Kiku
30.04.2018

Drei Abende lang gehört Jugendlichen die Theater-der-Jugend-Bühne

„Wir sind viele“ und „Zeitzeugen“, Stücke der beiden Spielklubs des Theaters der Jugend. Probenbesuch des Kinder-KURIER.

Vom anfangs neutralen, gleich gewandetem Schwarz in bunte Kleidung, die auch auf einige Entfernung die Unterschiedlichkeit äußerlich zum Ausdruck bringt – das verbindet die diesjährigen Aufführungen der beiden Spielklubs des Theaters der Jugend. Gespielt wird rund ums erste Mai-Wochenende im kleineren der beiden Häuser, dem Theater im Zentrum. Der Kinder-KURIER durfte bei einer Bühnen-Probe zuschauen.

Verschieden sein, unterschiedliche Meinungen vertreten, gegensätzliche Haltungen haben, die sich durchaus auch im Outfit wiederspiegeln können – das ist der Themenkreis von „Wir sind viele“ wie das Stück eines der beiden Spielklubs heißt. Vor sieben weißen Papierwänden tragen die sieben Mädchen ihre Meinungsverschiedenheiten aus – auf unterschiedliche Art vom Diskutieren bis zum Mobben. Von einer schüchternen bigotten Kirchenmaus bis zur fremdenfeindlichen Hasserin, von einer selbstmordgefährdeten „sch...-drauf“-Gruftie bis zur notorischen Helferin („ich bin viele“) spannt sich der Bogen der Figuren. Handlung und Charaktere wurden von den Teilnehmerinnen des Spielklubs gemeinsam mit ihren Leiterinnen erarbeitet.

Johanna Buschbacher beispielsweise schlüpfte in die Rolle der „Ausländer-Raus!“ Schrei(b)erin. „Ich wollte einmal das Gegenteil von dem spielen, was ich selber denke“ freut sie sich über diese neuartige Erfahrung.

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Wandel und Konstante

Im Stück „Zeitzeugen“ wird eingangs über Zeit, Welt und Menschheit philosophiert bevor es anschließend Zeitsprünge in verschiedene Epochen gibt: Szenen illustrieren die Nazizeit, den ungarischen Aufstand 1956, den Kampf einer jungen Frau um Gleichberechtigung im Tirol des Jahres 1964, Demonstrationen gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf in der zweiten Hälfte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Epoche knapp bevor die Berliner Mauer fiel (1989) und eine Ehetrennung samt Scheidungskind knapp vor dem Jahrtausendwechsel. Persönliche Schicksale in den genannten Epochen werden von den 1 Jugendlichen gespielt, passende Musik ertönen aus dem Off. Nur bei der Berliner Szene schlüpft eine der Teilnehmer_innen auch in die Rolle der Nena, deren „nur geträumt“ zu vernehmen ist.

So viel sich auch mit der Zeit verändert, (fast) unerschütterlich bleibt er im Zentrum der Bühne stehen – ein weißer Baum aus Karton – „ihm“ gehört auch das Schlusswort: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch hier stehen werde, was ich noch sehen, spüren und denken werde. Doch ich werde warten und sehen, was die Zeit mir bringt.“

Überzeugend und mit viel Power spielen alle der beteiligten Jugendlichen – und lassen auch Humor nicht vermissen trotz tiefgründiger, ernster Themen.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Zeitzeugen
Wir sind viele

Zwei Performances der Theaterspielklubs des Theaters der Jugend

Zeitzeugen:
Moni: Amelie Wolf
Ildiko/Nena: Andrea Both
Uschi/Stefan: Annabel herzog
Großmutter/Gitarrist: Daniel Strömmer
Trude: Fiona Madeleine Becker
Johann/Pfarrer: Florian Posch
Angelika: Iris Labres
Annegret/Gudrun: Julie Ramharter
Gertrude: Lucia Haug
Joseph: Niklas Aichberger
Horst/Michael: Paul Mangold
Franz: Simon Jung
Levi/Sportreporter: Tim Kirnbauer

Spielleitung, Regie, Konzept: Lisa Brameshuber
Hospitanz: Stephanie Zimmermann

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Wir sind viele:
Eva-Maria: Anna Khoudorormova
Flora: Chiara Höffinger
Ulrike: Johanna Buschbacher
Xenia: Lisa Schmidt-Schmid
Marina: Maja Milenkovski
Kuskus: Maria Kloucek
Iris: Sophie Pichler

Spielleitung, Regie, Konzept: Barbara Rottensteiner Comploi
Assistenz, Konzept-Mitarbeit: Julia Weingartner

Wann & wo?

4./7./8. Mai 2018, 19.30 Uhr
Theater im Zentrum: 1010, Liliengasse 3

Telefon: (01) 521 10-0
www.tdj.at

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