Kiku
25.11.2018

Freundschaftliche Hilfe trotz allem

„Der Wind in den Weiden“, Kinder- und Familienstück des Burgtheaters plädiert für Zusammenhalt.

Der Maulwurf, wagt sich vor allem aus Frust über den langweiligen Frühjahrsputz aus seinem unterirdischen verzweigten Bau nach oben und beginnt Schritt für Schritt die Welt zu erkunden. Am Fluss trifft er auf die Wasserratte und lässt sich mit der auf die Bootfahrt ein, will aber wissen was da hinten ist – der Wald. Vor dem warnt die Wasserratte, lässt sich aber dann doch auf die Abenteuerwanderung dorthin ein. Immerhin gäbe es dort den vertrauenswürdigen Dachs.

Nunmehr als Freundestrio begegnen sie dem fidelen, überschwänglichem, protzigen, leichtsinnigen Kröterich, einem Freund von mechanischen Geschwindigkeiten – Motorbooten und Autos.

 

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Tierisch-menschliche Abenteuer

Soweit die Ausgangssituation von „Der Wind in den Weiden“. Die auf dem Kinderroman von Kenneth Grahame aus 1908 basierende Geschichte ist das diesjährige Kinder- und Familienstück des Burgtheaters in der Spielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz (Regie: Alexander Wiegold).

Eine junge, sehr überzeugende Erzählerin (Marta Kizyma) mit Kuscheltier ist vielleicht ein Anklang an den schottischen Autor, der sich die einzelnen tierischen/menschlichen Abenteuer als Geschichten für seinen damals vierjährigen Sohn ausgedacht hat.

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Gefahren

Immer wieder bringt der Kröterich sich und seine Freunde in missliche Situationen, Gefahren – Unfälle. Und trotzdem oder deswegen wollen die drei Freunde den neuen Gefährten „zur Vernunft“ bringen – mehreren vergeblichen Versuchen zum Trotz. Für ihn zählt nur er selbst und sein Vergnügen an der Gefahr. Daran ändert auch eine Haftstrafe nichts. Erst als dessen Palast von den Wieseln und Mardern besetzt wird, lässt er sich – durch eine List ausgebrochen - doch irgendwie auf eine Zusammenarbeit auf gleicher Ebene ein. Statt wie im Roman bewaffnet, erfolgt in der Burg-Version die Rückeroberung der Burg durch eine List.

 

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Gratwanderung

Neben der schon erwähnten überzeugenden, unaufgeregten Erzählerin, sticht fast natürlich der Kröterich-Darsteller Simon Jensen durch seine bunte, schrille Selbstdarstellung aus dem Ensemble hervor. Er schafft auch die Gratwanderung zwischen Zustimmung und Ablehnung, als das (junge) Publikum bei der Premiere auf die Frage, ob ihm nach mehreren Enttäuschungen noch einmal geholfen werden soll, je rund zur Hälfte ja bzw. nein ruft.

Martin Vischer als Maulwurf, Sven Dolinski (Wasserratte) und Marcus Kiepe als Dachs sind ein harmonisches Team, jeder die Facette seiner Figur ausspielend. Dazu gesellen sich die wandlungsfähige Elisabeth Augustin in mehreren Nebenrollen sowie Enrico Riethmüller, der als Fischotter für Lachstürme sorgt, wenn er beim Sprechen gleichzeitig fast Wasserfälle aus seinem Mund rinnen lässt.

Anklänge an die Comic- und Zeichentrickversionen des Romans liefern weitere Nebenfiguren (die Menschen) mit riesigen aufgesetzten Comic-Köpfen (Kostüme: DeviSaha Vanessa; Bühne. Eder-Messutat, Alexander Wiegold)– von der feinen Dame im Sportwagen über Anwalt/Kerkermeister (Stefan Kuk), Kellner/Polizist (Felix Erdmann) bis zur Waschfrau (Anna Kiesewetter).

Trotz Pause ist die zweistündige Aufführung der mehrfach illustrierten, verfilmten, vertonten vor 110 Jahren erstmals veröffentlichten Geschichte von Kenneth im Kasino am Schwarzenbergplatz vielleicht doch etwas zu lang geraten.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Der Wind in den Weiden
Kenneth Grahame
ab 6 Jahren

Besetzung:
Maulwurf: Martin Vischer
Wasserratte: Sven Dolinski
Kröterich: Simon Jensen
Dachs: Marcus Kiepe
Das Mädchen: Marta Kizyma
Adelheid / Dame mit Auto / Richterin / Lokführer / Oberwiesel: Elisabeth Augustin
Fischotter / Staatsanwalt: Enrico Riethmüller
Anwalt / Kerkermeister: Stefan Kuk
Kellner / Polizist: Felix Erdmann
Waschfrau: Anna Kiesewetter
Kaninchen / Wiesel / Polizisten: Felix Erdmann, Anna Kiesewetter, Stefan Kuk, Enrico Riethmüller

Regie-Team
Regie: Alexander Wiegold
Bühne: Vanessa Eder-Messutat, Alexander Wiegold
Illustrationen: Vanessa Eder-Messutat
Kostüme: Devi Saha
Video: Markus Lubej
Sounddesign: Alexander Nefzger
Licht: Norbert Gottwald
Dramaturgie: Claudia Kaufmann-Freßner

Wann & wo?
Bis 30. Dezember 2018
Burgtheater, Spielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz: 1010, Am Schwarzenbergplatz 1
Telefon: (01) 514 44-4140
Burg/WindindenWeiden

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