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Wird ein Geheimprotokoll zum politischen Stolperstein?

Jeden Montag teilt Chefredakteur Martin Gebhart im Hauptsache-KURIER-Newsletter persönliche Einblicke, Hintergrundgeschichten und Begegnungen, die sonst „off air“ bleiben.

Es waren wieder einmal solche Tage, an denen in den Redaktionen auf große Enthüllungspapiere gewartet wird. Vor allem in der Zeit der Regierung von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) war das ja ein Dauerzustand gewesen, zuletzt aber war schon lange nichts mehr Derartiges aufgetaucht. Vergangene Woche allerdings gab es wieder so einen Moment. Da hat am Donnerstag bereits die Runde gemacht, dass es ein Geheimprotokoll über den mächtigen Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck geben soll. Genauso soll Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig in dem Papier nicht so gut wegkommen. Interessanterweise wussten einige an diesem Tag bei der Premiere im burgenländischen Mörbisch schon ziemlich genau, was passieren wird. Dem Politmagazin profil und der Kronenzeitung war eine Niederschrift über Treffen im Weinkeller von Walter Ruck in der Weihburggasse in Wien zugespielt worden, die am Freitag mittags online gehen soll. Mit teils unschönen Zitaten, die von Ruck stammen sollen. Es gehe um Machtmissbrauch, Postenschacher und Sexismus, wie das profil am Tag darauf schrieb.

Natürlich stürzten sich dann auch alle anderen Medien darauf. Immerhin geht es in diesem Protokoll etwa um einen gut dotierten Posten in der stadteigenen Wirtschaftsagentur, den der ehemalige Chef der Wiener ÖVP, Walter Juracka, ohne Ausschreibung erhalten hat. Geschildert wird auch, wie Ruck innerhalb er Wiener ÖVP die Fäden gezogen hat. Und wie er Entscheidungen mit Michael Ludwig im Schweizerhaus getroffen hat. Dazu ist noch vieles aus der Wiener Wirtschaftskammer zu finden. Auch da geht es meist um Personalia.

Der KURIER hat alle möglichen Stellen mit dem Protokoll konfrontiert. Von mehreren Stellen bzw. Parteien kamen Rücktrittsaufforderungen, andere beschwichtigten. Auch auf das besondere Verhältnis zwischen Walter Ruck und Michael Ludwig wollte offiziell kaum jemand eingehen. Diese Achse hält ja schon sehr lange - oft sehr zum Ärgernis der Wiener Volkspartei. Als Walter Ruck bereits vor einiger Zeit wegen diverser Postenbesetzungen - da spielten auch seine Söhne eine Rolle - öffentlich viel Kritik einstecken musste, war ihm Michael Ludwig zur Seite gestanden. Dem Standard gaben beide ein gemeinsames Interview, um zu dokumentieren, dass man trotz der Vorwürfe weiter zusammenarbeiten will. Nach dem veröffentlichten Protokoll kann man gespannt sein, ob sich diese Achse erneut so der Öffentlichkeit stellt.

Die österreichische Wirtschaftskammer unter der Führung von Präsidentin Martha Schultz hat sich bisher auch zurückgehalten. Man sieht das Ganze als eine Wiener Affäre, mit der man nichts zu tun habe bzw. haben will. 

Ob auch diesmal die Steherqualitäten von Walter Ruck diese Affäre im Papierkorb verschwinden lassen werden, ist eher nicht anzunehmen. Noch dazu gibt es das Gerücht, dass es in diesem Zusammenhang noch zwei weitere Veröffentlichungen geben soll. Insider wollen von einer zweiten und dritten Welle gehört haben. Mit noch mehr Details. Aus dem Büro von Walter Ruck wurden die bisherigen Veröffentlichungen nur damit kommentiert, dass man diese Aussagen so nicht bestätigen könne. Profil hingegen erklärte, dass man sich von der Echtheit der Niederschrift über die mehrstündige Unterredung im Weinkeller von Ruck überzeugen konnte. Wobei seit der Vorwoche natürlich auch die Suche nach jener Person läuft, die diese Unterredung protokolliert haben soll. Das sei nicht so schwer, heißt es aus der Wiener Politik, weil der Weinkellner von Ruck eher nur exklusiven Gästen vorbehalten war und ist. Man wird sehen.

Vielleicht gibt es ja schon diese Woche Neuigkeiten dazu. Abseits davon wünsche ich Ihnen - wie gewohnt - eine schöne Juli-Woche.