Alice bei den Herzköniginnen

© Alexi Pelekanos

Kiku
12/22/2018

Alice im „Wundert-sich-Land“

Üppige Inszenierung von „Alice im Wunderland“ in St. Pölten lässt trotzdem Freiräume für Fantasie.

Trotz großer Theatermaschinerie und Kostüm- und Deko„schlacht“ bleibt in der Inszenierung von „Alice im Wunderland“ (Regie Simon Windisch, Bühne und Kostüme: Lisa Horvath) im Landestheater NÖ in St. Pölten genügend Raum für Fantasie und vor allem Fragen der Hauptfigur.

Wer bin ich? Ist das normal, dass ich einmal groß und dann wieder klein, manchmal schwach und ein anderes Mal stark bin? Auf der Suche nach sich selbst – wie der vor 155 Jahren geschriebene Klassiker von Charles Lutwidge Dodgson, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Lewis Carroll, in vielen Interpretationen nahelegt – trifft Alice (Cathrine Dumont) auf der St. Pöltner Landestheaterbühne auf die wichtigsten Figuren aus dem „Wunderland“: Kaninchen, die Grinsekatze, Herzkönigin – hier als Mehrfachwesen -, Vogel, Raupe und Salamander.

In diese, sowie weitere vorkommende Wesen, schlüpfen Michael Scherff, Nora Winkler, Tobias Artner, Othmar Schratt und Robert Lepnik. Letzterer agiert weniger als Vogel, sondern mehr als Live-Musiker. Musik, die er dafür komponierte, spielt eine fast durchgängige Rolle in dieser kunterbunten Alice-Version.

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Lange, kurze Reise

Wobei die lange – nicht ganz zwei Stunden (eine Pause) -, weite Reise ins Wunderland sich am Ende nur als ein ausgedehnter Aufenthalt im Badezimmer erweist. Der nervt allerdings den Rest der Familie, steht doch das Klo in ebendiesem Badezimmer, in dem sich die unterschiedlich große Tür ins Reich der Fantasie öffnet. Die üppige Deko wird an manchen Stellen auch relativiert, indem einfache Kartons zu Großem aufgebaut werden und das Badezimmer am Ende wieder - aus wenigen großen nicht gerade luxuriösen Teilen – ruck-zuck zusammengebaut wird.

Apropos Ende: Die Darsteller_innen aller anderen Figuren „entpuppen“ sich in einer Schluss-Szene auf einmal nur als andere Versionen und Varianten von Alice. Was ihre Verwirrung nur auf eine neue Ebene hebt und Raum und Zeit für weitere Fragen – nicht nur von Alice – eröffnet.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Alice im Wunderland
von Lewis Carroll
Ab 6 Jahren, rund zwei Stunden mit Pause

Inszenierung: Simon Windisch
Alice: Cathrine Dumont
König, Raupe, Mutter, eine Erzähl-Alice, Koch/Hummer, Murmeltier: Othmar Schratt
Salamander, Hutmacher, Königin 1, Bruder, eine Erzähl-Alice, ein Diener: Tobias Artner
Kaninchen, Herzogin, Märzhase, Vater, eine Erzähl-Alice: Michael Scherff
Katze, Königin 2, Maus, Schwester, eine Erzähl-Alice: Nora Winkler
Greif, Musiker: Robert Lepenik

Bühne und Kostüme: Lisa Horvath
Musik: Robert Lepenik
Licht: Günter Zaworka
Ton: Martin Kerschbaum
Dramaturgie: Ludwig Hörst
Ausstattungsassistenz: Andrea Meschik
Regieassistenz: Amelie Wimmer
Soufflage: Rosalie Melichar
Inspizienz: Vera Bernhauser

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Wann & wo?
15./16. Februar 2019
29./30. März 2019
Jeweils 16 Uhr
Vorstellungen für Schulen um 10.30 auf Anfrage.

Landestheater Niederösterreich, Großes Haus
3100, Rathausplatz 11

19. März 2019, 16.30 Uhr
Gastspiel Bühne Baden

Telefon: (02742) 90 80 80 600

www.landestheater.net

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