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Die Intoleranz der linken Liga

Jeden Montag teilt Chefredakteur Martin Gebhart im Hauptsache-KURIER-Newsletter persönliche Einblicke, Hintergrundgeschichten und Begegnungen, die sonst „off air“ bleiben.

Ein Thema hat die heurigen Wiener Festwochen mehr dominiert als alle künstlerischen Events: Warum hat Intendant Milo Rau den Tech-Milliardär und Antichrist-Prediger Peter Thiel für eine Diskussion eingeladen? Und warum letztendlich wurde er wieder ausgeladen? Seither ranken sich die verschiedensten Gerüchte um diese geplatzte Diskussion. Das Wiener Rathaus soll sich direkt eingemischt haben, um den Auftritt des Unterstützers von US-Präsident Donald Trump und seinem Vize JD Vance zu untersagen. Immerhin hatte Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach seinem Abschied aus der Politik kurz bei Thiel angeheuert. Und Kurz gilt noch immer für die rote Stadtregierung als Persona non grata. Andere sprechen davon, dass Milo Rau alles rund um Peter Thiel nur mit einem Interesse inszeniert hat: Er wollte wieder einmal den Provokationspegel nach oben drehen. 

In diesem Zusammenhang meldete sich auch der Wiener Staatsoperndirektor Bogdan Roščić zu Wort. In einem Gastkommentar, der im KURIER erschienen ist, kritisiert er nicht nur Milo Rau, sondern auch das Theater rund um Peter Thiel. Das übrigens war dazu nicht der einzige Gastkommentar im KURIER. Vergangenen Samstag äußerte sich auch die Politologin Monika Mokre, die Mitglied des „Rats der Republik“ im Rahmen der Wiener Festwochen ist, kritisch zum Umgang mit Peter Thiel. So manchen in der "linken Liga" in Wien, wie sie mancherorts bezeichnet wird, dürfte das alles zu viel gewesen sein. Einer der Prominenten dieser Kreise, der Autor Robert Misik, schrieb auf Facebook ein Posting, das es in sich hat: "Roscic glaubt also, er hätte einen Vorteil davon, wenn er dem reaktionärsten ÖVP-Flügel - dem Salomon-Kurier - den Speichel leckt. Wird man sich merken. Viel Spaß wünsch ich ihm." 

Das ist schon harter Tobak. Jetzt einmal abgesehen von den abfälligen Bemerkungen gegenüber dem KURIER. Die kann man sogar als kleines Lob deuten, weil sie unterstreichen, welch schmerzhafter Stachel der KURIER in seinem Fleisch ist, weil dort mehrere Meinungen möglich sind. Nicht nur jene, die Robert Misik gefallen. Viel schlimmer ist der Satz: "Wird man sich merken." Robert Misik ist in der SPÖ nicht irgendwer. Er gilt als einer der linken Denker in der Partei, er ist eine der Säulen des Bruno-Kreisky-Forums, er hat ein Buch über Ex-Kanzler Christian Kern geschrieben und er gilt auch als einer der Wegbegleiter von SPÖ-Chef Vizekanzler und vor allem Kulturminister Andreas Babler. Und er ist auch noch Dramaturg bei den Festwochen. Und da bekommt so ein Satz dann schon Gewicht. Das kann man ruhig als eine versteckte Drohung werten, sich in Zukunft genau zu überlegen, was man so sagt oder publiziert. Und das in der freien Gesellschaft, die die Festwochen und auch Robert Misik so gerne auf ihren Lippen tragen. Tatsächlich ist es ein Auswuchs jener Intoleranz, die einen offenen und zielführenden Diskurs unmöglich macht. 

Doch zurück zu den Wiener Festwochen: Wenn es um die Präsenz in der Öffentlichkeit geht, dann war Milo Rau mit seiner Thiel-Provokation erfolgreich. Ob das alles noch im Sinne der Wiener Festwochen ist, muss bezweifelt werden. Wobei man der Diskussion auch etwas Positives abgewinnen kann: Nun hat sich eine größere Öffentlichkeit in Österreich mit Peter Thiel beschäftigt. Der kämpft missionarisch gegen den Antichristen und hat dabei vor allem Europa im Visier. Für seine Mission nimmt er den Begriff des "Katechon" (griechisch für der Aufhalter) mit Verweis auf die Bibel in Anspruch. Thiel legt die Bibel so aus, wie er es will. Und er findet damit auch Anhänger, die mit der momentan Weltordnung nicht zufrieden sind. Was ihn besonders gefährlich macht, ist nicht nur sein Einfluss auf die amerikanische Regierung, sondern auch das viele Geld, das ihm seinen Kreuzzug ermöglicht. Insofern wäre ein Abend mit ihm in Wien sicherlich auf großes Interesse gestoßen. Aber nicht als eine von Milo Rau inszenierte Provokation, sondern als eine tatsächliche Diskussion. Wobei das für die Moderation und die möglichen Gegner kein einfacher Abend geworden wäre.

In der Hoffnung, dass Sie mit toleranteren Menschen zu tun haben, wünsche ich Ihnen eine schöne Woche.