Gerhard Zeiler und die geplante Reform des ORF
Die Reaktionen, die man von Leserinnen und Lesern auf die verschiedensten Geschichten und Kommentare im KURIER oder auf kurier.at erhält, sind sehr unterschiedlich. Oft ist es Kritik an einem Thema oder einer Position, die im Blatt oder online vertreten wird, oft sind es Ergänzungen und zum Glück vielfach auch Lob für Artikel. Zum Interview mit dem ehemaligen ORF-Generalintendanten und jetzigen internationalen Medienmanager Gerhard Zeiler am Sonntag gab es etliche Reaktionen. Immerhin war er dabei sehr präzise auf die aktuellen Probleme des ORF eingegangen, die die Affäre rund um Ex-Generaldirektor Roland Weißmann und die damit verbundenen Intrigen- und Machtspiele am Küniglberg ausgelöst haben. Gleich in mehreren eMails zu diesem Interview war der Vorschlag zu finden, Zeiler selbst sollte die Führung des ORF übernehmen, wenn im August ein neuer Generaldirektor bestellt werden muss.
Diese Idee hat schon was für sich. Zeiler kennt den ORF von innen. Er war einige Jahre Generalsekretär am Küniglberg, von 1994 bis 1998 sogar Generalintendant. In der Erinnerung zählt diese Periode zu den erfolgreichen Zeiten des Öffentlichen Rundfunks in Österreich. Und er kennt die internationale Medienwelt. Er war in Deutschland bei verschiedenen Sendern, hauptsächlich der RTL-Gruppe. Er ist jetzt Präsident von WarnerMedia International. Dazu kommt, dass er bereits 70 Jahre alt ist und so viel verdient hat, dass er den Job wirklich nur deshalb machen würde, weil ihm am ORF etwas liegt und weil er diesen für Österreich unbedingt notwendig hält. Dazu würde er das aus einer Position heraus machen, die ihm alle Möglichkeiten gibt, das größte Medienunternehmen des Landes auf neue Beine zu stellen und alten Intrigen- und Machtspielen den Boden zu entziehen. Gerhard Zeiler hat im KURIER-Interview aber ganz klar abgesagt, weil er noch in einem anderen aufrechten Vertrag ist. Somit gibt es für all jene, die den ORF neu aufstellen wollen, diese Option eben nicht.
Doch wer soll dann diese Herkulesaufgabe übernehmen? Oder soll Übergangs-Generaldirektorin Ingrid Thurnher auf ihrer Position verbleiben? Dazu gab es in der Osterwoche einen zweiten spannenden Besuch im KURIER-Haus. Nico Marchetti, Generalsekretär der ÖVP, war ebenfalls zum Interview gekommen und hat erstmals ausführlich über den ORF gesprochen. Er ist ja auch Mediensprecher seiner Partei, die derzeit mit Christian Stocker den Kanzler stellt und deshalb bei einer ORF-Reform und bei der Bestellung der zukünftigen Generaldirektion sehr viel mitzureden hat. Er verwies im Hinblick auf die Personalentscheidung pflichtgemäß auf den Stiftungsrat, stellte aber auch fest, dass dem ORF jemand von außen gut täte. Also keine Person, die derzeit im ORF beschäftigt ist. Nur so könnte das System, das derzeit durch die Affäre um den Ex-Generaldirektor in die Schlagzeilen geraten ist, durchbrochen werden, so die Meinung, die man immer wieder von ÖVP-Vertretern hört.
Marchetti kündigte im KURIER auch an, dass im Herbst - nach der Bestellung der neuen Führung - die im Regierungsprogramm verankerte ORF-Reform durchgezogen wird. Die war bisher noch nicht so im Blickfeld. Unter dem Titel "Gesamtreform des ORF" finden sich da einige Punkte, die überraschen: Die Intensivierung der Kooperationen des ORF mit Privatmedien, eine Stärkung der öffentlich-rechtlichen Elemente im Programm, kontinuierliche Kostenoptimierung (der Haushaltsbeitrag ist bis 2029 eingefroren), Beschränkung der kommerziellen Aktivitäten des ORF, Nachschärfung des Objektivitätsgebots, klare Regelung zum Verbot von Nebenbeschäftigungen von ORF-Mitarbeitern oder die gesetzliche Verankerung von Social-Media-Guidelines für die ORF-Mannschaft. Diese Themen sollen angesichts der aktuellen Affären ausgeweitet werden, hört man. Und die kommende Generaldirektion muss die Reform umsetzen. Da kommt jetzt einiges auf den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu.
Doch zurück zu Gerhard Zeiler. Der wurde in der Interviewsendung "Bei Gebhart" auch nach seiner SPÖ gefragt. Immerhin wäre er nach Kanzler Werner Faymann fast Parteichef und Kanzler geworden. Zumindest wollte es der damals innerparteilich dominante Wiener Bürgermeister Michael Häupl so. Dass es nicht dazu gekommen ist, lag an den anderen Landesparteien, die sich davor schon für Christian Kern als Nachfolger entschieden hatten. Zu seiner Partei hat sich Zeiler danach in einem KURIER-Interview nur noch einmal öffentlich zu Wort gemeldet, als zur Debatte stand, ob Pamela Rendi-Wagner oder Hans Peter Doskozil die SPÖ in die Zukunft führen soll. Er erklärte damals, dass er sein Parteibuch zurücklegen werde, wenn Doskozil Parteiobmann wird. Heute sieht er das entspannter und erklärte jetzt gegenüber dem KURIER, dass das ein emotionelle Aussage war, die er so nicht treffen hätte sollen. Letztendlich ist ja auch Doskozil nicht Parteichef geworden, sondern Andreas Babler. Und wie sieht Zeiler seine SPÖ heute? "Die Partei hat Babler mit mehr als 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Also insofern gibt es da nichts zu diskutieren." Viel nüchterner kann man auf so eine Frage nicht antworten.
Insgesamt wird die Welt auch diese Woche wieder in Richtung Iran blicken und hoffen, dass dieser Krieg rasch enden wird. Auch wenn das derzeit nicht zu erwarten ist. Dennoch wünsche ich Ihnen einen schöne neue Woche.
Auf jeden Fall wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine schöne Osterwoche. Am Wochenende wird dann auch das Wetter wieder mitspielen.