Zusammenfassung
Zu welchen Gesundheitsthemen möchten Sie gerne mehr erfahren?
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Eine Nachricht aus den vergangenen Tagen klingt nach einer Wende: In einem renommierten Fachjournal wurden Ergebnisse einer Studie zur Behandlung von Parkinson veröffentlicht, die vielversprechend scheinen. So könne ein Antikörper namens Prasinezumab das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Die Untersuchung befand sich in Phase-II, nun geht es auf den Weg in die Studie zu einer möglichen Zulassung.
Parkinson gilt als nicht heilbar und ist eine der großen Herausforderungen in der Gesellschaft. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter, Experten sprechen von einer Verdoppelung der Fallzahlen bis zum Jahr 2040. Es braucht also Tempo. Wesentlicher Hebel stellt dabei die Früherkennung dar. Denn wenn Parkinson ein paar Jahrzehnte vor dem ersten Zittern im Körper beginnt, entscheiden Biomarker, Schlafanalysen und Riechtests ob Therapien rechtzeitig greifen. Auch Prävention ist wesentlich, denn Bewegung, Schlafqualität und Ernährung wirken nachweislich auf das Risiko und den Verlauf. Und es braucht Geld sowie Struktur: Eine koordinierte und dauerhaft finanzierte Forschungsoffensive, wie man es in den USA beobachten kann, fehlt in Europa bisher.
Die Hoffnung auf ein modernes Medikament ist berechtigt, doch zugleich sollten die Erwartungen realistisch bleiben. Die Geschichte der Medizin kennt viele vielversprechende Ansätze, die in den ersten Studienphasen überzeugend wirkten, sich später jedoch nicht bestätigen ließen. Wissenschaftlicher Fortschritt lebt von sorgfältiger Prüfung, von Analyse und vor allem von Geduld. Im Speziellen bei neurodegenerativen Erkrankungen sind die biologischen Zusammenhänge sehr komplex, positive Zwischenergebnisse garantieren noch keinen Erfolg. Trotzdem ist die aktuelle Entwicklung und vor allem die Auseinandersetzung mit dem Thema ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass die Forschung zunehmend versucht, die Ursachen zu ergründen statt ausschließlich die Folgen zu behandeln.
Ihre Marlene Auer
marlene.auer@kurier.at