Harfenistin Anja Pichler

© Heinz Wagner

Kiku
01/16/2020

„Dann hat der Papa mir eben eine Harfe gebaut“

Anja Pichler Harfenistin und Consulterin in einem internationalen Unternehmen über ihre musikalische Leidenschaft.

von Heinz Wagner

Anja Pichler entlockt ihrer Harfe die mitunter unglaublichsten Gewitterstürme neben sanfter Untermalung und Begleitung.“ Das schrieb der (Kinder-)KURIER über den Auftritt der Harfenistin auf der Bühne des Theaters Akzent (Wien) bei Nestroys Stück „Frühere Verhältnisse“ in der Regie von Hubsi Kramar. Nach der Premiere erzählte die Musikerin, dass sie mit 8 Jahren die Liebe zu diesem Instrument entdeckte und ihr Vater, weil sie so klein war, extra dafür eine baute. Da war klar: Das ist eine eigene Story.Also auf nach Thernberg in Niederösterreich wo die Familie wohnt. (Der kleine Ort in der buckligen Welt kam vor rund 50 Jahren bei der damaligen Gemeindezusammenlegung zu Scheiblingkirchen.) Im Thernberger – 40 Jahre leergestandenen, reaktivierten – Gasthaus Huber treffen wir (KiKu und schauTV) die Harfenistin und ihre Eltern in der Zirbenstube.

Sofort viel Spaß gemacht

„Eine Bekannte hab ich damals spielen gehört, ich durfte dann auf ihrer Harfe probieren, es hat mir gleich viel Spaß gemacht und so wollte ich dieses Instrument spielen“, schildert die 22-jährige Anja Pichler. Davor durften wir ihrem Spiel aus dem Lied „The little Fountain“ des US-Amerikaners Samuel O. Pratt lauschen.Ja und da Anja nicht nur erst 8, sondern auch lange Zeit für ihr Alter recht klein war - „ich bin recht spät gewachsen, zum Beispiel erst im Vorjahr ein beachtliches Stück - und auch die Bekannte auf einer Harfe gespielt hat, die für sie gebaut wurde, hat mir mein Papa selber eine gemacht.“

Überraschungs-Urlaub

Josef Pichler schildert, wie er dazu kam: „Eines Tages kam ich von der Arbeit, lag da auf dem Tisch ein Zettel von meiner Frau, dass sie mir einen viertägigen Urlaub schenkt – in Gmunden am See. Da hab ich mich zuerst einmal natürlich riesig gefreut.“ Dann stellte sich im Gespräch mit Ehefrau Christa heraus, dass der Urlaub einen „Haken“ hat, es handelte sich um einen Harfenbau-Kurs für eine „böhmische Hakenharfe“.„Es war mein schönster Urlaub. Als Junger habe ich eine Tischlerlehre gemacht und diesen Beruf bis zur Gesellenprüfung ausgeübt. Danach wurde ich im zweiten Bildungsweg Manager, liebe aber nach wie vor Holz und mit eigenen Händen was zu schaffen.

Außerdem waren wir eine Gruppe von 13 Leuten, die alle an den Instrumenten gebaut haben, wobei manche Teile schon virgefertigt waren und wir sie nur mehr bearbeitet und zusammengebaut haben. Es gab einen schönen Zusammenhalt der Gruppe. Abends sind wir zusammengesessen, haben Stubenmusik gemacht und gesungen. Meine Beziehung zu meiner Tochter ist dadurch dass ich ihre Harfe selber gebaut habe, sicher noch intensiver geworden. Und die Beziehung von ihr zu ihrem Instrument sicher auch.“

Schon bald Bewerbe

Zurück zur Harfenistin, die natürlich schon lange nicht mehr auf der kleinen, sondern auf einer Volksharfe (mittelgroß) und einer großen Konzertharfe spielt. Sie bleib bei ihrer Liebe, schon keine drei Jahre später spielte sie bei Bewerben. „Da war klar, du bereitest dich intensiv darauf vor, für mich gab's ab da dann eben Schule und Harfe. Ich hab immer den Ehrgeiz gehabt. Ich hab dann auch begonnen, in Orchestern zu spielen, hatte immer wieder aber auch Solo-Auftritte. Der größte war sicher beim Preisträger-Konzert von Prima la Musica in St. Pölten. Aus mehr als 1000 Unter-17-Jährigen wurde ich ausgewählt, ein Solo zu spielen!“

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Solo und Orchester

„Lieber Solo oder im Orchester spielen?“ Auf diese Frage sagt Anja Pichler: „Das ist ganz verschieden, ich liebe beides. Beim Solo hört mir jeder zu, ich kann und muss mich absolut auf mein Spiel fokussieren. Am Orchester liebe ich, dass da einfach so viele Makro- und Mikroteile sind und das zusammen so ein wunderbares Klangwerk ergibt. Davon Teil sein zu dürfen, ist wunderbar.“

Anja Picherl spielt auf der Harfe, ihre Schwester Karin auf der Gitarre

Video von Johann Lechner

Und dann doch was anderes

Als sie maturiert hatte, stand die Frage: Aufnahmsprüfung auf der Musikuni Wien – oder? „Ich hatte schon bei Wettbewerben Erfolge, Harfe macht mir extrem viel Spaß, ich war an der Spitze mit dabei. Aber ich liebe auch Sprachen und Reisen und wollte so viele Bereiche im Leben ausprobieren und in die Tiefe gehen. Mit der Harfe hab ich schon so großartige Sachen erleben dürfen und ich wollte auch noch was anderes machen. Deswegen hab ich internationale Wirtschaft studiert mit den Sprachen – Englisch, Französisch und ein bisserl Russisch.“ Während des Studiums war sie ein Auslandssemester im australischen Sydney. Heute ist sie Consulter in einer globalen IT-Unternehmensberatung.

Thernberger Saitenklang

Christa Pichler, Anjas Mutter ist Amtsvorständin und vertritt Minderjährige rechtlich beim Land Niederösterreich. Sie „war überzeugt, dass meinem Mann dieser Urlaub sicher gefallen wird“, beantwortet sie die Frage nach dem Geschenkgutschein. So gut hab ich ihn schon gekannt. Er war total begeistert - wie andere von einem Wellness-Urlaub.“
Sie selbst spielt „nicht mehr so oft, aber jedenfalls immer zu Weihnachten, Zither. Die jüngere Tochter, Karin spielt dann Gitarre. Sie spielt auch Klavier. Wir sind eine musikalische Familie, mein Mann singt auch gern. Der große Traum von uns drei Damen im Haus wäre, dass unser Thernberger Saitenklang noch ergänzt würde um eine Bassgeige (Kontrabass). Wer weiß, vielleicht schicken wir den Josef ja noch einmal auf einen Instrumetenbau-Kurs.“

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Hier der Beitrag auf schauTV

gedreht von Wolfgang Semlitsch

Harfe und Orgel
Konzert zur Passion
29. März 2020, 16 Uhr
NÖ: Pfarrkirche Grimmenstein

Philharmonisches Orchester der Universität Wien
Mahler 2
31. März 2020, 19.30 Uhr
Wien, Musikverein Goldener Saal