Kiku
04/05/2019

Eine Stunde herzhaftes Lachen über eine (Zirkus-)Familie

„Das Ereignis“: neun Schauspiel-Studierende liefern eine Komödie auf Zusammenleben auf engem Raum.

Eine wunderbare, sehr witzige bunte, spielfreudige Stunde beschert „Das Ereignis“. Häufiges herzhaftes Lachen ist unumgänglich. Schräge Geschwister - unterschiedlichster Persönlichkeiten streiten, wer kochen, putzen und was auch immer übernehmen soll/will. In der nächsten Sekunde sind sie - fast - ein Herz und eine Seele. Und dann doch wieder nicht.

Acht Darsteller_innen live plus einer im Video schlüpfen in die Rollen der großen Familie. Acht davon sind Geschwister, eine stößt später als Cousine dazu. Wird aber nicht gerade willkommen geheißen, eher wie in einer Klasse, die die Neue so gar nicht wirklich aufnehmen will.

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Eltern waren Clowns

Alle Charaktere sind zwar irgendwie schräg, was sie damit „erklären“, dass ihre verstorbenen Eltern Zirkus-Clowns waren, aber doch gänzlich unterschiedlich. Da ist Regina, die anbietet, statt Putzdienste zu übernehmen, Geschichten zu erzählen. Raff, der nicht so besonders sportlich daherkommt, hängt dem Traum nach, Fußballprofi zu werden und Günther hat fast nur im Kopf, sich um sein Huhn namens Oskar zu kümmern. Und Magali notiert und notiert alles.

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Vor und im Wohnwagen

Die Stunde spielt sich vor einem herrlichen Bühnenbild ab: Ein auf eine hochgezogene Teppich-Boden-Wand digital projizierter Wohnwagen - im Stil einer von Kindern mit der Maus am Computer gezeichnet. Und immer wieder dürfen wir ins Innere der gemeinsamen, dich belegten Zirkusbehausung schauen - in Form von Videos.

Ach ja, Zirkus: Lucky, der eigentlich nicht der älteste Bruder sein will, hat einem Veranstalter zugesagt, einen Auftritt zu übernehmen, den noch seinerzeit die Eltern zugesagt hatten. Aber was tun? Welche Nummer einstudieren? Und das obendrein noch gemeinsam?! Hier fällt der wunderbare Satz: „Eine schreckliche Vorstellung, eine Vorstellung zu spielen, ohne irgendeine Vorstellung davon zu haben...“ Jede Probe ein clowneskes Stück auf eigene Art.

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Schauspiel-Studierende

Die Darsteller_innen studieren im 3. Jahrgangs des Schauspielstudiums der Musik- und Kunst-Privatuni der Stadt Wien. Bei der Konzeption des lustvollen, anarchischen Stücks, das vor allem in Improvisationen entstanden ist, wurde berücksichtigt, dass nicht alle das gesamte Studienjahr in Wien verbringen. Der Erik-Darsteller, der immer „morgen kommt“, verbringt nun ein Semester im Rahmen eines Erasmus-Austausches in der Schweiz - ihn sehen wir ausschließlich im Video. Und die später auftauchende Cousine Erika studierte im ersten Semester - ebenfalls im Rahmen von Erasmus - in Kroatien.

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So manches kommt bekannt vor ...

So überdreht die Figuren agieren, so manches von ihren Verhaltensweisen kommt wohl bekannt vor - von schon genannten Beispielen bis dahin, dass manche ständig in den Mittelpunkt dränge, andere gern fast alle Aufgaben übernehmen usw. Und so kann das Stück, auch wenn es nie und nimmer pädagogisch daherkommt, vielleicht gerade auch so manche Diskussion über Klassengemeinschaft und den Umgang innerhalb einer solchen auslösen.

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Begeisterung

Und so „nebenbei“ vermittelt „Das Ereignis“ aber auch eine Haltung, die nicht zuletzt André Stern in seinem jüngst erschienenen Buch „Begeisterung“ transportiert: In Kindern steckt so viel Weisheit, Kreativität und eben Begeisterung. Sie brauchen Eltern, die sie lieben, an sie glauben und sie so nehmen, wie sie sind und nicht in eine Richtung drängen wollen. Von einer solchen Basis aus, sind Kinder stark genug, ihre jeweils eigenen Wege zu suchen, finden und gehen.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Das Ereignis
Schauspiel (auf der Bühne und im Film)
eine Stunde, ab 12 J.
Ein Projekt des Studiengangs Schauspiel der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien in Kooperation mit Dschungel Wien

Buch: Karin Koller
Regie: Susi Stach, Karin Koller

Darsteller_innen:
Werner: Felix Erdmann
Erik (nur im Video): Jonas Goltz
Regina: Helena Gossmann
Magali: Zelal Kapcik
Mia: Anna Kiesewetter
Günther: Stefan Kuk
Lucky: Tobias Resch
Raff: Enrico Riethmüller
Erika: Helena Charlotte Sigal

Bühne, Kostüm: Elisabeth Binder-Neururer
Kamera, Schnitt: Jan Zischka

Wann & wo?
Bis 11. April 2019 sowie
12. bis 15. Juni 2019
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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