© A. Kawka

Kiku
12/15/2018

Bewegter, bewegender "Ausstellungs"-Besuch

„Tanz Museum“: Interaktive begehbare Installation mit Animation im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

In den meisten Museen heißt’s mehr oder minder „nur mit den Augen schauen“, in Kindermuseen „hands on!“, also die ausgestellten Objekte als Beispiele für das jeweilige Thema be-greifen –mit allen möglichen Sinnen. Nun gibt es auch ein „Tanz Museum“ – keine ständige Einrichtung, sondern (vorläufig) nur an einigen Tagen als „interaktive begehbare Installation mit Animation“ vom VRUM Performing Arts Collective.

Und hier geht’s wirklich interaktiv im wahrsten Sinn des Wortes zu. Kein äußerer zwang, aber selbst Kinder, und vor allem Erwachsene, die der ganzen Sache zu Beginn vielleicht skeptisch gegenüberstehen, fühlen sich bald hingerissen, mitzumachen. Zumindest bei jenem Durchgang dem der Kinder-KURIER beiwohnen durfte. Und jeder der knapp mehr als ¾-stündigen Tanz-Museums-Ausgaben (derzeit im Dschungel Wien) ist und wird anders verlaufen.

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Sich einlassen

Das Publikum – das vom Konzept her auf jeweils ca. 35 Leute begrenzt sein muss – sieht sich mit unterschiedlichen Arten von (Tanz-)Bewegungen konfrontiert, tritt in Interaktion mit dem Tanzduo Sanja Tropp Frühwald und Till Frühwald, die auch maßgeblich am Konzept und der Projektentwicklung mit beteiligt waren, und miteinander. Von verschiedenen Begrüßungs- und Annäherungsbewegungen bis zu Elementen zeitgenössischen Tanzes. Bei letzterem, einer Station gegen Ende der Installation meinte beim KiKu-Besuch ein junges Mädchen zunächst: „das ist ja richtiger Blödsinn“, um sich wenige Minuten später auf das Spiel mit der Bewegung mit dem ganzen Körper einzulassen und über den Tanzboden zu rollen.

Nach den ersten völlig freien Bewegungen zur gegenseitigen Begrüßung, folgt ein Abschnitt mit Animation durch das professionelle Tanzduo, das doppelt auftritt – einmal im Video und ein zweites Mal live im Wechselspielt mit den projizierten bewegten Bildern... – bis sich die Besucher_innen davon animieren lassen, selbst ebenfalls zu tanzen.

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Ahnung wie's bei modernen Profis zugeht

In einem weiteren Abschnitt kriegt jede und jeder Kopfhörer samt Bewegungsvorschlägen. Und obwohl die für alle gleich sind, ergibt sich keine militärische Formation. Jede und jeder setzt das für sich selber um. So vollführen die einen beim „im Kreis laufen“ kleine Kreise praktisch auf dem eigenen Standplatz, andere drehen große Runden durch den ganzen Raum. Ohne es an- oder auszusprechen wird hier ganz „nebenbei“ vermittelt wie moderne Choreograf_innen oft gerne arbeiten: Sie geben ihren Tänzer_innen nicht genau Schritt für Schritt vor, sondern eine Idee, vielleicht ein Bild, einen Gedanken und die Tanzenden improvisieren dazu, füllen die Vorgabe mit ihren eigenen körperlichen Ideen aus.

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Bewegte und bewegliche Skulpturen

Auf-, unter-, miteinander schaffen die Aktuer_innen beim Abschnitt zeitgenössischer Tanz fast bewegte und bewegliche Skulpturen bevor hinter einem der Vorhänge, die an stilisierte Bäume erinnern mögen, große, unterschiedliche Kunststoffbausteine (eine Leihgabe des Grazer Kindermuseums FRida & FrED) hervorgeholt werden, mit denen (nicht nur) die Kinder tanzen, auf ihnen turnen, sie irgendwann zu einer gemeinsamen großen wackeligen und doch stabilen Skulptur zusammenstellen.

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Zuguterletzt geht der interaktive „Museums“-Besuch mit einer reflexives Zeichenrunde zu Ende. Auf gedrittelten Papierblättern zeichnen die Besucher_innen zunächst ihren eigenen Kopf – im Gefühl, in der Stimmung der vergangenen Tanzepisoden, rechen den Zettel weiter, worauf die/der Nächste den Mittelteil des Körpers und nach derselben Prozedur die Beine zeichnet. Bilder die am Ende als kleine Ausstellung aufgehängt und betrachtet werden – mit der Erkenntnis: alle verschieden und doch was Gemeinsames gemacht! ;)

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Tanz Museum
VRUM Performing Arts Collective
Begehbare Installation mit Animation, 50 Minuten, ab 4 J.

Idee: Viktorija Ilioska, Kliment Poposki, Elena Risteska
Konzept, Projektentwicklung: Sanja Tropp Frühwald, Dejan Košćak
Performer_innen: Sanja Tropp Frühwald, Till Frühwald

Wann & wo?
Bis 20. Dezember 2018
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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