Kiku
29.05.2018

Humorvoller Ritt durch die 8-er Jahre der Geschichte

© Bild: Pablo Leiva

"Um zwei beginnt die Revolution" von Theater ANSICHT im Dschungel Wien: Moderne Zirkus-Performance

Geschichte und Politik als knapp einstündiger inszenierter streckenweise sehr humorvoller, entlarvender Zirkus mit erschreckend interaktivem Anteil und einem ein wenig zu lehrmeisterlichem Schluss – das bietet die Performance „Um zwei beginnt die Revolution“ von Theater Ansicht derzeit im Dschungel Wien.

Der große Saal ist noch leergeräumt, keine Publikumstribüne, die Zuschauer_innen stehen, gehen, an manchen Stellen sitzen sie auch – und befinden sich damit meist auf Augenhöhe mit den Darsteller_innen. Hin und wieder erklimmen letztere Podeste, die an Laufstege erinnern oder einmal gar die Galerie. Die 8-er Jahre haben sie sich auserkoren, um über Wende- und Knackpunkte der Geschichte zu spielen – ab 1848. Wie in späterer Folge wird dem Wortwitz gefrönt – Acht Schätze, Achterbahngefühle...

Begonnen wird mit der Huldigung einer Königin und folgenden Aufständen gegen die absolute Herrschaft. In Frage gestellt wird aber auch das Blutvergießen im Kampf gegen die Herrschaft – zumindest hier. Immer wieder wird an Wendepunkten der Gegensatz von Macht und Ohnmacht spielerisch in Szene gesetzt, werden Parallelen sichtbar gemacht.

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© Bild: Pablo Leiva

Heftiges Geballer

Wahrhaft zirkusmäßig inszeniert mit wehenden roten Fahnen wird die russische Oktoberrevolution, wenngleich sie schon 1917 stattfand, wird sie Teil der 8er-Schleifen. „Komm und is Mus mit uns“ kontra „die Faschierten“ - manchmal wirken die häufig zum Einsatz kommenden Wortspiele doch ein wenig krampfhaft. Und die Geschichte ein bisschen zu scheinbar neutral, als wären alle Seiten eines Konflikts gleichermaßen schuldig.

Der Kampf zwischen Faschismus auf der einen Seite und den Gegner dieses menschenvernichtenden Systems auf der anderen Seite wird auf die Auseinandersetzung mit der Sowjetunion beschränkt. Lustvoll werden hier auch Jonglierbälle so gegenseitig aufeinander geschossen, dass auch bald viele aus dem Publikum sich aufgefordert fühlen, mit zu ballern – wahllos. Heftig, was da abgeht. Leider ohne Phase zur (vielleicht auch späteren) Reflexion des eben an den Tag gelegten Verhaltens.

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© Bild: Pablo Leiva

Klimawandel

Der Tod des Eisbären, der als Art Running Gag durch die unterschiedlichsten historischen Epochen auftaucht, thematisiert natürlich den Klimawandel, die aktuelle Zeit, in der es an (uns) allen liegt, die drohende Katastrophe zu verhindern. Das allerdings wird am Ende der 70 Minuten leider ein wenig zu stark mit erhobenem Zeigefinger einzutrichtern versucht.

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© Bild: Pablo Leiva

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Um zwei beginnt die Revolution
Theater ANSICHT
Bewegungstheater zwischen „Neuem Zirkus“ und Performance
Ab 9 J., 70 Minuten

Darsteller_innen:
Lena Balogh und Lisa Palden: Die Zwillinge, die Faschierten, Gir & Ly
Maja Karolina Franke: Königin, Dulce
Till Frühwald: Kapitalist, Zirkusdirektor
Melvin Kremser: Äffchen
Franka Mascha und Irina Plessing: Pussy und Riot
Sophie Resch: Pierre, Max
Arno Uhl: Eisbär

Regie, Choreografie: Christina Rauchbauer
Musik: Julia Meinx
Text: Flo Staffelmayr
Bühne und Kostüm: Anne-Sophie Raemy
Bühnenbau: Vincent Hendus​​​​​​​

Produktion: Agnes Zenker

Wann & wo?
Bis 30. Mai 2018
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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