12 Jobs frei“. Auf die Frage nach den beliebtesten Jobs, kriegen wir die Auskunft: „Bäckerei, Bank und Friseur. Da darf man nur eine Stunde arbeiten, bei den anderen so lang man will.“

Die Bank liegt gegenüber dem Kinderstadt-Rathaus und gleich neben der Bank findet sich das Gasthaus, bei dem es an diesem Tag Nudeln und Gemüse gibt.

Uni und Wirtschaftskammer

Im Erdgeschoß sind angrenzend an das Alte Hallenbad große Zelte aufgestellt. Eines beherbergt die Universität wo gerade lesen, malen und spielen studiert wird. Davor liefern Kinder bei der Wirtschaftskammer und dem Laden in ihren Stationen Produziertes ab, das verkauft werden kann. Manche kaufen auch die eben hergestellten Dinge selbst.

Vor dem alten Schwimmbecken findet sich noch eine Kreativstation – pro Natura. Mit Naturmaterialien arbeiten gerade Seline, Julia und Franka. Aus Salzteig formen sie Gegenstände und verzieren sie mit Blättern, Rinden- und anderen Baumstücken.

Die Zeitungsredaktion ist gerade nicht besetzt, „aber es kommt jeden Tag eine Zeitung“, erklären uns die Kinderstadt-Guides und händigen uns das Exemplar vom Vortag aus.

Stadträtinnen Linda (auch Vizebürgermeisterin) und Stefanie, die auch den KiKu durch die Stadt führten ...

... Liste der Stadträt_innen und ihrer Zuständigkeiten

Bürgermeister Arda...

Wand für Werbung, auch politische ...

Politik

Gewählt wird in KleinFeldkirch – wie in der Urmutter der Kinderstädte in Mini-München oder auch in Mini-Salzburg, das ebenfalls alle zwei Jahre drei Wochen dauert, – einmal in der Woche. Im Wiener „Rein ins Rathaus“, das nur eine Woche dauert, wählen die Kinder täglich ihre Regierung. In Wien, das im Gegensatz zu KleinFeldkrich gratis ist, sind Kinder mit dem Eintritt in die Kinderstadt wahlberechtigt. Hier erst, wenn sie vier Stunden studiert und ebenso lange gearbeitet haben. Gewählt wird die Bürgermeisterin/der Bürgermeister sowie fünf Stadträt_innen – alle gekennzeichnet durch bunte gebastelte Schärpen.

Gerichtsverhandlung

Stefanie kümmert sich, wie sie dem Kinder-KURIER berichtet, in ihrem Bereich Soziales vor allem um Konfliktfälle. „Einmal gab es einen Diebstahl einer Mütze beim Theater. Da hab ich dann gefragt, ob das stimmt und es war so. Es hat dann eine Gerichtsverhandlung gegeben. Der Täter hat Sozialstunden machen müssen – putzen und eine Strafe von 50 Lasuten zahlen müssen.“

Linda, die Vizebürgermeisterin und für Wirtschaft und Finanzen zuständig, „hab was bei der Wirtschaftskammer regeln müssen, weil Sachen, die reserviert waren, an andere verkauft worden sind. Und ich wollte auch, dass man nicht vier, sondern nur zwei oder drei Stunden studieren muss, um Feld*bürgerin zu werden. Aber das ist (noch) nicht beschlossen worden“.

Volksabstimmungen und -befragungen

Bürgermeister Arda (11), der schon vor zwei Jahren auch Politiker war, schätzt, seine Wahl dem Versprechen zu verdanken, „dass es Volksbefragungen und Volksabstimmungen gibt“. Eine solche gab es dann auch, berichtet er auf Nachfrage. „Wir haben die Bürgerinnen und Bürger gefragt, ob das Kasino bleiben soll. Es hat Probleme gegeben, weil die Bank pleite war, Löhne nicht mehr ausgezahlt werden konnten und vielen Eltern hat es auch nicht gefallen, dass schon kleine Kinder ans Glücksspiel gewöhnt werden.“

Glücklich ist er als Person nicht mit der Entscheidung, „weil das Freunde von mir betreiben haben, die auch viel investiert haben und sie haben ja auch viel Steuern bezahlt“. Offenbar aber nicht genug, wie er ja zuvor dargelegt hatte.

Es gab aber noch einen zweiten Volksentscheid, berichtet Bürgermeister Arda: „Wir haben als KleinFeldkrich den Klimanotstand ausgerufen, weil die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger das wollte.“ An Maßnahmen habe die Stadtregierung alle freien Gewerbe gebeten, keine eigenen gekauften Plastikbecher mitzubringen, sondern die wiederverwendbaren aus dem Gasthaus auszuborgen.

Kinder-Stadtrat kommt für das „große“ Feldkirch

Er selbst „interessiere mich sehr für Politik und möchte mich auch bewerben für den Kinder-Stadtrat von Groß-Feldkirch“. Die Stadt bereitet für den Herbst über die Schulen die Wahl eines Art beratenden Gremiums der gewählten Feldkircher Stadtvertretung vor, die in Kinder betreffenden Fragen zu Rate gezogen werden soll.

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