Fasten ohne Folgen: Der große Härtetest beginnt erst
Zusammenfassung
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Das Finale der Fastenzeit wird gern romantisiert: erst Disziplin, dann Belohnung. Darin liegt ein Denkfehler, der medizinisch begründet ist: Der Körper ist nach Wochen der Zurückhaltung anders organisiert und hat sich teils bereits auf neue Routinen eingestellt, je nach dem, wie lange man diese verändert hat. Genau deshalb braucht er bei der Rückkehr in den gelebten Alltag kein Zurückfallen in alte Muster, sondern ein Führen in neue Wege.
Chrononutrition gewinnt Gewicht
Die Forschung gibt Antworten, fokussiert in diesem Zusammenhang nicht nur auf das „Was“, sondern auch auf das „Wann“. Chrononutrition, also die Frage nach dem richtigen Essenszeitpunkt, gewinnt Gewicht. Immer mehr Untersuchungen legen nahe, dass ein früheres, am Tagesrhythmus orientiertes Essen metabolisch günstiger sein kann als späte, ausufernde Mahlzeiten. Man wusste zwar schon bisher, dass späte Zufuhr üppiger Nahrung sprichwörtlich im Magen liegt, belegt ist hier aber inzwischen auch, dass es dabei zu hormonellen Rhythmusstörungen und schlechterer Insulinsensitivität kommen kann. Wer aus der Fastenzeit also etwas mitnehmen will, sollte nicht den Mangel konservieren, sondern eine Ordnung herstellen.
Stolpersteine
Medizinisch betrachtet ist die Rückkehr zur Normalität aber der eigentliche Härtetest. Wer nach der Reduktion oder dem Verzicht plötzlich abrupt viel und fettig isst, kann Probleme mit der Verdauung oder dem Kreislauf bekommen. Besonders gefährdet sind Menschen mit sehr geringer Nahrungsaufnahme über mehr als fünf Tage, deutlichem Gewichtsverlust, niedrigem BMI oder bereits auffälligen Elektrolytwerten. In diesen Fällen ist ärztliche oder diätologische Begleitung keine Vorsicht, sondern Pflichtprogramm. Sinnvoll ist ein Übergang, der dem Körper Sicherheit gibt: regelmäßiges statt chaotisches Essen zwischendurch, ausgewogene Mahlzeiten, weniger hoch verarbeitete Produkte. Dazu Bewegung als Stabilisierung des Stoffwechsels. Idealerweise in der Natur, die positiv auf Körper und Seele wirkt.
Die nüchterne Wahrheit ist nämlich: Nicht das Fasten selbst verändert den Körper entscheidend, sondern das, was danach bleibt. Das Ende der Fastenzeit ist deshalb kein Schlusspunkt. Es ist eine Prüfung, ob aus Verzicht tatsächlich Erkenntnis geworden ist.
Ihre Marlene Auer
marlene.auer@kurier.at